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PROGRAMM

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Mai 2024

Jakob Nolte

Die Frau mit den vier Armen

27.05.2024 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Eine Reihe von Morden erschüttert Niedersachsen. Kommissarin Rita Aitzinger, in der sich Genie und Wahnsinn die Hand geben, sieht als einzige eine Verbindung zwischen den Fällen: traurige Jungs als Opfer, Songs, die an den Tatorten in Dauerschleife spielen, ominöse Tattoos, die Posen der Leichen wirken inszeniert. Bildet Rita sich diese Bezüge nur ein oder wütet eine Serienkillerin in der Stadt?
Jakob Nolte stellt seit seinem Debüt ALFF unter Beweis, wie kein anderer mit populären Genres spielen zu können, indem er ihre Konventionen ausstellt und unterläuft. Nach einem Highschool-Slasher-Stoff, einer Horrorstory und einer Hagiographie legt er nun fast folgerichtig einen waschechten Regio-Krimi vor, der in einer Stadt spielt, die selbst seit ihrer Gründung auf ihren großen Auftritt wartet: Hannover. Wer nun aber denkt, Die Frau mit den vier Armen bliebe bloße Parodie, der täuscht. Zwischen all dem Irrsinn blickt Nolte scharfsinnig wie immer auch auf die Gesellschaft – hier vor allem auf Macht und Abhängigkeiten: am Arbeitsplatz, in der Familie und in Beziehungen.

Moderation: Björn Jager

Eintritt:  € 5,-/8,-/12,- (pay as you wish)

Jakob Nolte, geboren 1988, wuchs in Barsinghausen am Deister auf. Seine Theaterstücke wurden mehrfach prämiert und an zahlreichen Bühnen Europas gespielt. Sein Debütroman ALFF wurde mit dem Kunstpreis Literatur 2016 ausgezeichnet. Sein Roman Schreckliche Gewalten war 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Er ist Co-Kurator der Webseite tegelmedia.net und lebt in Berlin. Zuletzt erschien Kurzes Buch über Tobias im Suhrkamp Verlag.

Foto: © Rachel Israela / Suhrkamp Verlag

Jun 2024

Franz Friedrich

Die Passagierin

07.06.2024 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

In Kolchis gibt es ein Sanatorium, das als Refugium für Zeitreisende dient. Aus den unterschiedlichsten Jahrhunderten wurden die Menschen hierher evakuiert – auch Heather, die als Teenager herkam und jetzt, Jahre später, nach Kolchis zurückkehrt. Doch die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Das Sanatorium ist verfallen, die übrig gebliebenen Bewohner*innen haben sich in ihre eigene Welt zurückgezogen. Matthias, der aus der Zeit der Bauernkriege evakuiert wurde, wird für Heather dennoch zu einem Vertrauten, der ihr zeigt, dass Kapitulation das Ende von Menschlichkeit bedeutet.

Spätestens seit Thomas Manns Zauberberg ist das Sanatorium das ideale Setting, um in der Literatur eine in sich geschlossene Welt zu etablieren, einen von Zeit und Raum enthobenen Ort, an dem sich die Figuren in Ruhe den großen Fragen ihrer Existenz widmen können. Mit Die Passagierin hebt Franz Friedrich das Genre des Sanatoriumsromans auf eine neue Ebene, indem er erzählerisch die ganz großen Bögen spannt, ohne dabei den Blick auf die Details zu verlieren.

Moderation: Christoph Schröder

Eintritt:  € 5,-/8,-/12,- (pay as you wish)

Franz Friedrich, geboren 1983, studierte Experimentalfilm an der Universität der Künste Berlin und in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut. Mit seinem Debüt Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr wurde er mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Franz Friedrich lebt in Berlin.

Foto: © Franziska Taffelt

Liquid Center

Wir kommen

17.06.2024 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Wer schreibt hier? Was schreibt hier, was ist hier am Werk?“, heißt es einmal in Wir kommen, und diese Fragen sind hier Programm. Denn Wir kommen ist im Kollektiv entstanden: 18 Autor*innen haben über sechs Wochen anonym an einem Dokument im Netz gearbeitet und sich über weibliche und queere Sexualität, übers Altern, über Scham ausgetauscht und über all die Schnittpunkte, in denen diese Themen aufeinandertreffen. Mehr als 50 Jahre liegen zwischen den jüngsten und den ältesten Teilnehmer*innen, zu denen neue Stimmen sowie längst etablierte gehören. Der Text, der so entstanden ist, changiert beständig zwischen Zwiegespräch und Chor, zwischen Witz und poetischer Beobachtung. Vor allem aber berührt er. Denn die Anonymität sorgt für eine Offenheit im Sprechen: über Begehren genauso wie über Verletzungen und Traumata. Wir kommen wird so zu einem solidarischen Projekt, zu einem Raum, in dem aus einem Austausch gleichermaßen Trost wie Literatur wird.

Zu Gast an diesem Abend sind die drei Herausgeberinnen Verena Güntner, Elisabeth R. Hager und Julia Wolf sowie stellvertretend für die weiteren Beteiligten Caca Savić.

Moderation: Björn Jager

Eintritt:  € 5,-/8,-/12,- (pay as you wish)

Verena Güntner, 1978 in Ulm geboren, spielte nach ihrem Schauspielstudium viele Jahre am Theater. Ihr Romandebüt Es bringen (2014) wurde für die Bühne adaptiert und mit dem deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Verena Güntner erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, u.a. den Kelag-Preis beim Bachmann-Wettbewerb und das Berliner Senatsstipendium. Power wurde 2020 nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse sowie 2021 mit dem Schubart-Literaturförderpreis bedacht. Verena Güntner lebt in Berlin.

Elisabeth R. Hager, geboren 1981 in Tirol, ist Schriftstellerin, Klangkünstlerin und redaktionelle Mitarbeiterin der Abteilung Radiokunst von Deutschlandfunk Kultur. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. das Hilde Zach Literaturstipendium der Stadt Innsbruck 2018. Als Teil des Kollektivs „Writing with CARE / RAGE“ kämpft sie für die bessere Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie zwischen Berlin, Tirol und Neuseeland.

Caca Savić wurde in Österreich geboren und wuchs in einer mehrsprachigen Umgebung auf. Sie studierte Kunst- und Kultursoziologie sowie Architektur in Wien und lebt als Autorin in Berlin. Ihre Texte erschienen in Zeitschriften, Anthologien und Kunstkatalogen. In Kooperationen mit bildenden und darstellenden Künstler*innen erforscht sie die Schnittstellen von Literatur, Bild, Körper, Raum. 2017 wurde sie mit dem Kunstpreis des Europäischen Frauenforums für Kunst und Kultur e. V. ausgezeichnet.

Julia Wolf, 1980 in Groß-Gerau geboren, lebt in Berlin und Leipzig. Für ihren Debütroman Alles ist jetzt (2015) erhielt sie den Kunstpreis Literatur der Brandenburg Lotto GmbH. Beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2016 las sie einen Auszug aus ihrem Roman Walter Nowak bleibt liegen (2017), für den sie mit dem renommierten 3sat-Preis und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet wurde. Walter Nowak bleibt liegen wurde 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Für Alte Mädchen wurde Julia Wolf mit dem Robert Gernhardt Preis 2018 ausgezeichnet.

Foto: © Stefan Klüter

Volha Hapeyeva

Samota

18.06.2024 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Während Majas Forschungen über den Ausbruch eines Vulkans ins Stocken geraten, findet in ihrem Hotel der Kongress zur „Regulation von Tierpopulationen“ statt und sinistre Gestalten tummeln sich um sie. In einer zweiten Zeitebene gerät Sebastian mit dem düsteren Jäger Mészáros aneinander, und es geht um Leben und Tod. Verbunden werden die beiden Geschichten durch die leicht schrullig-überdrehte Helga-Maria, die eine Mittlerin und Wanderin zwischen den Zeiten zu sein scheint.

Die Figuren in Volha Hapeyevas Roman reisen um den halben Erdball, gehen Beziehungen ein und erkunden die Welt von Tieren, Menschen und Vulkanen. Die beiden sensiblen, empathischen Protagonist*innen Maja und Sebastian stehen dabei dem Bösen in unterschiedlicher Gestalt gegenüber, kämpfen um das eigene Überleben, das von Tieren und das von Werten. Mit spielerischer Leichtigkeit werden in Samota – das von Tina Wünschmann und Matthias Göritz aus dem Belarusischen übersetzt wurde Noir-Elemente mit magischem Realismus gepaart und zu einem eindrücklichen Plädoyer für Mitgefühl und den Glauben an eine bessere Welt verbunden.

Moderation: Beate Tröger

Eintritt:  € 5,-/8,-/12,- (pay as you wish)

Volha Hapeyeva, geboren 1982 in Minsk, ist eine belarusische Autorin (Prosa, Lyrik, Drama, Kinderbuch), Übersetzerin und promovierte Linguistin. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Hapeyeva ist Mitglied des PEN-Zentrums Belarus und des unabhängigen Schriftstellerverbandes Belarus. Ihre Gedichte wurden in mehr als zehn Sprachen übertragen; 2020 erschien auf Deutsch Mutantengarten, 2023 Trapezherz. Ihr Debütroman Camel Travel erschien 2021. 2024 erscheint ihr Roman Samota. Die Einsamkeit wohnte im Zimmer gegenüber.

Foto: © Nina Tetri

Evan Tepest

Schreib den Namen deiner Mutter

27.06.2024 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

***Nachhol-Termin der ursprünglich für den 7. Mai geplanten Veranstaltung. Für den Ursprungstermin gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.****

Das zweite Buch ist das schwerste. Zumindest bei Alex trifft diese Literaturbinse voll ins Schwarze. Der erste Roman war ein kleiner Erfolg, am zweiten verzweifelt sie. Also nimmt sie eine Auftragsarbeit an: Alex soll einen Essay über all das schreiben, worüber sie mit ihrer Mutter nicht sprechen kann und beschließt, der Frage vor Ort nachzugehen. In der alten Heimat wird nicht nur allzu deutlich, worüber die beiden schweigen (über Queerness, ihrer beider Depressionen und die Gewalt in der Familie), sondern Alex wird bewusst, dass dey sich nicht als Frau fühlt.

Schreib den Namen deiner Mutter ist vieles: Coming of Age- und Coming Out-Story, Familiengeschichte, Tragikomödie. Evan Tepest gelingt nach seinem gefeierten Essayband Power Bottom ein erstaunliches Romandebüt, in dem es ihm scheinbar spielend gelingt, mit viel Witz von den Traumata einer Familie zu erzählen.

Moderation: Björn Jager

Eintritt:  € 5,-/8,-/12,- (pay as you wish)

Evan Tepest lebt als Autor in Berlin. Schreib den Namen deiner Mutter ist sein erster Roman. Zuvor erschien 2023 der Essayband Power Bottom. Seine Texte sind außerdem in Anthologien und Zeitschriften erschienen, zuletzt in Delfi. Zeitschrift für neue Literatur. Tepest ist Kolumnist für das Missy Magazine und ist im Wintersemester 24/25 Dozent für Essayistik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Foto: © Selma Kay Matter

Zum Tod von Harry Oberländer

Das Hessische Literaturforum im Mousonturm e.V. trauert um seinen langjährigen Mitarbeiter und Leiter Harry Oberländer, der 73-jährig in Bad Karlshafen verstorben ist. Einen Nachruf auf Harry Oberländer finden Sie hier.