REIHEN

Veranstaltungsreihen

POETISCHE POSITIONEN

Gegenwartslyrik hat keinen leichten Stand: sie sei – so ist allenthalben zu hören – zu sperrig zum Lesen, zu unergiebig für Verlage, zu wenig zum Leben für diejenigen, die sie schreiben. Diesen Unkenrufen zum Trotz hat sich eine produktive wie streitbare Lyrikszene etabliert. In Zeitschriften und auf digitalen Plattformen werden nicht nur Gedichte veröffentlicht, sondern vor allem auch Arbeitsweisen und Grundlagen kritisch diskutiert.

Die Poetischen Positionen sollen diesem umtriebigen Teil der Literaturszene die Möglichkeit bieten, Tendenzen, Ambitionen und Konfliktlinien einem breiteren Publikum vorzustellen. Dazu laden wir nicht nur Autorinnen und Autoren ein, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft, dem Verlagswesen und dem Kulturbetrieb. Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven erst ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild des Phänomens Gegenwartslyrik.

SCHIMPF & SCHANDE

Zum Pranger gehören mindestens zwei: eine*r am Pranger und eine*r davor. Die erste Person hat die Schande, die Zweite ihren Spaß. Mittlerweile ist der Pranger aus der Mode gekommen. Sein Prinzip aber will die Veranstaltungsreihe Schimpf & Schande wieder salonfähig machen.

„Was? DAS Buch hast Du nicht gelesen?“ – so läuft Anprangern unter Bildungsbürger*innen. Bei uns jedoch soll diese „Schande“ den Ausgangspunkt für ein Gespräch bilden. Wir laden Autor*innen dazu ein, über Klassiker der Weltliteratur zu reden, die sie bislang noch nicht gelesen haben. Ein paar Spielregeln sind dabei zu beachten. Die Unkundigen bekommen die Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen, indem sie die Lektüre bis zum Veranstaltungsabend nachholen. Vorab müssen sie jedoch ein Statement formulieren: Um was geht es, dem Hörensagen nach, in diesem Text? Welche Erwartungen verbinden sie mit ihm?

Auf der Bühne werden nicht nur diese Thesen und Erwartungen auf ihre Haltbarkeit geprüft – sondern auch die Bücher selbst. Ist das jetzt wirklich Kunst? Oder räumen wir einen Platz im Kanon frei? Hält der Text mit dem Ruf, der ihm vorauseilt, mit? Worauf stützt sich überhaupt der Rang, der ihm zugesprochen wird? Es ist nicht ausgemacht, wen der „Schimpf“ am meisten trifft und wer sich zum Schluss am Pranger wiederfindet. Die Zuschauenden dürfen und sollen sogar dabei mitmischen. Nur für faules Gemüse und Eier, darum bitten wir, müssten Sie schon selbst sorgen.