Ursula Krechel

Ursula Krechel

Geisterbahn

12.11.2018, 20:00 Uhr

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.


Wen die „Volksgemeinschaft“ in Trier ein- oder ausgeschlossen hatte, wissen die in einer Schulklasse vereinten Kinder nicht. Sie wissen nicht, dass Annchen Dorn die meisten ihrer Geschwister nie kennen lernen konnte, weil man sie in Lagern sterben ließ; dass Iris Berghausens Mutter den „Sieg fürs Vaterland“ beschwor; dass Aurelia Torgau den Namen ihrer Tante, einer Kommunistin und Auschwitz-Überlebenden, trägt; dass Cecilia Neumeisters Vater als Beamter des Reichsarbeitsministeriums über KZ-Häftlinge gebot. Erst mit Jahrzehnten Abstand kann Bernhard Blank, Sohn eines Polizisten, sowohl die eigene Familiengeschichte als auch die seiner Klassenkameradinnen erzählen.

In Ursula Krechels Geisterbahn kollidieren die Lebenswege von Tätern, Mitläufern und Opfern des Hitler-Regimes. Gestützt auf historische Quellen zeichnet der Roman am Beispiel einer Stadt den Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus nach – und dessen Nachwirken bis in die Gegenwart. Mit dem Porajmos, dem ‚Verschlingen’, steht dabei ein noch immer unterbelichteter Teil deutscher Vernichtungspolitik im Mittelpunkt: der Völkermord an den Sinti und Roma.

Moderation: Beate Tröger

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier, studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Erste Lyrikveröffentlichungen 1977, danach erschienen Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. 2009 erhielt Ursula Krechel den „Joseph-Breitbach-Preis“, 2012 wurde sie für ihren Roman „Landgericht“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Ursula Krechel ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland und seit 2012 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie lebt in Berlin, wo sie die Werkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums leitet.

© Gunter Glücklich