Waldschmidtstrasse 4, 60316 Frankfurt am Main, Telefon 069.24449940, info@hlfm.de

PROGRAMM

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Okt 2020

Debütantinnenball

Mit Elsa Koester und Katharina Köller

27.10.2020 19:30 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Seit 25 Jahren beweist die Frankfurter Verlagsanstalt ein sicheres Gespür beim Entdecken und Fördern neuer literarischer Stimmen. Grund genug, im Jubiläumsjahr gleich zwei aktuelle Debütantinnen des Hauses zu unserem Ball einzuladen.

In den Romanen von Elsa Koester und Katharina Köller melden sich starke weibliche Erzählerinnen zu Wort, die auf ihre je eigene Weise Fragen von (familiärer) Herkunft und weiblicher Selbstbestimmung verhandeln. In Couscous mit Zimt zeichnet Elsa Koester das Portrait dreier Frauen, deren Schicksale von gesellschaftlichen Umbrüchen und Krisen geprägt sind. Die stolze, eigensinnige Lucile muss nach der Unabhängigkeit Tunesiens nach Frankreich fliehen, wo ihre Tochter Marie die Studentenbewegung der 1968er miterlebt. Maries Tochter Lisa wiederum gerät 2016 mitten in die Proteste der Nuit-Debout-Bewegung.

Katharina Köller entwirft in Was ich im Wasser sah eine magisch-realistische Inselwelt, die als Brennglas auf gesellschaftliche und ökologische Probleme der Gegenwart funktioniert. Ihre Protagonistin Klarissa ist in dieser Parallelwelt aufgewachsen. Nach Jahren der Abwesenheit kehrt sie zurück – doch die Insel hat sich verändert: Fischerboote und Fischmarkt liegen brach, hoch in der Luft rotieren gläserne Windräder, und am Boden tummeln sich zeckenartige, metallene Gebilde, deren Funktion strengster Geheimhaltung unterliegt.

Moderation: Christian Dinger

Veranstaltungsort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm

Eintritt: 8,- / 5,- / Soliticket: 12,-

Zutritt nur mit im Vorverkauf erworbenen Tickets.

Foto Elsa Koester: © Susanne Schleyer / autorenarchiv.de

Foto Katharina Köller: © Izaquiel Tomé Photography

Elsa Koester wurde 1984 als Tochter einer französischen Pied-noir mit tunesischer Kolonialgeschichte und eines norddeutschen Friesen mit US-amerikanischer Auswanderungsgeschichte in Berlin geboren, wo sie heute lebt. Sie studierte Literatur- und Politikwissenschaft sowie Soziologie und engagierte sich über 15 Jahre in sozialen Bewegungen. Heute arbeitet sie als politische Redakteurin bei der Wochenzeitung Der Freitag. Die neu entflammte Debatte über Identität und Heimat inspirierte sie zu ihrem Romandebüt Couscous mit Zimt, in das ihre Erfahrungen aus einer diversen kulturellen Identität, als Journalistin und Aktivistin mit einfließen.

Katharina Köller wurde 1984 in Eisenstadt/Österreich geboren. Sie studierte Philosophie und Schauspiel in Wien und arbeitet seit 2011 als Autorin und als Theatermacherin. 2016 gab sie ihr Debüt als Regisseurin und war u. a. Artist in Residence in Portugal und Litauen. Ihre Theatertexte wurden mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem DramatikerInnen-Stipendium des BMUKK. Was ich im Wasser sah ist ihr erster Roman.

Nov 2020

Olga Grjasnowa

Der verlorene Sohn

01.11.2020 18:00 Uhr, Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum

Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen, und Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin – und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglich keiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.

Moderation: Björn Jager

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main

Veranstaltungsort: Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum, Savignystraße 66

(Haltestelle U Westend / U Festhalle/Messe, 7 Minuten Fußweg)

 

Eintritt: 8,- / 5,- / Soliticket: 12,-

Zutritt nur mit im Vorverkauf erworbenen Tickets.

Foto: © Joachim Gern

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, Israel und der Türkei. Für ihren vielbeachteten Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt wurde sie mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihr Gott ist nicht schüchtern. Der Roman wurde zum Bestseller und hat sich 50 000 mal verkauft. Olga Grjasnowa lebt mit ihrer Familie in Berlin.

 

Fulminante Verse – Die besten Lyrikdebüts

Vorgestellt von Beate Tröger und Tristan Marquardt. Mit Ines Berwing und Barbara Juch.

15.11.2020 19:30 Uhr, Mousonturm Saal

Debüts haben es nicht leicht auf dem Literaturmarkt. Mitreißend müssen sie sein, radikal sowieso, am besten schonungslos, in jedem Fall fulminant, wenn nicht gar furios. Und wenn es dann auch noch um Lyrikdebüts geht, oje, da helfen selbst diese werbewirksamen Worthülsen wenig bei der Suche nach Aufmerksamkeit, die sich meist um Prosa statt um Poesie, um Altbekanntes statt um Neuzuentdeckendes dreht. Bei uns bekommen Lyrikdebüts nun aber Raum, ganz ohne marktschreierische Plattitüden: Die Literaturkritikerin Beate Tröger und der Lyriker und Literaturvermittler Tristan Marquardt wählen aus den Neuerscheinungen des Lyrikmarkts jeweils vier Erstlingswerke aus, die sie im Gespräch miteinander vorstellen. Mit Ines Berwing und Barbara Juch sitzen zwei der Debütantinnen als Gäste mit auf dem Podium und lesen aus ihren Gedichten.

Veranstaltungsort: BAU im Mousonturm (Theatersaal), Waldschmidtstraße 4

Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt Frankfurt am Main.

Eintritt: 10,- (Ticket gilt für Einzel- und Doppelsitze)

Vorverkauf über Künstlerhaus Mousonturm.

 

Ines Berwing wurde 1984 in Bad Nauheim geboren. Sie studierte deutsche und englische Literaturwissenschaften, danach Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Ihre Kurzfilme liefen auf zahlreichen internationalen Festivals und wurden mehrfach ausgezeichnet. „muster des stillen verkabelns“ ist ihr Lyrikdebüt.

Barbara Juch, geb. 1988 in Klagenfurt, lebt in Wien. Sie studierte Englische Literatur in Wien und New York, sowie Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin arbeitet Juch als Künstlerin und Theatermacherin in abwechselnden kollaborativen Formationen. 2017 wurden sie gemeinsam mit Laura Nitsch für den Essayfilm Elemente einer Landschaft mit dem Cathrin Pichler Preis ausgezeichnet. Juch singt im Chor „Mala Sirena“ und fährt in der Rennradgruppe „Skinny Devils“.

Beate Tröger ist Literaturkritikerin, u.a. für den SWR, DLF, FAZ, sowie Redakteurin des Kulturteils der Frankfurter Hefte. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt.

Tristan Marquardt ist Lyriker und Literaturvermittler. Zuletzt erschien 2018 scrollen in tiefsee (kookbooks). Er veranstaltet seit vielen Jahren unabhängige Lesereihen und ist Mitinitiator von ULF, dem Festival unabhängiger Lesereihen. 2019 konzipierte er gemeinsam mit Monika Rinck Fokus Lyrik.

 

 

Foto Ines Berwing: © Dirk Skiba

Foto Barbara Juch: © Anna Spanlang

 

Jüdische (postsowjetische) Gegenwartsliteratur

Podiumsdiskussion mit Olga Grjasnowa, Lana Lux und Julia Grinberg

17.11.2020 19:00 Uhr, Jüdisches Museum Frankfurt

Die gegenwärtige deutschsprachige Literaturlandschaft ist geprägt von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, die in ihren publizistischen und literarischen Arbeiten zunehmend Themen und Fragen der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignisse verhandeln. Das Podium versammelt für diesen Abend die Perspektiven dreier deutschsprachiger Schriftstellerinnen, die sich – nicht nur aber auch – als jüdische Personen aus der ehemaligen Sowjetunion mit diesen Fragen auseinandersetzen. Welche Themen der Erinnerungen und Selbst- und Fremdzuschreibungen werfen sie in ihrem literarischen Schreiben auf? Welche Positionen in dieser Auseinandersetzung werden dabei selten sichtbar gemacht? Gibt es Allianzen innerhalb dieser Auseinandersetzungen? Ebenso werden wir auf die aktuellen Werke der Autorinnen zu sprechen kommen.

Moderation: Marina B. Neubert

Veranstaltungsort und Kooperationspartner: Jüdisches Museum Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1 (Haltestelle U Willy-Brandt-Platz, 4 Minuten Fußweg)

Eintritt: 5,-/2,50

Anmeldung unter: besuch.jmf@stadt-frankfurt.de

 

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, Israel und der Türkei. Für ihren vielbeachteten Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt wurde sie mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihr Gott ist nicht schüchtern. Der Roman wurde zum Bestseller und hat sich 50 000 mal verkauft. Olga Grjasnowa lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Lana Lux, geboren 1986 in Dnipropetrowsk/Ukraine, wanderte im Alter von zehn Jahren mit ihren Eltern als Kontingentflüchtling nach Deutschland aus. Sie machte Abitur und studierte zunächst Ernährungswissenschaften in Mönchengladbach. Später absolvierte sie eine Schauspielausbildung am Michael Tschechow Studio in Berlin. Seit 2010 lebt und arbeitet sie als Schauspielerin und Autorin in Berlin. 2017 erschien ihr vielbeachtetes Debüt „Kukolka“, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, 2020 ihr neuer Roman „Jägerin und Sammlerin“.

Fotos: © Joachim Gern