Julia Ebner

»Von Fitness zu Faschismus«

19:30

»Radikalisierte Männlichkeit wird maßgeblich von drei Faktoren getrieben: Stress, Mangel und Statuskonkurrenz.«

 

Echte Männer essen Fleisch, verdienen möglichst viel Geld mit möglichst harter Arbeit, und sie stählen ihren Körper. Das, was wir uns gemeinhin unter Männlichkeit vorstellen, ist seit Jahrhunderten geprägt von Mythen, in denen es um Macht und Gewalt geht. Und diese Mythen erleben gerade eine folgenschwere Renaissance: in Gestalt von Influencern, die in TikTok-Livestreams rohe Leber und Stierhoden essen; von Schülern, die mithilfe von KI sexualisierte Deepfakes ihrer Klassenkameradinnen erstellen oder von Mixed-Martial-Arts-Kämpfern, die sich auf den »Rassenkrieg« vorbereiten. 

In ihrem Buch Von Fitness zu Faschismus folgt Julia Ebner den Mythen von Fleisch, Geld und Muskeln bis hinein in die Kämpfe unserer Gegenwart. Undercover berichtet sie von Neonazi-Kampfsportfestivals, christlich-fundamentalistischen Buchclubs und ICE-Einsätzen in Minneapolis – immer mit den Fragen im Gepäck: Wann werden Männer empfänglich für Gewalt? Und wie können wir diesen Kreislauf durchbrechen und ein positives  Männlichkeitsbild etablieren? Denn eine der vielen Stärken dieses Buchs ist, dass Ebner nicht bei der Diagnose stehenbleibt, sondern einen Ausweg aus der Radikalisierung aufzeigt.

Moderation: Silke Hartmann

Julia Ebner
© Justin Giffiths Williams / Suhrkamp Verlag

Julia Ebner, geboren 1991 in Wien, leitet das Violent Extremism Lab an der Universität Oxford und ist Co-Geschäftsführerin des Institute for Strategic Dialogue, wo sie Projekte zu Online-Radikalisierung, Terrorismus, Verschwörungsmythen und Hassrede verantwortet. Als Expertin berät sie Regierungen, Geheimdienste, Technologieunternehmen und internationale Organisationen. Sie schreibt regelmäßig für Medien wie The Guardian, Financial Times, Washington Post und Süddeutsche Zeitung und hält öffentliche Vorträge und Gastvorlesungen. Ihr Buch Radikalisierungsmaschinen wurde als »Wissenschaftsbuch des Jahres« ausgezeichnet und stand auf der Sachbuch-Bestenliste. Massenradikalisierung war ihr vielbeachtetes zweites Buch.

Silke Hartmann, geboren 1967, arbeitet als freie Kulturmanagerin in Frankfurt am Main. 2008 machte sie sich mit ihrer Agentur Kulturperle selbstständig und ist seither an der Konzeption und Organisation zahlreicher Veranstaltungen in und um Frankfurt beteiligt. Zudem ist sie Mitbegründerin und Mitveranstalterin der Veranstaltungsreihe text&beat.