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PROGRAMM

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Mai 2019

Julia Rothenburg

hell/dunkel

23.05.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Der Geruch von Camel-Zigaretten in der Wohnung ist Valerie vertraut. Womit sie nicht gerechnet hat, ist derjenige, der sie raucht. Nach einem Marburger Intermezzo hat Robert den Weg nach Berlin zurückgefunden, zu seiner vier Jahre jüngeren Halbschwester und ihrer gemeinsamen Mutter. Von großer Wiedersehensfreude aber keine Spur. Am selben Tag kommt die Mutter mit schlechter Prognose ins Krankenhaus. Gemeinsam stehen die Halbgeschwister nun vor Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt: Wie umgehen mit einem Abschied, mit all den Gefühlen, die kein Ventil finden? Valerie und Robert suchen Halt aneinander. Doch die Nähe zwischen ihnen hat viele Gesichter: zart und schmerzlich – und nicht zuletzt gefährlich.

Hatte sich Julia Rothenburgs viel gelobtes Debüt um die kafkaesken Abläufe innerhalb eines Krankenhauses gedreht, erzählt ihr neuer Roman hell/dunkel von der Beziehung zwischen zwei Halbgeschwistern, die zum Zuschauen verdammt sind. Ohne die Mutter beginnen aber die Konventionen in der Familie zu bröckeln.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Julia Rothenburg, 1990 in Berlin geboren, studierte Soziologie und Politikwissenschaft und war Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung. Ihr Debüt Koslik ist krank (2017) wurde mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur und dem Landesstipendium für Literatur des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Berlin und arbeitet als Buchhändlerin bei »ocelot, not just another bookstore«.

© privat

Angela Lehner

Vater unser

28.05.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Der Himmel am Abend? Kitschig. Das Büro des behandelnden Arztes? Klischeedurchtränkt. Eva Gruber, Insassin einer Psychiatrie, weil sie eine Kindergartenklasse erschossen haben will, hat für ihre Umwelt nur Spott übrig. Im Anstaltscafé bestellt sie bei der Verkäuferin aus Wien, wo man Leberkäse sagt, aus Prinzip eine Fleischkassemmel. Aber auch eine Eva Gruber hat einen wunden Punkt: die Familie. Bernhard, ihr kleiner Bruder, ist ein Mitpatient. Von seiner Schwester will er nichts mehr wissen. Die Kindheitserinnerungen, die Eva hin und wieder überkommen, lassen den Grund nur erahnen. Allmählich gewinnt sie sein Vertrauen zurück – bis plötzlich die Mutter auftaucht und die beiden voneinander zu trennen droht. Doch Eva hat schon längst einen Plan gefasst: Sie will mit Bernhard aus der Anstalt ausbrechen, um ihren Vater zu töten.

Angela Lehner hat mit Vater unser einen Debütroman vorgelegt, in dem alles sitzt: das Setting, die Dialoge, der Witz. Es ist die Geschichte einer notorischen Lügnerin, die versucht, ihrem Leben einen Sinn zu geben – koste es, was es wolle.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Angela Lehner, geboren 1987 in Klagenfurt, aufgewachsen in Osttirol, lebt in Berlin. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien, Maynooth und Erlangen. U.a. nahm sie 2016 an der Prosawerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin und 2017 am Klagenfurter Häschenkurs teil. 2018 war sie Finalistin des Literaturpreises Floriana.
© Paula Winkler

Jun 2019

Nippon Connection for Kids: Viele Grüße, Deine Giraffe!

Lesung und Live-Zeichnung mit: Yuki Iwamoto und Jörg Mühle

01.06.2019 12:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Giraffe lebt in der afrikanischen Savanne und wünscht sich einen Freund. Eines Tages beschließt sie, einen Brief zu schreiben, der schließlich seinen Weg zu Pinguin in der Walsee findet. Yuki Iwamoto liest aus dem liebevoll illustrierten Briefroman der japanischen Autorin Megumi Iwasa und Buchillustrator Jörg Mühle gibt dazu einen lebendigen Einblick in seine Arbeit.

Eintritt: 6,- (Ticketverkauf via Nippon Connection)

© Moritz Verlag

Laura Freudenthaler

Geistergeschichte

05.06.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Sie lebe am Mond, sagt Anne. Den Pop-Song, von dem die Kollegin in der Musikschule spricht, kennt die nach Wien übergesiedelte Französin nicht. Ihr Gebiet ist die Klassik, ihr Instrument das Klavier. Im Herbst will sie, freigestellt vom Unterricht, ein Lehrbuch schreiben. Eines Morgens schmeckt der Kaffee zuhause nur noch nach Galle. Die Wohnung, die sie sich seit 20 Jahren mit ihrem Ehemann Thomas teilt, beginnt sie zu meiden. Ohnehin hört sie von Thomas mittlerweile mehr, als sie sieht. Anne vermutet dahinter eine Affäre. Die Essensrechnungen in seinem Mantel nähren ihren Verdacht. Und war da, nur für einen Augenblick, nicht das Gesicht eines Mädchens im Fenster? Hinzu kommen Geräusche, ein Kratzen und Huschen.

Dem gedämpften Ton, den Anne bei einer Nachtmusik anzuschlagen pflegt, entspricht die unprätentiöse Sprache, mit der Laura Freudenthaler einen in den Bann zieht. Geistergeschichte handelt nicht nur vom schleichenden Zerfall einer Beziehung, sondern auch vom schwindenden Vermögen, zwischen Spuk und Wirklichkeit zu unterscheiden.    

Moderation: Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Laura Freudenthaler, geboren 1984 in Salzburg, studierte Germanistik, Philosophie und Gender Studies. Sie arbeitet in der Austria Presse Agentur und übersetzt aus dem Französischen ins Deutsche. Geistergeschichte, ihr zweiter Roman, stand im März 2019 auf Platz 1 der ORF-Bestenliste. Laura Freudenthaler lebt in Wien.

© Marianne Andrea Borowiec

Von der Autobiographie zum Roman zur Autobiographie

Schreibseminar mit Frank Witzel

08.06.2019 - 09.06.2019 10:00 - 18:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen autobiografischem Schreiben und der Entwicklung eines Romans, doch wo genau die Verbindungslinien verlaufen, ist oft schwer festzustellen. Kaum ein Autor schöpft völlig aus der Fantasie, und sei es nur ein Name, ein Gesicht, ein Erinnerungsfetzen, die den Anlass zu einer im Weiteren erfundenen Geschichte geben. Umgekehrt ist jedes autobiografische Schreiben nicht nur getreue Nacherzählung und Bearbeitung von vorhandenem Material, sondern immer auch Arbeit an der Erschaffung einer Kunstfigur.
In diesem Wochenendseminar werden wir mit den Wechselwirkungen zwischen beiden Genres arbeiten. Wir werden sehen, wie man vom autobiografischen Schreiben zur Entwicklung eigenständiger Prosa gelangt, und umgekehrt, wie einem imaginierte Geschichten dabei helfen können, dem eigenen Erinnern auf die Spur zu kommen. Mit einer Anzahl von Übungen wird die Durchlässigkeit von fiktionalem und faktualem Schreiben ausgelotet, um den Horizont des eigenen Arbeitens zu erweitern.

Teilnahmegebühr: 50,-/100,-

Anmeldungen mit einer zwei- bis dreiseitigen Texprobe an: bjoern.jager@hlfm.de

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Ann Cotten

Lyophilia

13.06.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Dieser Erzählband katapultiert uns ein Stück weit in die Zukunft. Ein Ewigjugendlicher wird zusammen mit seiner Geliebten, einer slowenischen Erfolgspolitikerin mit zwei Kindern, in ein Paralleluniversum exportiert, in dem jede Überlegung Realität wird.  Indessen halten sich die alternden Bewohnernnnie des kurz nach Eröffnung bankrott erklärten Siedlungsasteroiden Amore an Klischees und Running Gags fest, um einen Halt gegen die Trauer zu finden, die eine größere Gefahr darstellt als Internetlosigkeit, kosmische Strahlung und humanitäre Instantnudeln zusammen. Eine antigoneische Mission rettet die Helden vor der Versumpfung im eigenen Überleben.

Was Ann Cotten die letzten Jahre etwas hochstaplerisch als „Science Fiction auf Hegelbasis“ angekündigt hat, ist jetzt gekommen. Lyophilia erinnert an Tarkowskijs Special Effects: eine Formulierung, vor eine Wirklichkeit gehalten, und plötzlich wird präzise, was sonst in der Form eines dumpfen Ahnens herumvegetiert. Und wo der mögliche Realismus aufhört, fließt heiß und pochend Emotion heraus.

Moderation: Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Ann Cotten wurde 1982 in Iowa geboren und wuchs in Wien auf. Nach ihrem Debüt als Lyrikerin weitete sich ihr Schreiben mehr und mehr auf das Gebiet der Prosa und Literaturtheorie aus. Sie wirkt damit auch in andere Kunstbereiche hinein. Zuletzt wurden ihr der Klopstock-Preis und der Hugo-Ball-Preis verliehen. Ann Cotten lebt in Wien und Berlin.

© Amrei-Marie, Wikipedia