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PROGRAMM

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Jun 2022

Nicole Krauss

Ein Mann sein

02.06.2022 19:30 Uhr, Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum

Wenn wir Söhne und Liebhaber, Verführer, Freunde und Gatten zusammennehmen – wie viele Männer hält ein Frauenleben aus? Und was bedeutet es, als Mann und Frau gemeinsam zu leben – oder getrennt? Nicole Krauss’ Storys beleuchten jene Momente im Leben von Frauen, in denen die Kräfte von Sex, Macht, Liebe und Gewalt kollidieren.

Ein Mann sein erzählt von den Zumutungen des Zusammenseins, wenn etwa eine jüdische New Yorkerin von ihrem deutschen Geliebten hören muss, dass er, achtzig Jahre früher geboren, vielleicht ein überzeugter Nazi gewesen wäre. Wenn eine Frau in der Wohnung ihres verstorbenen Vaters einem Unbekannten begegnet, der plötzlich ihr Leben dominiert. Oder wenn die junge Internatsschülerin von der Beziehung ihrer Mitschülerin mit einem älteren reichen Mann erfährt. In allen zehn Storys, geografisch weit gespannt von der Schweiz bis nach Japan, von New York bis nach Tel Aviv, erforscht Nicole Krauss die unkartierten, vielleicht unkartierbaren Regionen zwischen den Geschlechtern

Moderation: Jan Wilm

Lesung der dt. Texte: Anna Böger

Veranstaltungsort: Ignatz Bubis-Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Bitte beachten Sie: Während der Veranstaltung besteht weiterhin die Pflicht zum Tragen einer Maske.

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und mit freundlicher Unterstützung des Rowohlt Verlages.

Nicole Krauss ist die Autorin der Romane Waldes Dunkel, Das große Haus, Die Geschichte der Liebe und Kommt ein Mann ins Zimmer. Ihr Werk wurde u.a. im New Yorker, in The Atlantic, in Harper’s Magazine, in Esquire und in The Best American Short Stories veröffentlicht, und ihre Bücher sind in 35 Sprachen übersetzt. Sie lebt in Brooklyn, New York.

Foto: © Goni Riskin

Arnold Stadler

Am siebten Tag flog ich zurück

08.06.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Der Kilimandscharo ist seit Kindertagen ein Sehnsuchtsort Arnold Stadlers: Ein Ölgemälde des schneeumwehten Gipfels hing schon im elterlichen Wohnzimmer und sorgte für Fernweh. Als schließlich eine Zeitung beim Büchnerpreisträger anklopft und ihn für eine Reisereportage über einen Ort seiner Wahl anfragt, ist das Ziel schnell gewählt, der eigenen Flugangst zum Trotz. Weitere Zumutungen folgen: Furcht vor Hyänen, Mitleid mit einem toten Zebra, stehlende Schimpansen oder schlicht die Anwesenheit von Mitreisenden.

Doch Am siebten Tag flog ich zurück wäre kein echter Stadler-Roman, wenn der Autor sich tatsächlich auf eine klassische Beschreibung einer Reise beschränkt hätte. Nicht umsonst heißt es einmal: „Mein Leben hat keinen Plot.“ Statt sich geradlinig erzählend von A nach B zu bewegen, lässt Stadler sich treiben. Er mäandert assoziativ durch seine eigene Lebensgeschichte, unternimmt Ausflüge in die Kulturhistorie und wandert Nebenpfade ab, immer getreu dem Motto, dass Abschweifungen zugelassen werden müssen, um aus einem Stoff Literatur zu machen. Und was ist der Stoff? Es ist das Leben des Autors selbst, es sind die bekannten Motive, virtuos variiert: Sehnsucht und Heimweh, das Dorf, die Kunst, der Glaube, so melancholisch und gleichzeitig komisch, wie man es vielleicht nur von Stadler kennt.

Moderation: Christoph Schröder

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Bitte beachten Sie: Während der Veranstaltung besteht weiterhin die Pflicht zum Tragen einer Maske.

Arnold Stadler wurde 1954 in Meßkirch geboren. Er studierte katholische Theologie in München, Rom und Freiburg, anschließend Literaturwissenschaft in Freiburg, Bonn und Köln. Er lebt und schreibt in Berlin, in Sallahn unweit der Elbe und in Rast über Meßkirch. Arnold Stadler erhielt zahlreiche bedeutende Literaturpreise, darunter der Georg-Büchner-Preis.

Foto: © Brigitte Friedrich

Delphine de Vigan

Die Kinder sind Könige

15.06.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Als zur Jahrtausendwende unzählige Reality-TV-Formate ihren Siegeszug antraten, taten sie das mit einer einfachen und sehr wirkmächtigen Botschaft: Jeder kann berühmt werden. Mélanie saß damals mit ihren Eltern vor dem Fernseher und glaubte diesem Versprechen, das sich für sie aber erst mit Hilfe des Internets einlösen sollte. Auf YouTube und Instagram wird ihr ganz normales Leben zum Showereignis für ein Millionenpublikum und ihre beiden Kinder zu Stars. Dass ihre Tochter Kimmy es nicht genießt, auf Schritt und Tritt gefilmt zu werden und dass sie die Liebe ihrer Fans als Last empfinden könnte, kommt Mélanie nicht in den Sinn. Eines Tages verschwindet Kimmy spurlos.

In Die Kinder sind Könige schreibt Delphine de Vigan spannend und einfühlsam über ein Thema, das in der Informationsgesellschaft allzu gerne verdrängt und verharmlost wird: Die Ausbeutung von Kindern in den sozialen Medien.

Moderation: Eva-Maria Magel

Lesung aus der deutschen Übersetzung: Stéphane Bittoun

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Bitte beachten Sie: Während der Veranstaltung besteht weiterhin die Pflicht zum Tragen einer Maske.

In Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt am Main e.V.

Delphine de Vigan, geboren 1966, erreichte ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin mit dem Roman No & ich (2007), für den sie mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International 2008 ausgezeichnet wurde. Ihr Roman Nach einer wahren Geschichte (DuMont 2016) stand wochenlang auf der Bestsellerliste in Frankreich und erhielt 2015 den Prix Renaudot. Zuletzt erschien bei DuMont ihr Roman Dankbarkeiten (2019). Die Autorin lebt mit ihren Kindern in Paris.

Foto: © Francesca Mantovani/Editions Gallimard

literaTurm: Philipp Winkler

Creep

28.06.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

In fremde Welten eintauchen, Menschen ganz nah kommen, mit denen man eigentlich nichts zu tun hat – Literaturbegeisterten dürfte dieses Bedürfnis nicht ganz fremd sein. Auch den Figuren in Philipp Winklers Roman Creep ist dieses Bedürfnis alles andere als fremd, aber die beiden digital natives Fanni und Junya wählen einen ganz anderen Zugang zum Leben ihrer Mitmenschen: Fanni arbeitet in einem Unternehmen für intelligente Überwachungstechnologie und verbringt den größten Teil ihrer Freizeit damit, die nichtsahnende Familie Naumann über den Feed ihrer Hauskameras zu beobachten. Währenddessen sitzt der bereits erwachsene Junya immer noch in seinem Kinderzimmer in Tokio, das er fast nie verlässt, und durchstreift das Darknet. Nur nachts schleicht er sich manchmal hinaus, um ein Ventil zu finden – für seinen Hass auf sich selbst und auf eine Gesellschaft, in die er nicht hineinpasst.

Dass Philipp Winkler ein besonderes Gespür für halbverborgene Welten und gesellschaftliche Außenseiter besitzt, hat er bereits mit seinen Romanen Hool und Carnival bewiesen. Nach den Ausflügen zu Hooligans und Schaustellern begleitet uns der Autor in Creep auf eine Reise ins dunkle Herz der Hypermoderne, zu jenen, die immer da sind, auch wenn niemand Notiz von ihnen nimmt.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Bitte beachten Sie: Während der Veranstaltung besteht weiterhin die Pflicht zum Tragen einer Maske.

Im Rahmen des Festivals literaTurm und mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts Frankfurt am Main.

Philipp Winkler, 1986 geboren, aufgewachsen in Hagenburg bei Hannover. Studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Für seinen Debütroman Hool erhielt er den ZDF aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt, stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und war zum Festival Neue Literatur in New York eingeladen. Der Roman war ein Spiegel-Bestseller, wurde in mehrere Sprachen übersetzt und für die Bühne adaptiert. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung. Er lebt in Niedersachsen auf dem Land.

Foto: © Katrin Ribbe

Monströs

mit Dana Grigorcea und Philipp Böhm

29.06.2022 19:30 Uhr, jugend-kultur-kirche sankt peter

Was ist Horror? Wovor haben wir Angst? Vor dem konkret Monströsen, etwa der sagenhaften Figur des blutdürstigen Vampirfürsten Dracula, oder vor dem nicht fassbar Unheimlichen wie elternlosen Jugendlichen, die mit Kanthölzern auf Menschenjagd gehen? Und welche Rolle spielt das Monströse überhaupt in diesen Erzählungen? Ist es die Metapher einer perspektivlosen Gesellschaft, die Parabel der stetigen Überforderung in einer überschnell gewordenen Welt, sind es die Insignien der Aussichtslosigkeit maroder Systeme? Mit Dana Grigorcea und Philipp Böhm werfen wir einen Blick auf das Spektrum des Unheimlichen und schlagen einen Bogen von den Monsterfiguren, wie wir sie kennen, zum unsichtbaren und schleichenden Horror des Alltäglichen.

Die Schriftstellerin Dana Grigorcea nimmt in ihrem Roman Die nicht sterben transsilvanische Mythen in den Blick und verknüpft die Geschichte des Fürsten Dracula mit dem Porträt einer postkommunistischen Gesellschaft, die ihre besten Zeiten hinter sich hat und in einer Art Zwischenreich der Perspektivlosigkeit gefangen scheint.

Die Geschichten in Philipp Böhms Erzählband Supermilch beschreiben eine unruhige, nervöse Zeit: sie erzählen von der Transformation der Arbeitswelt und der Unmöglichkeit innezuhalten, vom digitalen Alltag und der Ermüdung von der stetigen Selbstoptimierung, von einer unerklärbaren, aber immer präsenten Angst.

Im Anschluss an die Lesung und das Podiumsgespräch wird zum Thema und zum Tanzen aufgelegt.

Eine Veranstaltung des Kurses Kulturmanagement 2022 der Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität Frankfurt am Main unter der Leitung von Silke Hartmann in Kooperation mit dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm und der jugend-kultur-kirche sankt peter.

Eintritt: 8,- / 5,-

Ort: jugend-kultur-kirche sankt peter, Bleichstraße 33, 60313 Frankfurt am Main

Dana Grigorcea, geboren 1979 in Bukarest, studierte Germanistik und Nederlandistik. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin, etwa der Roman Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit oder die Novelle Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Ihr Roman Die nicht sterben wurde 2021 für den Deutschen Buchpreis nominiert und 2022 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Dana Grigorcea lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich.

Philipp Böhm, geboren 1988 in Ludwigshafen, studierte in Jena und Bremen. Er ist Mitglied der Redaktion des Literatur- und Kulturmagazins metamorphosen, schreibt für die Wochenzeitung Jungle World und arbeitet für das Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage. 2014 erhielt er das Bremer Autorenstipendium, sein Debütroman Schellenmann erschien 2019 im Verbrecher Verlag. 2022 folgte der Erzählungsband Supermilch. Philipp Böhm lebt und arbeitet in Berlin.

Buch- und Medienpraxis sind Bela Bärmann, Paula Blömers, Tristan Bortlik, Chiara Eich, Siria Ertel, Saskia Fuckert, Sophie Gawehn, Caroline Geißler, Gabriela Gietl, Simona Härter, Nathalie Hartwig, Janice Herder, Angela Karnoll, Pauline Klink, Céline Krost, Kira Meyer, Katharina Moll, Annika Müller, Marie N’gouan, Linda Reiche, Alina Schunk, Maike Steinbacher, Sophia Stier, Michael Theil, Anne Uhl, Elisabeth Waczek, Georg Weigand, Benedikt Zopes.

Bild Dana Grigorcea: © Mardiana Sani

Bild Philipp Böhm: © Nane Diehl