»In diesem Moment verstand ich noch nicht, dass ich nicht trauern kann, solange ich glaube, dass es niemanden gibt, der mich tröstet.«
Ende März, 2029. Deutschland steht erneut vor einer vorgezogenen Bundestagswahl. Die Regierung ist gescheitert, die politischen Lager stehen sich noch unversöhnlicher gegenüber als zuvor, und während rechte Milizen durch die Städte ziehen und unbehelligt Selbstjustiz üben, stirbt Jonas’ Vater. Das Verhältnis der beiden war immer ambivalent: Niemandem fühlte Jonas sich in guten Zeiten näher, vor nichts fürchtete er sich mehr als vor dem plötzlich aufbrechenden Jähzorn des Vaters.
Währenddessen bereitet sich Estelle, die mit Jonas eine Affäre hat, auf die drei letzten Wahlkampftage vor. Sie schreibt Reden für Sandra Terzinger-Köhn, die hoffnungsvollste Gegenkandidatin zu den in Umfragen führenden Konservativen. Doch als die Politikerin nach einem rechten Terrorangriff ihre Überzeugungen über Bord wirft, um sich Macht zu sichern, muss Estelle sich die Frage stellen, ob sie bereit ist, ihre eigenen Ideale zu verraten.
In seinem Debütroman Hier ist der Beginn und das Ende ist dort erzählt Jean-Philippe Kindler politisch hellsichtig von einer Welt, die sich radikalisiert hat, er erzählt empathisch von zwei Menschen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen, weil ihnen der Halt abhanden gekommen ist. Und er entwirft eine Utopie, um der Kälte etwas entgegenzusetzen: Was, wenn wir zum Wir zurückfinden?
Moderation: Marie Köhler
Jean-Philippe Kindler, 1996 in Duisburg geboren, ist Satiriker, Moderator und politischer Vordenker. Seine Bühnenprogramme erhielten viele Auszeichnungen, unter anderem den Prix Pantheon und den Deutschen Kabarettpreis. Er ist Mitbegründer des linken Podcast-Kollektivs Studio Rot und arbeitet als Berater für Die Linke. 2023 erschien sein Spiegel-Bestseller Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf. Kindler lebt in Hamburg.
Marie Köhler lebt und arbeitet in Köln und ist Medienkünstlerin, Kuratorin und Dozentin an verschiedenen Hochschulen in Deutschland. In ihrer künstlerischen und theoretischen Arbeit untersucht sie koloniale und rassistische Strukturen sowie gesellschaftliche Dominanzverhältnisse und macht deren Komplexität sichtbar.