Maryam Madjidi

Maryam Madjidi

Du springst, ich falle

24.05.2018, 20:00 Uhr

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.


Exil geht durch die Nase: „Das Allerekligste ist der Käse. Der französische Käse stinkt.“ In Paris packt Maryam das Heimweh: „Ich träume von unserem iranischen Feta.“ Weil ihre Eltern Kommunisten sind, müssen sie vor Khomeini fliehen. Ein Genosse wurde erschossen. Von ihm ist nur „eine klägliche Plastiksandale“ geblieben. Frankreich bietet Sicherheit, aber keinen Trost. Die Familie und Freunde fehlen, die Selbstverständlichkeit der Sprache. Ist die Welt, wie man sie kennt, aus den Fugen, verliert auch die Zeit ihre Ordnung. Deshalb schaut dieser autobiographische Roman immer wieder voraus und zurück, dehnt und verringert sich die Distanz zum eigenen Selbst: vom kleinen Mädchen im Iran bis zur Erwachsenen auf Reisen. Ihre Geschichte setzt sich aus Miniaturen, eingeschobenen Märchen und Gedichten zusammen. Es ist der Versuch einer Antwort auf die Frage: „Weißt du eigentlich, was es bedeutet, nirgendwo zu Hause zu sein?“

Für Du springst, ich falle hat Maryam Madjidi 2017 den renommierten Prix Goncourt für das beste Debüt des Jahres erhalten. Mit diesem Buch reiht sie sich hinter Autoren wie Didier Eribon, Annie Ernaux und Édouard Louis ein. Nicht nur beim Käse, sondern auch beim autobiographischen Schreiben haben die Franzosen die Nase vorn.

Lesung dt. Text: Katharina Susewind

Moderation: Ruthard Stäblein

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

Maryam Madjidi wurde 1980 in Teheran geboren, verließ mit sechs Jahren den Iran, um mit ihren Eltern in Frankreich zu leben. Heute unterrichtet sie in Paris Flüchtlinge in Französisch und schreibt.

Mit freundlicher Unterstützung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt am Main e.V. und des Institut français Francfort-sur-le-Main.

© Gregory Augendre-Cambon