Anke Stelling

Anke Stelling

Schäfchen im Trockenen

07.11.2018, 20:00 Uhr

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.


„Nur ganz zart“ habe sie die Klassenfrage bisher angerissen, meinte Anke Stelling vor drei Jahren gegenüber der taz. „Ich glaube“, fügte sie an, „ich muss sie noch einmal brachialer stellen“. Gesagt, getan: Schäfchen im Trockenen handelt von der Illusion sozialer Aufstiege, von der Erfahrung, dass die eigene Herkunft einen langen Schatten wirft. So erscheint es der Schriftstellerin Resi, die mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Zu allem Überfluss wird die Wohnung, in der sie mit ihrer Familie lebt, gekündigt. Der Hauptmieter, einst enger Freund, will die Familie heraushaben. Resis alte Clique – Linke wie sie, aber aus gutem Hause – bricht den Kontakt ab: Man lebt in einem Gemeinschaftshaus im Prenzlauer Berg und ist beleidigt. Denn Resi hat über das Projekt, an dem sie sich nicht beteiligen wollte, geschrieben, zuerst nur in einem Zeitungsartikel, dann aber auch in einem „bösen Buch“. Während die einen eine vanillefarbene Fassade und begehbare Kleiderschränke haben, müssen die anderen schauen, wo sie in Zukunft bleiben.

Nachdem sie in Bodentiefe Fenster ein Berliner Hausprojekt und das entsprechende Milieu aus einer Binnenperspektive sezierte, wählt Anke Stelling in ihrem neuen Roman den Blick einer Ausgeschlossenen, die glaubte, dazuzugehören. Das so ins Spiel kommende soziale Gefälle eröffnet bittere Einsichten, denen Resi nur mit ebenso bitterem Humor begegnen kann.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Anke Stelling, geboren 1971, aufgewachsen in Stuttgart, ging mit dem Abitur in der Tasche nach Berlin, wo sie, unterbrochen von einem erfolgreichen Intermezzo am Leipziger Literaturinstitut, lebt und als freie Autorin arbeitet. 2004 wurde ihr gemeinsam mit Robby Dannenberg verfasster Roman Gisela verfilmt, 2010 die Erzählung Glückliche Fügung.

Ihr Roman Bodentiefe Fenster (2015) stand sowohl auf der Longlist des Deutschen Buchpreises als auch auf der Hotlist der unabhängigen Verlage und wurde mit dem Melusine-Huss-Preis ausgezeichnet.

© Nane Diehl