L. 99/100 - Ein rosa Stoffelefant

L. Der Literaturbote

Heft 103/104 – Februar 2012

Herrliche Unendlichkeit

Liebe Leserinnen und Leser,

im vergangenen Herbst hatte die Redaktion sich vorgenommen, in diesem Heft den (literarischen) Blick zurück auf das vergangene Jahr zu werfen – auf ein,  unserer Meinung nach, besonderes Jahr. Der Frühling hatte 2011 mit der Atomkatastrophe in Fukushima angefangen, dann kam die Sonne mit den arabischen Revolutionen in Tunesien und Ägypten; den Sommer über hielt die europäische Krise uns die Treue (sie hält uns bis heute bei Laune und in Atem), und im Herbst war es in Libyen Frühling geworden. Eine ganze Reihe von Autoren und  Autorinnen hatte uns Beiträge zu diesem „verrückten Jahr“ angekündigt.

Aber scheinbar war das Jahr, in seiner Nachwirkung, doch nicht so „anders“ als die Zeit davor und danach. Von den in dieser Ausgabe unserer Zeitschrift versammelten Texten nehmen lediglich der Aufsatz von Christophe Fricker und die Gedichte von Kornelia Koepsell mehr oder weniger direkten Bezug auf Entwicklungstendenzen von Leben, Kultur und Geistesgeschichte, wie sie sich 2011 vielleicht dennoch deutlicher als zuvor gezeigt haben.

Herausragende Ereignisse – Katastrophen oder Befreiungsmomente – gehören, so scheint es, zum normalen (geistigen und politischen) Inventar der Zeit, in der wir leben. Wie wir darauf reagieren, sieht auf den ersten Blick nach „business as usual“ aus.

Und dennoch: Alles andere als „gewöhnlich“ ist der Entschluss von Otto A. Böhmer, nicht Karriere zu machen, wie er in seiner Geschichte „Emily“ schreibt. Und eigensinnig und eigenwillig, wie immer, der Bericht von Ulrich Holbein über die „herrliche Unendlichkeit“, die in eine Dose passt. Junge Prosa von Iris Junker und Safiye Can trifft auf junge Lyrik von Carolin Callies und Peter Kapp; und zwei befreundete Poeten mit einem allmählich abgerundeten Werk – der große „Grantler“ Franz Hodjak wie der Poet und Hirte Olaf Velte – treffen sich in der Anti-Idylle zwischen ihren hessischen Wohnorten.

Zu ihnen gesellt sich diesmal eine ganz eigene Persönlichkeit: Achim Wellbrock – Sozialarbeiter, ehemaliger Justizvollzugsbeamter und Schriftsteller. Seine Geschichten haben es noch in keinen Verlag geschafft – vielleicht sind es dafür zu viele, in Schichten liegen sie neben- und über- und miteinander wie in einem Steinbruch und geben Einblick in die Welt, wie sie sich in einem Menschen mit ganz eigenem Kopf spiegelt.

Und wie immer drucken wir Texte von Preisträgern des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen ab, die wir für besonders gelungen halten. Wir sind sicher, dass Alice Kerpen, Romina Voigt und Moritz Gause noch von sich hören machen werden.

Das nächste Heft – es erscheint pünktlich zu Ostern – wird wieder ein „offenes Heft“ sein; wir verzichten auf thematische Vorgaben und hoffen mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auf gelungene Überraschungen.

Inhalt

Otto A. Böhmer
Ulrich Holbein
Christophe Fricker
Nancy Hünger
Kornelia Koepsell
Iris Junker
Peter Kapp
Achim Wellbrock
Olaf Velte
Carolin Callies
Franz Hodjak
Safiye Can
Stefana Sabin
Olga Martynowa
Harry Oberländer

Junges Literaturforum Hessen-Thüringen

Moritz Gause
Alice Kerpen
Romina Voigt