Waldschmidtstrasse 4, 60316 Frankfurt am Main, Telefon 069.24449940, info@hlfm.de

PROGRAMM

PROGRAMM

Dez 2021

***wird verschoben*** Arnold Stadler

Am siebten Tag flog ich zurück

02.12.2021 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

*** Die Veranstaltung wird im kommenden Frühjahr nachgeholt. Bereits erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit.***

 

Der Kilimandscharo ist seit Kindertagen ein Sehnsuchtsort Arnold Stadlers: Ein Ölgemälde des schneeumwehten Gipfels hing schon im elterlichen Wohnzimmer und sorgte für Fernweh. Als schließlich eine Zeitung beim Büchnerpreisträger anklopft und ihn für eine Reisereportage über einen Ort seiner Wahl anfragt, ist das Ziel schnell gewählt, der eigenen Flugangst zum Trotz. Weitere Zumutungen folgen: Furcht vor Hyänen, Mitleid mit einem toten Zebra, stehlende Schimpansen oder schlicht die Anwesenheit von Mitreisenden.

Doch Am siebten Tag flog ich zurück wäre kein echter Stadler-Roman, wenn der Autor sich tatsächlich auf eine klassische Beschreibung einer Reise beschränkt hätte. Nicht umsonst heißt es einmal: „Mein Leben hat keinen Plot.“ Statt sich geradlinig erzählend von A nach B zu bewegen, lässt Stadler sich treiben. Er mäandert assoziativ durch seine eigene Lebensgeschichte, unternimmt Ausflüge in die Kulturhistorie und wandert Nebenpfade ab, immer getreu dem Motto, dass Abschweifungen zugelassen werden müssen, um aus einem Stoff Literatur zu machen. Und was ist der Stoff? Es ist das Leben des Autors selbst, es sind die bekannten Motive, virtuos variiert: Sehnsucht und Heimweh, das Dorf, die Kunst, der Glaube, so melancholisch und gleichzeitig komisch, wie man es vielleicht nur von Stadler kennt.

Moderation: Christoph Schröder

Eintritt: 8,- / 5,- / Soliticket: 12,-

Zutritt nur mit im Vorverkauf erworbenen Tickets.

Zu Hinweisen bezüglich unseres Hygienekonzepts bitte hier weiterlesen.

 

Arnold Stadler wurde 1954 in Meßkirch geboren. Er studierte katholische Theologie in München, Rom und Freiburg, anschließend Literaturwissenschaft in Freiburg, Bonn und Köln. Er lebt und schreibt in Berlin, in Sallahn unweit der Elbe und in Rast über Meßkirch. Arnold Stadler erhielt zahlreiche bedeutende Literaturpreise, darunter der Georg-Büchner-Preis.

Foto: © Brigitte Friedrich

***wird verschoben*** Verena Stauffer

Geschlossene Gesellschaft

09.12.2021 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

*** Die Veranstaltung wird im kommenden Frühjahr nachgeholt. Bereits erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit.***

 

Wien im November 2020. Verena, Schriftstellerin und vielleicht, vielleicht auch nicht identisch mit Verena Stauffer, bezieht übergangsweise die Wohnung von F, der wiederum nach Kolumbien ausgewandert ist und sie regelmäßig mit Bildern aus dem südamerikanischen Land versorgt, obwohl die beiden sich gar nicht kennen. Es ist blanke Ironie, dass Verena Stauffers Geschlossene Gesellschaft ausgerechnet mit einem Kontakt beginnt, der mehrere Kontinente überspannt und den Eindruck einer durchglobalisierten Gesellschaft in Bewegung vermittelt, denn direkt vor der Wohnungstür spielt sich etwas anderes ab: Wien ist gerade wieder in einen Lockdown gegangen und erstarrt, das soziale Leben grundlegend eingeschränkt. Was der Erzählerin bleibt: Endlose Spaziergänge in der Stadt und im Umland, seltene Treffen mit Menschen auf Abstand – und das kleine Glück, wenn wenigstens der Paketbote klingelt, weil man wieder irgendwo etwas bestellt hat.

So weit, so vertraut, könnte man meinen, wenn Verena Stauffer nicht in der Lage wäre, das Genre der Pandemie-Erzählung auf eine gänzlich neue Ebene zu heben: In Geschlossene Gesellschaft wechseln sich tagebuchartige Alltagsbeobachtungen ab mit Erinnerungen an einen Aufenthalt in Russland, und immer wieder schleichen sich auch surreale Nebenpfade in den Text, in denen mit Tierpfoten gestopfte Matratzen, Esel oder ein ominöses Fluggerät das Ruder übernehmen. Zum Ereignis wird das alles aber letztlich durch Stauffers Sprache. Einmal heißt es: „Ich versuche, mich in Sprache aufzulösen, um die Angst nicht zu spüren.“ In hinreißenden und überwältigend präzisen Bildern gelingt es ihr, der Frage nachzuspüren, was genau eine Gegenwart mit uns macht, in der wir alle auf uns alleine zurückgeworfen werden.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 8,- / 5,- / Soliticket: 12,-

Zutritt nur mit im Vorverkauf erworbenen Tickets.

Zu Hinweisen bezüglich unseres Hygienekonzepts bitte hier weiterlesen.

 

Verena Stauffer, geboren 1978 im oberösterreichischen Kirchdorf an der Krems, veröffentlichte 2018 ihren Debütroman Orchis, der für den Literaturpreis Alpha, die Hotlist der Independents und den Blogger-Debütpreis nominiert war. Zuletzt erschien ihr Gedichtband Ousia bei Kookbooks, der für den Österreichischen Buchpreis nominiert wurde. Stauffer lebt abwechselnd in Wien, Berlin und Moskau.

Foto: © detailsinn.at