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PROGRAMM

PROGRAMM

Sep 2019

Tomas Espedal

Das Jahr

17.09.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die Sprache erscheint auf den ersten Blick spartanisch. Doch gerade darin liegt ihre Schönheit. Der Norweger Tomas Espedal vertritt, obwohl auch dem Autobiographischen verpflichtet, das Gegenmodell zu Karl Ove Knausgård. Nicht Raum zu greifen, sondern zu verknappen ist sein Programm. Das Jahr treibt diese Poetik, die Grenze zur Lyrik überschreitend, weiter voran: „Weiße Bäume./ Gefrorenes Wasser./ Der erste Schnee./ Ein einfaches Frühstück./ Kaffee.“ Das war eine Zugfahrt von Bergen nach Oslo. Unterwegssein ist eines der Grundmotive dieses prosaischen Langgedichts. Im Frühjahr, so fängt alles an, fliegt Tomas Espedal nach Nizza. Er ist Petrarca auf der Spur. Nichts Geringeres als dessen aussichtslosen Liebe zu Laura hilft ihm dabei, die Trennung von seiner Frau irgendwie auszuhalten. Verlusterfahrung und –angst sind Espedals ständigen Reisebegleiter. Nahezu ungeschützt erzählt er vom alternden Vater, von seiner Wut auf den Nebenbuhler, der Ohnmacht gegenüber den politischen Verhältnissen. Also von nicht mehr und nicht weniger als einem erwachsenen Leben.

Moderation: Hinrich Schmidt-Henkel

Eintrtt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung von NORLA.

Tomas Espedal, 1961 in Bergen geboren, gab sein literarisches Debut 1988 mit dem Roman En vill flukt av parfymer (Eine wilde Flucht vor dem Parfüm). Seither veröffentlichte er zahlreiche, mit vielen Preisen ausgezeichnete Romane und gilt neben seinem Freund Karl Ove Knausgård als einer der wichtigsten Schriftsteller Skandinaviens.

© Helge Skovdin

Gunther Geltinger

Benzin

19.09.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Intensiv – anders kann man die Wirkung, die dieser Roman entfaltet, kaum nennen. Der Rhythmus, die Metaphorik, das Setting – ihr Zusammenspiel macht die Lektüre atemlos. Benzin erzählt von Alexander und Vinz, einem schwulen Paar, das Südafrika abseits der üblichen Routen erkunden will. Sie haben schweres Gepäck dabei: sowohl den Wunsch, dass der Roadtrip ihrer in die Jahre gekommenen Beziehung neuen Schwung verleihen möge, als auch die bohrende Sehnsucht nach Manuel, in den Vinz sich unversehens verguckt hat. Im Laufe dieser Zerreißprobe platzt plötzlich ein Reifen ihres Mietwagens; Alexander hat jemanden angefahren. Der Mann, dem Anschein nach ein Einheimischer, heißt Unami. Aus ihrem Schuldgefühl heraus machen sie den Verletzten zu ihrem Guide. Doch der Weg, den er ihnen weist, führt nicht zu touristischen Attraktionen, sondern in ein Dickicht aus Brutalität und Ressentiments. Gunther Geltingers dritter Roman scheut vor den niedersten Instinkten des Menschen nicht zurück. Und trotzdem gibt er eine Hoffnung nicht auf, „nämlich die Hoffnung, die Welt zum Besseren hin verändern zu können, indem sie im Text neu erschaffen wird“ (Christoph Schröder).

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

In Kooperation mit Kultur & Bahn e.V.

Gunther Geltinger wurde 1974 in Erlenbach am Main geboren und lebt heute in Köln. Er studierte Drehbuch und Dramaturgie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien und an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

Bild © Amrei-Marie/wikipedia

Isabel Bogdan

Laufen

25.09.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die Erzählerin in Isabel Bogdans neuem Roman ist nach dem Tod ihres Partners am Ende ihrer Kraft. Um gegen das Erstarrtsein anzukämpfen, fängt sie an zu laufen. Ist zunächst schon der Weg von der Wohnung bis zur Kreuzung eine Qual, werden ihre Runden von Woche zu Woche länger – und was als Davonlaufen beginnt, wird schließlich ein Weg zurück ins Leben. Mit jedem Schritt gewinnt sie die Souveränität über ihr Tun zurück. Immer an ihrer Seite: ihre Freunde, ihre Wut, ihre Liebe zur Musik und ein Humor, der ihrer Wut ebenbürtig ist.

Nach ihrem Bestseller Der Pfau überrascht Isabel Bogdan mit ihrem zweiten Roman: Nach einer Gesellschaftskomödie legt sie diesmal ein Trauerbuch vor. Ein Bruch? Nur auf den ersten Blick. Denn auch in Laufen finden sich Isabel Bogdans ganz eigener Blick, ihr Gespür für Witz und ihre Zugewandtheit zu ihren Figuren.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Isabel Bogdan, geboren 1968 in Köln, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo. Sie verfasste zahlreiche Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer. 2011 erschien ihr erstes eigenes Buch, Sachen machen, bei Rowohlt, außerdem schrieb sie Kurzgeschichten in Anthologien. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung und 2011 den für Literatur. 2016 erschien ihr Roman Der Pfau, der ein Bestseller wurde.

© Heike Blenk

Dagmar Leupold

Lavinia

26.09.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Zwischen Begehren und Gewalt besteht eine untergründige Beziehung. Ihr spürt Dagmar Leupold in Lavinia mit unbändiger Sprachlust nach. Dass der 25. Stock eines New Yorkers Wohnhauses, wo sich das Appartement der gleichnamigen Erzählerin befindet, den Anfang des Romans markiert, liegt an der Fallhöhe. Denn jene Beziehung kommt im Fallen ans Licht: Man sagt ‚fall in love’ auf Englisch, findet Gefallen aneinander auf Deutsch, aber die Gefallenen kehren nie mehr zurück. Menschen, so Lavinia, „brauchen den anderen und den Tod, um zu werden, was sie sind“. Stock für Stock bis ins Parterre hinab enthüllt sie mehr und mehr von sich, ihrer Familie, ihrem Leben, das sie von Deutschland über Italien in die USA geführt hat. Sie beweist dabei nicht nur ein Gespür für feinste sprachliche Nuancen, sondern eröffnet auch ein Panorama bundesrepublikanischer Geschichte. Darin tritt das, was sie als Frau am eigenen Leib erfährt, in Spannung zu dem, was nicht vergeht: die Schrecken von Terror und Krieg.

Moderation: Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Dagmar Leupold, geboren 1955 in Niederlahnstein, lebt als Autorin und Übersetzerin in München. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Klassische Philologie in Marburg, Tübingen und New York. Seit 2004 leitet sie das ›Studio Literatur und Theater‹ der Universität Tübingen. Zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt Tukan-Preis 2013. Ihr Werk umfasst Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays. Für die Romane Unter der Hand (2013) und Die Witwen (2016) war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert.

© Volker Derlath

Okt 2019

Nick Drnaso

Sabrina

01.10.2019 20:00 Uhr, Lokal im Mousonturm

Selbst Amazon musste zwischenzeitlich passen: Nick Drnasos Sabrina war im englischsprachigen Raum schlichtweg nicht mehr zu bekommen. Kein Wunder, nachdem dieses „masterpiece“ (Zadie Smith) es als erste Graphic Novel überhaupt auf die Longlist des prestigeträchtigen Man Booker Prize geschafft hatte. Die Geschichte, die Nick Drnaso in ruhigen, einfach gehaltenen Bildern vor Augen stellt, ist verstörend. Seine Titelfigur verschwindet. Kurz darauf macht ein Video die Runde: Sabrina wurde augenscheinlich brutal gefoltert und ermordet. Doch in dem gesellschaftlichen Klima, das in den USA mit 9/11 Einzug gehalten hat, schießen Verschwörungstheorien wie giftige Pilze aus dem Boden. Die Echtheit des Verbrechens wird bezweifelt, ein Cocktail aus Paranoia und Fake News – mit gravierenden Folgen für die Familie und Freunde des Opfers.

Moderation: Daniel Beskos

Eintritt: 7,-/4,- (Ticketverkauf über Mousonturm)

In Kooperation mit dem aufbau Verlag.

Nick Drnaso wurde 1989 in Palos Hills, Illinois, geboren. Sein Graphic-Novel-Debüt Beverly wurde mit dem Los Angeles Times Book Prize für die beste Graphic Novel ausgezeichnet. Er ist in verschiedenen Comic-Anthologien mit Beiträgen vertreten und hat mehrere Comics veröffentlicht, die für den Ignatz Award nominiert wurden. Drnaso lebt in Chicago.

© Kevin Penczak

Mircea Cartarescu

Solenoid

07.10.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Hohn und Spott erntet ein junger Mann in seinem Literaturkreis, als er dort seinen Text „Der Niedergang“ zum Besten gibt. Aus ihm wird nicht wie erhofft ein gefeierter Schriftsteller, sondern ein Lehrer in der Vorstadt von Bukarest. Als dieser namenlose Erzähler jedoch ein Haus in Form eines Schiffes kauft, gerät er in den Bannkreis des Solenoids, einer Art riesiger Magnetspule, die sich unterhalb des Kellers befindet. Deren Gravitationskraft zieht aber nicht nach unten, sondern hebt konsequent alles in die Höhe, was in ihr Umfeld gerät – Menschen, Dinge, ja die Wirklichkeit selbst.

Fasst 1000 Seiten umfasst Mircea Cărtărescus neuer Roman Solenoid, und eines scheint klar: Spätestens mit diesem genialen, phantasmagorischen Monumentalwerk ist er endgültig in den engsten Favoritenkreis für den Nobelpreis eingetreten.

Moderation, Übersetzung und Lesung der dt. Texte: Ernest Wichner

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Mircea Cărtărescu wurde 1956 in Bukarest geboren und lebt in seiner Heimatstadt. Zahlreiche Auslandsaufenthalte u. a. in Berlin, Stuttgart, Wien, Florenz. Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung (2015), Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur (2015), Thomas-Mann-Preis, Premio Formentor (beide 2018). Auf Deutsch erschienen zuletzt bei Zsolnay die Orbitor-Trilogie (2007 bis 2014) sowie der Erzählungsband Die schönen Fremden (2016).

© Barna Nemethi

Petina Gappah

Aus der Dunkelheit strahlendes Licht

09.10.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Cäsar eroberte Gallien. Und David Livingstone erkundete Afrika. So steht es in nicht wenigen Geschichtsbüchern. Mit Blick auf den römischen Feldherren lässt dagegen Brecht seinen lesenden Arbeiter fragen: „Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?“ Die Simbabwerin Petina Gappah münzt diese Frage auf den schottischen Forscher um und macht aus ihr einen ganzen Roman. Aus der Dunkelheit strahlendes Licht erteilt Halima, Livingstones Köchin, das Wort, um dessen letzte Expedition aus einer bislang unterschlagenen Perspektive zu schildern. Das Recht zum Erzählen bekommt darüber hinaus auch Jacob Wainwright, ein freigelassener Sklave, der seine Sicht der Dinge in einem Tagebuch niederlegt. Dieses Underdog-Duo nimmt die Ursachen und Folgen des Kolonialismus ins Visier. Denn nicht zuletzt Livingstone fertigte die Karten der Flüsse an, auf denen „der weiße Mann kommen würde mit erhobener Winchester und geladenem Maxim-Maschinengewehr“.

Dt. Stimme: Dalila Abdallah

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

In Kooperation mit dem S. Fischer Verlag.

Petina Gappah, 1971 in Harare, Simbabwe geboren, studierte Jura in Cambridge und Graz und arbeitete über zehn Jahre als Anwältin für internationales Handelsrecht bei der Welthandelsorganisation in Genf. 2009 wurde sie für ihren Erzählband An Elegy for Easterly mit dem Guardian First Book Award ausgezeichnet. 2015 folgte ihr Romandebüt Die Farben des Nachtfalters, 2016 die Erzählungen Die Schuldigen von Rotten Row. Aus der Dunkelheit strahlendes Licht entstand während ihrer Zeit im renommierten Künstlerprogramm des DAAD in Berlin. Gappah lebt derzeit in Harare und ist für Simbabwes Regierung als internationale Handelsberaterin tätig.

© Henry Oliver Hakulandaba

Alban Nikolai Herbst

Wölfinnen. Erzählungen

15.10.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Alban Nikolai Herbsts Erzählungen und Novellen bestechen in ihrer klassisch-strengen Faktur und erzeugen in ihrer Intensität eine Ungeheuerlichkeit, die nicht mehr loslässt. Nirgendwo können Vielfalt und Entwicklung im Schaffen des musischen Autors deutlicher überblickt werden als in seiner Kurzprosa: wie früh Themen und Stilmittel angelegt sind, welche motivischen Zusammenhänge sich daraus ergeben, die wiederum zu seinen Romanen führen. Die scharfe Beobachtung realistischen Alltagsgeschehens und der gleichermaßen unmerkliche wie kühne Übergang in die Phantastik zeichnen das Schreiben Alban Nikolai Herbsts aus – ebenso wie die hohe Musikalität seiner Sprache, deren Tonlagen vom Lyrischen bis ins Groteske reichen. Aus dem Vertrauten geraten Protagonist und Leserin immer wieder in die Falle geschlossener Welten, aus denen es kein Entrinnen gibt.

Moderation: Elvira M. Gross

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

© Shasharad Lowan

speed read date DELUXE 3

Mit Lene Albrecht, Tom Müller und Hendrik Otremba

16.10.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Kooperation mit der Elisabeth Ruge Agentur am Messemittwoch nicht. Keine Bange: Mehr Taktgefühl und Schwung gibt es beim dritten speed read date DELUXE in Folge. Zusammen mit der Literaturagentur unseres Vertrauens präsentieren wir in weniger als einer Stunde zwei Debüts und einen zweiten Roman: Lene Albrechts Wir, im Fenster (aufbau) handelt von einer Freundschaft im Berlin der Nachwendezeit, die an einem Verrat zerbricht. In Die jüngsten Tage (Rowohlt) macht Tom Müller aus einer Zugfahrt von Hamburg in die Hauptstadt die Bilanz eines Lebens. Und der Held von Hendrik Otrembas Kachelbads Erbe (Hoffmann und Campe) friert für ein kryonisches Unternehmen Menschen ein, die sich von der Gegenwart nichts mehr versprechen. Die Spielregeln des Abends: auf drei knackige Einführungen folgen drei Lesungen à 15 Minuten und Blitzgespräche.

Moderation: Björn Jager, Malte Kleinjung und Julia Tautz

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) 8,-/5,- (AK)

Lukas Bärfuß

Malinois

17.10.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Als Lukas Bärfuss in diesem Jahr den Büchnerpreis zugesprochen bekam, begründete die Akademie für Sprache und Dichtung ihre Entscheidung unter anderem mit der „distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache“ seiner Romane, Dramen und Essays.

Nun überrascht der aus der Schweiz stammende Autor, indem er sich just im Herbst einer Gattung widmet, die in seinem bisherigen Werk noch keine Rolle gespielt hat: Mit Malinois legt er erstmals einen Band mit Erzählungen vor. Im Fokus der Geschichten stehen die Liebe und das Begehren in all ihren Spielarten. Wie begegnen wir uns? Welche Sehnsüchte treiben uns um? Nach welchen Mustern entwerfen wir die Geschichten unserer Leidenschaften? Bärfuss zeichnet eine Kartographie der Passionen, beschreibt Grenzerfahrungen, die uns mitten im Alltag widerfahren und die im besten Falle zu Momenten der Verwandlung wachsen können.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

© Stefano de Marchi

Dag Solstad

T. Singer

18.10.2019 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Regelrecht verzaubert“ zeigt sich der eine, „mit Entzücken“ liest der andere, während der dritte den Text „verschlingt“ – so fasst der Perlentaucher die Kritiken zu Dag Solstads T. Singer zusammen, der bereits 1999 in Norwegen auf den Markt kam und nun endlich auch auf Deutsch vorliegt. Der vornamenlose Protagonist des Romans will sich das Leben vom Leib halten, unbeachtet und ungestört sein Dasein als Bibliothekar in einer Kleinstadt fristen. Wie Solstad es gelingt, vom Wunsch nach Monotonie derart einnehmend und unterhaltsam zu erzählen, ist große Kunst. Nicht umsonst ist Dag Solstad in seiner Heimat einer der beliebtesten und am häufigsten ausgezeichnete Autor der Gegenwart.

Moderation: Uwe Englert und Ina Kronenberger

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)
Kombiticket: 10,-/6,-

© Tom Sandberg

Noch mehr Norwegen!

Mit Cecilie Løveid, Kristofer Grønskag und Mikkel Bugge

18.10.2019 21:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Wer von norwegischer Literatur nicht genug bekommen kann, für den haben wir eine gute Nachricht: Dag Solstad ist nur die erste Zündstufe des Abends, denn im Anschluss geben sich auch die horen und Der Literaturbote die Ehre. Unter den Titeln „Das Gras hinter dem letzten Haus“ (die horen) und „Müssen wir nicht wach sein“ (Der Literaturbote) stellen die beiden Zeitschriften zahlreiche Stimmen der norwegischen Gegenwartsliteratur aus allen Genres vor – nicht wenige davon erstmals in deutscher Übersetzung.

Zu Gast in Frankfurt werden sein: der Dramatiker Kristofer Grønskag, der mit einem Stück zum Thema Euthanasie aufhorchen ließ, die eminente Lyrikerin Cecilie Løveid, die unter anderem Texte zu den Breivik-Anschlägen verfasst hat, und der Erzähler Mikkel Bugge, der mit formal eigenwilligen Texten überrascht.

Moderation: Uwe Englert und Rebecca Jakobi

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)
Kombiticket: 10,-/6,-

In Kooperation mit dem Institut für Skandinavistik der Goethe-Universität Frankfurt und  NORLA.

Nov 2019

Den eigenen Gedanken auf der Spur

Walter Benjamins Schreib- und Lektürepraxis

05.11.2019 20:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Der Text ist ein Wald, in dem der Leser der Jäger ist“, schreibt Walter Benjamin. Diese Metapher verrät viel über seine Arbeitsweise. Zitate von Kafka, Goethe oder Freud sind für ihn wie Jagdtrophäen, die seinen Gedanken Kontur verleihen. Für diese produktive Originalität im Lektürevorgang hat Burkhardt Lindner den Begriff „Entwendung“ geprägt. Unter dem Titel Entwendungen. Walter Benjamin und seine Quellen haben Jessica Nitsche und Nadine Werner nun einen Sammelband herausgebracht, der Benjamins Lektürepraxis an Fallbeispielen untersucht. Entwenden bedeutet hier: verwenden, umwenden, eingreifen – eine Lektüre des aktiven Gebrauchs, der Handhabbarmachung und der Aktualisierung. Im Gespräch mit Felix Lenz, einem der Beiträger, werden die Herausgeberinnen den Band präsentieren. Nicht nur lesend, sondern auch schreibend stöbert Benjamin seinen Gedanken regelrecht nach. Besonders eindrucksvoll zeigen dies die Materialien zur Berliner Kindheit. Sämtliche Notizen, Entwürfe und Fassungen wurden erstmals in Band 11 der kritischen Gesamtausgabe Werke und Nachlaß veröffentlicht. Nadine Werner stellt den von ihr und Burkhardt Lindner herausgegebenen Band vor und eröffnet neue Einblicke in Benjamins Arbeitsweise.

Moderation: Jessica Nitsche und Nadine Werner

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

"Und täglich grüßt das Phrasenschwein" (Reihe: Böll kontrovers)

Diskussionsveranstaltung mit Franziska Brantner (B'90/Grüne) und Oliver Georgi (FAZ)

20.11.2019 19:00 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Wem weniger Vertrauen entgegengebracht wird als einem Versicherungsvertreter, hat wohl ein Problem. Laut einer Umfrage von 2018 trifft dies auf die Berufsgruppe der Politiker zu. Warum das so ist, analysiert der Journalist Oliver Georgi in seinem Buch Und täglich grüßt das Phrasenschwein. Eine Ursache erkennt er in der Form der gegenwärtigen politischen Kommunikation. Nicht zuletzt unter Angela Merkel, der „Großmeisterin der alternativlosen Worthülse“, sei die Sprache der Politik von Phrasen- und Formelhaftigkeit geprägt worden. Die Folgen: eine „lingua blablativa“ (Luhmann), mit der Kontroversen nicht mehr geführt würden und Unterschiede zwischen den Parteien verschwämmen. Eine zu gleichförmige Rhetorik der etablierten Parteien stärke zudem die populistischen Kräfte im Land. Georgi plädiert deshalb für mehr Authentizität und warnt davor, die rücksichtslose Sprache der Populisten als akzeptable Gegenstimme anzusehen.

An diesem Abend werden er und Franziska Brantner u.a. über folgende Fragen diskutieren: Wie können die etablierten Parteien dem entgegentreten? Wie kann der Diskurs zwischen Politik und Gesellschaft wieder in Gang gebracht werden? Wie muss Politik kommunizieren und agieren, um wieder Vertrauen zurückgewinnen zu können?

Moderation: tba

Eintritt: frei

Eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen.