SCHIMPF & SCHANDE

Zum Pranger gehören mindestens zwei: einer am Pranger und einer davor. Der Erste hat die Schande, der Zweite seinen Spaß. Mittlerweile ist der Pranger aus der Mode gekommen. Sein Prinzip aber will die Veranstaltungsreihe Schimpf & Schande wieder salonfähig machen.

„Was? DAS Buch hast Du nicht gelesen?“ – so läuft Anprangern unter Bildungsbürgern. Bei uns jedoch soll diese „Schande“ den Ausgangspunkt für ein Gespräch bilden. Wir laden Autorinnen und Autoren dazu ein, über Klassiker der Weltliteratur zu reden, die sie bislang noch nicht gelesen haben. Ein paar Spielregeln sind dabei zu beachten. Die Unkundigen bekommen die Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen, indem sie die Lektüre bis zum Veranstaltungsabend nachholen. Vorab müssen sie jedoch ein Statement formulieren: Um was geht es, dem Hörensagen nach, in diesem Text? Welche Erwartungen verbinden sie mit ihm?

Auf der Bühne werden nicht nur diese Thesen und Erwartungen auf ihre Haltbarkeit geprüft – sondern auch die Bücher selbst. Ist das jetzt wirklich Kunst? Oder räumen wir einen Platz im Kanon frei? Hält der Text mit dem Ruf, der ihm vorauseilt, mit? Worauf stützt sich überhaupt der Rang, der ihm zugesprochen wird? Es ist nicht ausgemacht, wen der „Schimpf“ am meisten trifft und wer sich zum Schluss am Pranger wiederfindet. Die Zuschauer dürfen und sollen sogar dabei mitmischen. Nur für faules Gemüse und Eier, darum bitten wir, müssten Sie schon selbst sorgen.

Demnächst bei Schimpf & Schande.