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PROGRAMM

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Sep 2022

Robert Stripling

Unter Stunden – Album I

04.09.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Über zehn Jahre hat Robert Stripling an Unter Stunden und dem Nachfolgeband Über Flüche gearbeitet – und die Sorgfalt dieser jahrelangen Arbeit spürt man in jeder Zeile. Es ist ein Buch über die Zeit (das sagt bereits der Titel), ein Buch über Erinnerungen (zum Beispiel an einen trunksüchtigen Vater), ein Buch über das Schreiben und das Schriftsteller-Sein, ein Buch über ein Ich, das wandert und beobachtet und staunt…

Diese Reihung ließe sich noch beliebig fortsetzen und würde doch nur ein unzulängliches Bild von Striplings Prosa vermitteln. Denn was Unter Stunden vor allem auszeichnet, ist nicht, was es erzählt, sondern wie es erzählt: mit feinem Gespür für die Musikalität und die Architektur eines Texts und mit Mut zur sprachlichen Extravaganz. Entstanden ist so eine Prosa, die sich allem konventionellen Erzählen so radikal verweigert, wie man es sonst vielleicht nur von Friederike Mayröcker kennt.

Moderation: Paul Jandl

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Robert Stripling, geboren 1989 in Berlin, studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Frankfurt. Er arbeitete u.a. an Produktionen des jungenschauspielhannover und des Schauspiels Frankfurt mit. Es folgten Bühnenauftritte mit Texten von Lyriker und Bühnenautor Friedhelm Kändler, Soundinstallationen mit der Lyrikerin und Verlegerin Daniela Seel sowie Solo-Lesungen mit Schlagwerk. 2018 erschien der Band Verpasste Hauptwerke im mikrotext-Verlag. Robert Stripling lebt und arbeitet in Edenkoben.

Bild: © JK

Norbert Gstrein

Vier Tage, drei Nächte

08.09.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Ines und Elias sind Halbgeschwister. Seit ihrer Kindheit sind die beiden sich auf eine Art nah, die so innig wie radikal manipulativ ist, spätestens dann, wenn Ines einen neuen Liebhaber hat, der sich mit Elias’ Eifersucht konfrontiert sieht. Und Ines? Sie ist keineswegs Opfer, sondern spielt dieses Spiel mit, denn niemandes Liebe ist reiner als jene von Elias. Als dieser zum Weihnachtslockdown 2020 schließlich seinen eigenen Partner Carl einlädt, entwickelt sich zwischen den dreien ein toxisches Kammerspiel, das tief hineinführt in ein Netzwerk aus Misogynie und Rassismus.

Mit seinem neuen Roman Vier Tage, drei Nächte spinnt Norbert Gstrein jene Motivketten und Fragen weiter, die wir bereits aus seinen letzten Büchern kennen: Wer sind wir? Wie sind wir geworden, was wir sind – und welche Schuld haben wir auf diesem Weg auf uns genommen?

Moderation: Christoph Schröder

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt als freier Schriftsteller in Hamburg. Für sein literarisches Werk wurde Gstrein unter anderem mit dem Alfred-Döblin-Preis, dem Uwe-Johnson-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Zuletzt erschien 2021 sein Roman Der zweite Jakob, mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war.

Bild: © Oliver Wolf

Britta Boerdner

Es geht um eine Frau (Buchpremiere)

15.09.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„An jenem Freitagmorgen des vergangenen Jahres ging ich als Kriegerin aus dem Haus.“ Ein gutes halbes Jahr später befindet sich die, die da spricht, im freien Fall. Jahrelang hat Elena für ihre Karriere auf ein Privatleben verzichtet. Als sie eine Affäre mit dem fünfzehn Jahre jüngeren Consultant M. beginnt, wird sie diese Beziehung wie ein Projekt behandeln: effizient, kühl, analytisch. Die Anforderungen ihres Berufes bestimmen längst außerhalb des Dienstes ihr Leben – mit katastrophalen Folgen.

Britta Boerdner wirft in ihrem dritten Roman Es geht um eine Frau den Blick in die moderne Arbeitswelt. Zwischen den Zumutungen von corporate language und Selbstoptimierung zeichnet sie das Porträt einer Frau, die von dieser Welt durchdrungen ist, obwohl sie genau dies immer zu verhindern versucht hat. Angesichts der Tragödie, in der ihr Verhältnis zu M. mündet und die das Ende ihrer Karriere markieren wird, blickt sie nun schonungslos auf die Vergangenheit – und sich selbst.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Britta Boerdner, geboren in Fulda, studierte nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin Amerikanistik, Germanistik und Historische Ethnologie. Ihr Debütroman Was verborgen bleibt erschien 2012 bei der FVA. Für Am Tag, als Frank Z. in den Grünen Baum kam erhielt sie das Inselschreiber-Stipendium der Sylt Foundation und das Stipendium des Hessischen Literaturrates in der Emilia Romagna. Britta Boerdner lebt in Frankfurt am Main.

Bild: © To Kuehne

Werkseinstellungen

Mit Ulrike Almut Sandig

19.09.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Wenn man Ulrike Almut Sandig als eine der wichtigsten lyrischen Stimmen der Gegenwart bezeichnet, ist das zwar absolut korrekt, wird aber der Vielseitigkeit ihres Werks in keiner Weise gerecht. Fünf Bände mit Gedichten, zwei mit Erzählungen und einen Roman hat Sandig seit 2005 veröffentlicht und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn zu den in Buchform erschienenen Texten gesellen sich noch zahlreiche Hörspiele, Musikalben, Poetryfilme, Klangkunstwerke und Live-Performances, die zusammen einen multimedialen Sprachkosmos bilden. Von poetologischem Größenwahn ist dieser Kosmos jedoch weit entfernt, vielmehr herrschen in ihm Leichtigkeit und Spontanität und immer wieder Mut, sich einzumischen, engagiert zu sein, die Gegenwart in die Texte hinein und dabei die Sprache nicht aus dem Blick zu lassen.

Zeit, den Sandig’schen Kosmos einmal auf ganz grundsätzliche Weise zu erkunden – und wo ginge das besser als beim Auftakt unserer Werkseinstellungen-Reihe, in der nicht ein Buch im Mittelpunkt steht, sondern das bisherige Gesamtwerk? Zu hören wird es natürlich auch etwas geben, denn wie Claus-Jürgen Göpfert einmal ganz richtig in der Frankfurter Rundschau bemerkte: „Aber ach, es ist ein armer Tropf, wer nur auf die Beschreibung eines Sandig-Auftritts angewiesen ist und ihn nicht selbst erlebt.“

Moderation: Christian Dinger

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Ulrike Almut Sandig veröffentlichte zahlreiche Bände mit Gedichten und Erzählungen, Musikalben und Hörspiele. Ihr Roman Monster wie wir wurde im Feuilleton gefeiert. Sie ist Frontfrau des Poesiekollektivs Landschaft und vertont, verfilmt und trägt ihre Poesie in enger Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus der ganzen Welt vor. Zuletzt wurde sie mit dem Wilhelm-Lehmann-Preis, mit dem Roswitha-Literaturpreis und dem Erich-Loest-Preis geehrt. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Bild: © Heike Bogenberger Autorenfotos

Julia Wolf

Alte Mädchen (Buchpremiere)

22.09.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Anni, Else und Hannelore sollen für eine Imagekampagne ihrer Seniorenresidenz Modell stehen. Während Germany’s Next Topmodel läuft, verhandeln die drei Mittneunzigerinnen, was sie über ihr Leben erzählen wollen – und was nicht.
Auf einer Fahrt nach Polen schickt Gudrun eine Sprachnachricht. Ihre Nichte soll vom Tod der Großmutter erfahren, doch Gudrun schweift ab, erzählt von der Flucht am Kriegsende und ihrer Kindheit in den 50ern. Dann wird ihr klar: Sie muss etwas gestehen.
Jenny, Thao und Undine verbringen ein Wochenende, bevor Jenny ihr erstes Kind bekommt. Neben Erinnerungen an die Jugend in den 80ern und 90ern spielen nun auch soziale Unterschiede in ihren Gesprächen eine Rolle – als plötzlich die Wehen einsetzen.
Julia Wolf porträtiert in Alte Mädchen drei Frauengenerationen, spürt Wunden, Werten und Erfahrungen nach und erzählt bundesrepublikanische Geschichte neu: radikal subjektiv und weiblich. Der Roman öffnet die Augen dafür, woher wir kommen, wohin wir gehen, was wir mitnehmen und was wir loslassen sollten.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Julia Wolf, 1980 in Groß-Gerau geboren, lebt in Berlin und Leipzig. Für ihren Debütroman Alles ist jetzt erhielt sie den Kunstpreis Literatur der Brandenburg Lotto GmbH. Beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2016 las sie einen Auszug aus ihrem Roman Walter Nowak bleibt liegen, für den sie mit dem renommierten 3sat-Preis und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet wurde. Walter Nowak bleibt liegen wurde 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Für das Romanprojekt Alte Mädchen wurde Julia Wolf mit dem Robert Gernhardt Preis 2018 ausgezeichnet.

Bild: © Franziska Riedner

Helene Bukowski

Die Kriegerin

29.09.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Zehn Jahre sind vergangen, seit Lisbeth und die Kriegerin gemeinsam ihre Grundausbildung bei der Bundeswehr absolviert haben. Während die Kriegerin beim Militär bleibt und einen Auslandseinsatz nach dem anderen antritt, geht Lisbeth zurück nach Berlin, um wieder als Floristin zu arbeiten. Doch dort hält sie es nicht lange aus – fluchtartig kehrt sie immer wieder zum Meer zurück, dem einzigen Ort, an dem sie sich sicher fühlt. Hier trifft sie auch die Kriegerin wieder. Gemeinsam verbringen sie jeden Winter zwei Wochen in einem Bungalow in den Dünen, während Lisbeth für den Rest des Jahres auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet und die Kriegerin im Einsatz ist. In dieser Zeit sind sie einander so nah wie sonst niemandem und dennoch immer bemüht, die eigenen Wunden voreinander zu verbergen.

Nach ihrem gefeierten Debüt Milchzähne beweist Helene Bukowski erneut ihre Fähigkeit, mit kurzen, poetischen Sätzen eine unverwechselbare Stimmung heraufzubeschwören. In Die Kriegerin erzählt sie von einer besonderen Frauenfreundschaft, erlebten und vererbten Traumata und dem unerfüllbaren Wunsch, unverwundbar zu sein.

Moderation: Christian Dinger

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Helene Bukowski, geboren 1993 in Berlin, lebt heute wieder in ihrer Geburtsstadt. Sie studierte am Literaturinstitut Hildesheim und leitet neben dem Schreiben auch Kurse und Workshops für Kreatives Schreiben. 2019 erschien ihr Debütroman Milchzähne, für den sie u. a. für den Mara-Cassens-Preis, den Rauriser Literaturpreis und den Kranichsteiner Literaturförderpreis nominiert war. Der Roman wurde ins Französische und Englische übersetzt und eine Verfilmung ist in Vorbereitung.

Bild: © Rabea Edel

Okt 2022

Peter Kurzeck

Rudi Deuble und Beate Tröger über "Und wo mein Haus?" (Buchpremiere)

04.10.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Mitte der 1990er Jahre begann Peter Kurzeck die Arbeit an seinem autobiographischen Romanzyklus Das alte Jahrhundert, das in bisher sieben erschienenen Bänden vom Leben des Schriftstellers erzählt. Ausgangspunkt sind stets die Jahre 1983 und 1984, aber Ausgangspunkte bei Kurzeck dienen letztlich immer den Abzweigungen – assoziativ mäandert er durch die eigene Biographie.

Und wo mein Haus wird nun – wie die beiden vorangegangenen Romane – aus Peter Kurzecks Nachlass herausgegeben. Kurzeck taucht ab in seine Kindheit, erzählt vom Aufwachsen als Flüchtling im Staufenberg der Nachkriegszeit, von Schwarzmärkten und der Währungsreform, von seiner Arbeit für die U.S. Army.

Im Gespräch mit Beate Tröger stellt Rudi Deuble den Roman vor und spricht über die Herausforderungen, den auf zwölf Bände ausgelegten Zyklus mit Hilfe des schriftstellerischen Nachlasses zum Abschluss zu bringen.

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Peter Kurzeck, geboren 1943 in Böhmen, aufgewachsen in Staufenberg bei Gießen, lebte später in Frankfurt am Main und Uzès (Südfrankreich). Ab 1992 schrieb er an der autobiographischen Romanfolge Das alte Jahrhundert. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Alfred-Döblin-Preis, den Joseph-Breitbach-Preis, den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und den Hans-Erich-Nossack-Preis. Peter Kurzeck starb 2013 in Frankfurt am Main.

Rudi Deuble, geboren 1952 in Neuenbürg, studierte Germanistik und Politikwissenschaft. Ab 1990 betreute er Peter Kurzeck beim Verlag Stroemfeld/Roter Stern. Deuble arbeitet als Verlagsvertreter und lebt in Frankfurt am Main.

Beate Tröger ist Literaturkritikerin, u.a. für den SWR, DLF, FAZ, sowie Redakteurin des Kulturteils der Frankfurter Hefte. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Bild: © Erika Schmied

Elternschaft schreiben

Mit Julia Weber und Heinz Helle

11.10.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Fragen der Sorgearbeit beschäftigen uns nicht nur gesellschaftlich, sie rücken auch zunehmend in den Fokus künstlerischer Auseinandersetzungen. Besonders eindrücklich gelingt das dem Schriftstellerpaar Julia Weber und Heinz Helle in ihren neuen Romanen. Als Julia Weber mit dem gemeinsamen zweiten Kind schwanger ist und es schließlich zur Welt bringt, arbeiten beide an neuen Projekten, in die ihre Gegenwart eindringt. Zwischen Überforderung und Zärtlichkeit beginnt eine zweifache Selbstverortung über die Vereinbarkeit von Schreiben und Familie. Während Julia Weber in Die Vermengung dabei die Frage fokussiert, welcher Raum ihr für die Arbeit bleibt, rückt Heinz Helle in Wellen vor allem die Überlegung in den Mittelpunkt, wie sehr seine Vaterfigur geprägt ist von tradierten Männlichkeitsbildern – und wie es ihm gelingen kann, diese eigenen Prägungen zu überwinden. Gemein ist beiden Romanen jedoch eins: dass sie nicht im autofiktionalen Bekenntnisduktus verharren. Ganz im Gegenteil gelingt es ihnen, in hochpoetischer, präziser Sprache ihr Thema zu durchdringen.

Moderation: N.N.

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia.

Julia Weber, 1983 in Moshi (Tansania) geboren, aufgewachsen in Zürich. Nach einer Lehre als Fotofachangestellte mit gestalterischer Berufsmaturität studierte sie von 2009 bis 2012 literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Im Limmat Verlag ist ihr Debütroman Immer ist alles schön erschienen. 2021 las sie in Klagenfurt im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs.

Heinz Helle, geboren 1978, studierte Philosophie in München und New York und arbeitete als Texter in Werbeagenturen, bevor er Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studierte. Für seinen letzten Roman, Die Überwindung der Schwerkraft, wurde er mit dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2019 ausgezeichnet und stand 2018 auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises. Er lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Julia Weber, und den beiden gemeinsamen Töchtern in Zürich.

Bild Helle: © Suhrkamp Verlag

Bild Weber: © Ayse Yavas

Maren Wurster

Eine beiläufige Entscheidung

12.10.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Eine Frau versteckt sich in einem Ferienhaus, aus ihren Brüsten läuft Milch, sie kauert sich zusammen, versucht die Stimme ihres Babys aus dem Kopf zu bekommen, des kleinen Jungen, der immer schreit und nie schläft. Vor ihm ist sie weggelaufen.
Ein Junge lebt im Internat, seine Mutter hat er nie kennengelernt. Wenn er in der Werkstatt mit Holz arbeitet, spürt er eine wütende Energie, die er genießt und nicht versteht und die ihn antreibt, etwas im Holz freizulegen, aber was?
In unerschrockenener Sprache erzählt Maren Wurster in ihrem neuen Roman Eine beiläufige Entscheidung von der Einsamkeit eines zurückgelassenen Kindes und der Verzweiflung einer Mutter, die eine radikale, gesellschaftlich geächtete Entscheidung trifft, und lässt dabei beide Perspektiven aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander zurollen.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Maren Wurster, geboren 1976, studierte Filmwissenschaften und Philosophie in Köln und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2017 erschien ihr Roman Das Fell, 2021 folgte ihr Memoir Papa stirbt, Mama auch. Sie lebt mit ihrem Sohn in Berlin und im Wendland.

Bild: © Paula Winkler

Werkseinstellungen

Mit Alban Nikolai Herbst

17.10.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Alban Nikolai Herbst gehört zu den produktivsten Schrifstellern der Gegenwart. Seit seinem Debüt Marlboro 1981 sind zahlreiche Romane, Gedichtbände und Hörspiele erschienen, die einen bemerkenswerten Spagat wagen: Untrennbar werden in der Prosa Erzählverfahren des Realismus und der Postmoderne miteinander verknüpft, während Herbst in der Lyrik mit Traditionsbewusstsein auch auf antike und neoklassizistische Formen zurückgreift.

Neben der Arbeit an neuen Texten wie dem in diesem Jahr bei diaphanes erschienen Gedichtzyklus Die Brüste der Béart widmet sich Alban Nikolai Herbst seit einigen Jahren auch der Überarbeitung bereits erschienener Bücher wie In New York oder Wolpertinger oder Das Blau, die als revidierte Neuausgaben u.a. im Elfenbein Verlag und bei Arco erschienen sind.

Im Rahmen einer Werkschau wollen wir gemeinsam mit Alban Nikolai Herbst und seiner Lektorin Elvira M. Gross auf mehr als 40 Jahre Literaturgenese zurückblicken.

Moderation: Elvira M. Gross

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

Alban Nikolai Herbst wurde 1955 in Refrath, Nordrhein-Westfalen, geboren. Er publiziert seit 1981 und lebt seither – abgesehen von einem fünfjährigen Zwischenspiel als Aktien- und Devisenbroker – als freier Schriftsteller. Mit seinem 1000-seitigen Roman Wolpertinger oder Das Blau und der Anderswelt-Trilogie wurde er als Dichter der deutschen Postmoderne bekannt und erhielt u. a. den Grimmelshausen- sowie den Fantastik-Preis der Stadt Wetzlar.

Bild: © Dirk Skiba

JJ Bola

weiter atmen

26.10.2022 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Ich habe gekündigt. Ich nehme mein ganzes Erspartes – $ 9021 –, und wenn es aufgebraucht ist, bringe ich mich um.“ Wenn ein Buch so anfängt, ist sofort klar, dass es auf den folgenden Seiten ums Ganze geht, um Leben und Tod.

Michael Kabongo will einen radikalen Schlussstrich ziehen, unter seinen Job als Lehrer und den vergeblichen Versuch, Jugendliche zu retten; unter die unglückliche Liebe zu seiner Kollegin Sandra; unter seine Depressionen, das Gefühl von Heimatlosigkeit und die traumatischen Erinnerungen an die Flucht aus dem Kongo und den Tod seines Vaters. Er verlässt London, nimmt das Flugzeug nach San Francisco und beschließt, nur so lange zu leben, bis sein Konto leer ist. Die folgenden Kapitel enden jeweils mit dem aktuellen Kontostand von Michael und je kleiner diese Zahl wird, desto drängender wird die Frage, ob es für ihn einen Weg zurück ins Leben gibt.

In weiter atmen beweist JJ Bola, dass sein Schreiben die Qualitäten besitzt, die er in seinem Weltbestseller Sei kein Mann! für eine neu verstandene Männlichkeit einfordert: Empathie, Engagement und der Mut zu Emotionen.

Moderation: Jan Wilm

Lesung der dt. Texte: Stéphane Bittoun

Eintritt: 8,-/5,- Soliticket: 12,-

JJ BOLA, geboren 1986 in Kinshasa im Kongo, flüchtete im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach England und wuchs im Londoner Stadtteil Camden auf. Als Jugendlicher litt Bola an Depressionen. Nach seinem Master in Creative Writing arbeitete er einige Jahre als Sozialarbeiter mit Jugendlichen mit psychischen Problemen. JJ Bola veröffentlichte drei Gedichtbände, zwei Romane und das Sachbuch Sei kein Mann, in dem er traditionelle Männlichkeitsbilder anprangert und das auch in Deutschland monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Mit weiter atmen in der Übersetzung von Katharina Martl erscheint nun zum ersten Mal ein Roman von Bola in deutscher Sprache.

Bild: © Tunde Somoye

Eva Demski

Mein anarchistisches Album

27.10.2022 19:30 Uhr, Studio 1 im Mousonturm

Wenn Sie beim Anblick des Wortes „Anarchismus“ zusammenzucken und vor Ihrem inneren Auge lodernde Städte und marodierende Banden sehen, dann mag das daran liegen, dass Linke genauso wie Konservative mit jeder neuen Welle anarchistischen Gedankengutes alles daran gesetzt haben, die Ideen hinter dem Begriff zu verteufeln. Und so kommt vielleicht Eva Demskis neues Buch zur rechten Zeit: Denn Mein anarchistisches Album räumt mit den Vorurteilen auf und spürt mit Witz und Scharfsinn der uralten Idee einer libertär geprägten und von Autorität und Macht befreiten Gesellschaftsform nach, nicht ohne offen deren Widersprüche zu thematisieren. In kurzen Vignetten begegnen wir Bakunin und Mühsam, lernen die längst vergessenen Verfechter (und Verfechterinnen!) für ein selbstbestimmtes Leben kennen und durchstreifen die Jahrhunderte bis in unsere Gegenwart. Zu Recht wurde in den vergangenen Jahren der Ruf nach Utopien laut – vielleicht haben wir nun eine, hier, in diesem Buch.

Moderation: Björn Jager

Veranstaltungsort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 10,-/6,-

VVK über mousonturm.de

Eva Demski wurde in Regensburg geboren und lebt seit vielen Jahren in Frankfurt am Main. 1979 debütierte sie mit Goldkind und veröffentlichte seitdem zahlreiche Romane, Essaybände und Übersetzungen. Für ihr Werk wurde sie vielfach ausgezeichnet.

Bild: © Wolfgang Schopf/Suhrkamp Verlag