»Wovon sprichst du, Ozzy, wird sie sagen, komm zum Punkt.«
Als wäre die Sache mit dem Hasen für Oz selbst nicht schon schlimm genug, wird er jetzt von seiner Lehrerin auch noch wie ein Verbrecher behandelt. Dabei ließe sich alles schnell erklären: wenn Oz schnell erklären könnte oder wenn die Menschen um ihn herum mehr Geduld hätten. Aber mit einem wie Oz, der sich nicht so leicht konzentrieren kann, hat halt kaum jemand Geduld, nicht mal seine Mutter Ann. Dabei müsste Ann es besser wissen, denn auch in ihrem Kopf rauscht es schon immer, wenn ihr die Welt zuviel wird, und dann ist ihre Zündschnur kurz. Doch das Hasen-Geständnis muss warten, denn Zilly, Oz’ Großmutter, ist vor einer Operation in die Berge geflüchtet und muss gefunden werden.
In ihrem neuen Roman Sie wollen uns erzählen widmet sich Birgit Birnbacher einer Thematik, die in der Literatur bisher wenig ausgeleuchtet wurde: ADHS. In klassischer Birnbacher-Manier erschafft sie ohne jede falsche Sentimentalität und dafür mit viel Empathie und Humor zwei Figuren, die man so schnell nicht vergisst. Gegen alle Widerstände – und manchmal auch gegen sich selbst – erkämpfen Oz und Ann sich einen Platz in einer Welt, die in ihrer Normiertheit eigentlich nicht für die beiden gemacht ist.
Moderation: Christoph Schröder
Birgit Birnbacher, geboren 1985, lebt als Schriftstellerin in Salzburg. Ihr Debütroman Wir ohne Wal (2016) wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet. Auch darüber hinaus erhielt sie zahlreiche Preise, unter anderem 2019 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sie wollen uns erzählen (2026) ist ihr vierter Roman.
Christoph Schröder, geboren 1973, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie. Er ist Autor und Kritiker, sowie Dozent für Literaturkritik an den Universitäten Frankfurt am Main und Köln. Schröder lebt in Frankfurt am Main.