Nach Eribon I

Nach Eribon I

Mit Guillaume Paoli

10.04.2018, 20:00 Uhr

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.


Die lange Nacht der Metamorphose ist eine Gratwanderung. Das Risiko, in „Kulturpessimismus“ abzugleiten, nimmt Guillaume Paoli in Kauf. Die Wahl, „entweder Queer oder Pegida“, macht er nicht mit. Er pfeift auf das „altbekannte Lied: Wer etwas gegen Links sagt, ist rechts“. Stattdessen hält Paoli es mit Pasolini. In den 70ern warnte der kommunistische Regisseur und Dichter noch vor einer „anthropologischen Mutation“. Nun sind wir, so die Hypothese, mittendrin. Der ständigen Rede von Diversität zum Hohn passe sich der Mensch von Kopf bis Fuß einer neoliberalen Einheitsgesellschaft an. Anzeichen dafür findet Paoli in so unterschiedlichen Bereichen wie Stadtplanung und Journalismus. Eine Folge dieser Entwicklung: Die einen werden immer toleranter, die anderen immer ärmer. Jaja, der Neoliberalismus – „und jetzt gähnen schon alle!“ Das ist einer von Paolis Vorzügen: Er baut, bei aller Polemik, auf Widerspruch.

Im Sommer 2016 war Didier Eribon hierzulande in aller Munde. Mit übersetzungsbedingter Verzögerung schrieb er der deutschen Linken ins Stammbuch, dass es nicht nur kulturelle Kämpfe, sondern auch noch eine soziale Frage gibt. Geändert hat sich seitdem – wenig. In loser Folge laden wir deshalb Gäste ein, die dort weiterdenken, wo Eribon aufgehört hat: an der Schnittstelle von kulturellem Fortschritt und sozialer Regression.

Moderation: Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

Guillaume Paoli ist ein deutschschreibender französischer Schriftsteller und Philosoph. Er lebt seit 1992 in Berlin. Er arbeitete als ‚Demotivationstrainer‘ und war ‚Hausphilosoph‘ am Leipziger Centraltheater. Seine Schriften befassen sich u.a. mit Faulheitstheorie, Antiökonomie, Anthropologie, Sozialgeschichte, Bienenforschung, Liberalismuskritik, Architektur, Theater und Rekonstruktion. Zu seinen Veröffentlichungen zählt neben Die lange Nacht der Metamorphose. Über die Gentrifizierung der Kultur u.a. Mao siegt – Sieg dem Narzissmus-Nihilismus.

© privat