Anna Schapiro

»Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind«

19:30

»Wenn ich ein Container der Geschichten sein sollte, dann sicherlich einer voller Risse.«

 

Als ihre Familie aus der zerfallenden Sowjetunion nach Deutschland zieht, ist Anna ein kleines Kind. Sie zählen zu den sogenannten ›Kontingentflüchtlingen‹. »Wir sind hierhergekommen, da die Deutschen etwas Furchtbares gemacht haben mit den Juden, was sie jetzt bereuen«, wird ihr von den Eltern erklärt. Auf der Beerdigung ihrer legendären Großmutter Sweety beschließt Anna Jahre später, sich auf die Suche nach den unerzählten Geschichten ihrer Familie zu machen. Mit einem Aufnahmegerät im Gepäck reist sie nach New York und Boston, nach Arad und Haifa und besucht entfernte Verwandte, Studienkollegen und Freundinnen der Großeltern.

Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind, der Debütroman der bildenden Künstlerin Anna Schapiro, verbindet Familienchronik, Oral History und poetische Reflexion miteinander. Mit ungeheurem sprachlichen Feingefühl wird hier Alltägliches mit Historischem verwoben und am Ende entsteht das Mosaik einer sowjetisch-jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Moderation: Christian Dinger

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Anna Schapiro
© Valeria Mitelman

Anna Schapiro, 1988 in Moskau geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. Sie studierte Bildende Kunst in Dresden und Jewish Studies in Stockholm. Arbeits- und Stipendienaufenthalte brachten sie u.a. nach New York, Warschau, London, Mexiko. Sie stellt international aus und lehrt an verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Schapiro war Co-Kuratorin der Ausstellung Klassenfragen – Kunst und ihre Produktionsbedingungen (2022) in der Berlinischen Galerie sowie Gründerin und Mitherausgeberin des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart.