Waldschmidtstrasse 4, 60316 Frankfurt am Main, Telefon 069.24449940, info@hlfm.de

PROGRAMM

PROGRAMM

Okt 2020

Schimpf & Schande

Mit Isabel Bogdan und Edgar Rai

07.10.2020 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Das muss man doch gelesen haben!“ – Ertappt? Kleinlaut kramt man im Allgemeinwissen nach den kläglichen Resten, die einst bei der Lektüre des Wikipedia-Artikels über diesen Klassiker der Literatur hängenblieben sind, um die öffentliche Schande vor dem gebildeten Gegenüber vielleicht doch noch irgendwie abwenden zu können… Es wird Zeit, den Spieß umzudrehen. Bei „Schimpf & Schande“ schlägt die Stunde der Unbeleckten. In den Hauptrollen: Ein oder zwei Autor*innen, ein Moderierender, zwei Klassiker, die die Beteiligten bis dato nur vom Hörensagen kannten. Dazu Fragen: Was hat das alles mit uns zu tun? Ist das jetzt eigentlich Kunst oder kann das weg? Denn wo steht denn geschrieben: einmal Kanon, immer Kanon?

Die Bestbesetzung geht in die nächste Runde: Isabel Bogdan, Übersetzerin (u.a. von Jane Gardam) und Bestsellerautorin (Der Pfau, Laufen), sowie Edgar Rai, der alleine, im Team oder unter Pseudonym schreibt, ebenfalls übersetzt und nebenbei noch eine der schönsten Buchhandlungen Berlins führt. Diesmal nimmt es das unvergleichliche Duo mit einem der „großen Russen“ auf: Dostojewskis Der Spieler steht auf dem Menüplan, begleitet von Die Glasglocke, dem einzigen Roman der amerikanischen Lyrikerin Sylvia Plath.

Moderation: Björn Jager

Veranstaltungsort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm

Eintritt: 8,- / 5,- / Soliticket: 12,-

Zutritt nur mit im Vorverkauf erworbenen Tickets.

Foto Isabel Bogdan: © Smilla Dankert

Foto Egar Rai: © Mirjam Knickriem

Isabel Bogdan wurde 1968 in Köln geboren, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo und ist mittlerweile bekennende Hamburgerin. Neben zahlreichen Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby, Jonathan Safran Foer, Jonathan Evison und Megan Abbott, schreibt sie selbst Romane und Kurzgeschichten. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung. Für den Romananfang ihres ersten Romans Der Pfau bekam sie 2011 den Hamburger Förderpreis für Literatur.

Edgar Rai, geboren 1967, wurde mehrerer Schulen verwiesen, ging ein Jahr nach Amerika und studierte Musikwissenschaften und Anglistik in Marburg und Berlin. Er arbeitete unter anderem als Drehbuchautor, Basketballtrainer, Chorleiter, Handwerker und Onlineredakteur. Seit 2001 ist er freier Schriftsteller und hat neben weiteren die Romane Etwas bleibt immer und Im Licht der Zeit veröffentlicht. Edgar Rai hat drei Kinder und lebt in Berlin.

Debütantinnenball

Mit Elsa Koester und Katharina Köller

27.10.2020 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Seit 25 Jahren beweist die Frankfurter Verlagsanstalt ein sicheres Gespür beim Entdecken und Fördern neuer literarischer Stimmen. Grund genug, im Jubiläumsjahr gleich zwei aktuelle Debütantinnen des Hauses zu unserem Ball einzuladen.

In den Romanen von Elsa Koester und Katharina Köller melden sich starke weibliche Erzählerinnen zu Wort, die auf ihre je eigene Weise Fragen von (familiärer) Herkunft und weiblicher Selbstbestimmung verhandeln. In Couscous mit Zimt zeichnet Elsa Koester das Portrait dreier Frauen, deren Schicksale von gesellschaftlichen Umbrüchen und Krisen geprägt sind. Die stolze, eigensinnige Lucile muss nach der Unabhängigkeit Tunesiens nach Frankreich fliehen, wo ihre Tochter Marie die Studentenbewegung der 1968er miterlebt. Maries Tochter Lisa wiederum gerät 2016 mitten in die Proteste der Nuit-Debout-Bewegung.

Katharina Köller entwirft in Was ich im Wasser sah eine magisch-realistische Inselwelt, die als Brennglas auf gesellschaftliche und ökologische Probleme der Gegenwart funktioniert. Ihre Protagonistin Klarissa ist in dieser Parallelwelt aufgewachsen. Nach Jahren der Abwesenheit kehrt sie zurück – doch die Insel hat sich verändert: Fischerboote und Fischmarkt liegen brach, hoch in der Luft rotieren gläserne Windräder, und am Boden tummeln sich zeckenartige, metallene Gebilde, deren Funktion strengster Geheimhaltung unterliegt.

Moderation: Christian Dinger

Veranstaltungsort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm

Eintritt: 8,- / 5,- / Soliticket: 12,-

Zutritt nur mit im Vorverkauf erworbenen Tickets.

Foto Elsa Koester: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de

Foto Katharina Köller: © Izaquiel Tomé Photography

Elsa Koester wurde 1984 als Tochter einer französischen Pied-noir mit tunesischer Kolonialgeschichte und eines norddeutschen Friesen mit US-amerikanischer Auswanderungsgeschichte in Berlin geboren, wo sie heute lebt. Sie studierte Literatur- und Politikwissenschaft sowie Soziologie und engagierte sich über 15 Jahre in sozialen Bewegungen. Heute arbeitet sie als politische Redakteurin bei der Wochenzeitung Der Freitag. Die neu entflammte Debatte über Identität und Heimat inspirierte sie zu ihrem Romandebüt Couscous mit Zimt, in das ihre Erfahrungen aus einer diversen kulturellen Identität, als Journalistin und Aktivistin mit einfließen.

Katharina Köller wurde 1984 in Eisenstadt/Österreich geboren. Sie studierte Philosophie und Schauspiel in Wien und arbeitet seit 2011 als Autorin und als Theatermacherin. 2016 gab sie ihr Debüt als Regisseurin und war u. a. Artist in Residence in Portugal und Litauen. Ihre Theatertexte wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem DramatikerInnen-Stipendium des BMUKK. Was ich im Wasser sah ist ihr erster Roman.

Nov 2020

Olga Grjasnowa

Der verlorene Sohn

01.11.2020 18:00 Uhr, Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum

Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen, und Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin – und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglich keiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.

Moderation: Björn Jager

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main

Veranstaltungsort: Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum, Savignystraße 66

(Haltestelle U Westend / U Festhalle/Messe, 7 Minuten Fußweg)

 

Eintritt: 8,- / 5,- / Soliticket: 12,-

Zutritt nur mit im Vorverkauf erworbenen Tickets.

Foto: © Joachim Gern

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, Israel und der Türkei. Für ihren vielbeachteten Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt wurde sie mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihr Gott ist nicht schüchtern. Der Roman wurde zum Bestseller und hat sich 50 000 mal verkauft. Olga Grjasnowa lebt mit ihrer Familie in Berlin.