PROGRAMM

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LJAN & FEB

Jan 2017

Acting Out! #1

Mit Ulrike Draesner & Johanna Maxl

17.01.2017, 20:30

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Ulrike Draesner und Johanna Maxl treffen sich im Auftakt der Reihe Acting Out! zur intermedialen Performance und zum Gespräch in einem Bühnenbild aus Projektionen, Glas und Licht – gestaltet von der Installationskünstlerin Alex Lebus. Die performative Präsentation ihrer Texte betten sie ein in den assoziativen Flow einer Unterhaltung über das selbstständige, das unermüdliche Arbeiten, Zeitoptimismus, Alter, Armut, Sinnlichkeit und Pragmatismus. Die Elemente, die sie einsetzen, fordern das ganze Sensorium: nicht nur sind sie in Wort und Bild erlebbar; die RezipientInnen bekommen sie auch zu schmecken – es wird tasty.

Denn beide Autorinnen bedienen sich insbesondere beim Verfassen von Texten für den Sprechakt mit Verve des Englischen. Im Rahmen von Acting Out! reflektieren sie darüber, wie sich von Sprache zu Sprache die Schreibfreiheiten, die Lust am Fluchen und die Pathosgrenzen verschieben.

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

© Emanuela Danielewicz

Ulrike Draesner, geboren 1962, ist eine der zentralen Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Das Werk der promovierten Mediävistin wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt erhielt sie für ihren Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ den Nicolas-Born-Preis 2016. Neben Prosa zählen auch Gedichte und Essays sowie Übersetzungen zu ihrem Arbeitsfeld. Zurzeit lebt und lehrt sie in Oxford.

Johanna Maxl, Jahrgang 1987, absolvierte ein Masterstudium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Neben Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, ist sie vor allem bekannt für ihre Leseperformances und als Regisseurin provokanter Kurzfilme, wie „Viva Violence“.

Mithu Sanyal

Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens

26.01.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Eine Vergewaltigung ist immer ein Verbrechen. Daran gibt es nichts zu rütteln. Darüber hinaus tun jedoch Debatten not. Die Fragen, die Mithu Sanyal aufwirft, sind unbequem. Setzt das gesellschaftliche Umfeld die Opfer nicht insofern unter Druck, als es von ihnen ganz bestimmte Reaktionen erwartet? Wird man den Ausmaßen gerecht, wenn man Vergewaltigung nur als ein Verbrechen behandelt, das Männer an Frauen begehen? Und ist mit der dauerhaften sozialen Ächtung von Täter*innen irgendwem geholfen? Dass diese Fragen ihre Berechtigung haben, belegt Sanyal durch eine historische Analyse. Wir erklären uns Vergewaltigungen mit stereotypen Vorstellungen, die sich bis in die Antike zurückverfolgen lassen. Dementsprechend halten sich viele geschlechterbezogene Vorurteile. Gestützt auf aktuelle Forschungsergebnisse aus verschiedenen Disziplinen, will Sanyal Auswege aus eingeschliffenen Deutungsmustern weisen – zum Wohl von Frauen und Männern. Das ist feministische Politik auf der Höhe der Zeit.

Moderation: Dr. Sarah Speck

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

© regentaucher.com

Dr. Mithu Melanie Sanyal ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin und Journalistin. Für ihre Arbeit als Feature- und Hörspielautorin für den Rundfunk wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Sie ist Referentin für Genderfragen und Dozentin an verschiedenen Universitäten, schreibt unter anderem für WDR, Deutschlandfunk, taz, SPEX, Missy Magazine, VICE.

Feb 2017

Fabian Hischmann

Das Umgehen der Orte

08.02.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Das Umgehen der Orte, der neue Roman von Fabian Hischmann, ist nicht weniger als ein Kaleidoskop aus Sehnsüchten, Verlusten und die Hoffnung darauf, dass doch irgendwann alles noch einmal anders werden kann in einem Leben: Samuel ist aufstrebender Jungautor und nach wenigen Seiten tot. Niklas ist schwul und Mitarbeiter in einer Seehundstation. Anne rebelliert zuerst gegen ihre Eltern und Jahre später gegen ihr Leben. Lisa ist dick und friert daher nie. Zwischendurch stirbt Matt Damon, und Nick Cave wird nach einem Segeltörn vermisst gemeldet.

Von 2004 bis 2020 erstreckt sich die Handlung des Romans, knapp ein Dutzend Figuren lernt man dabei in längeren und kürzeren Episoden kennen: Menschen, deren Wege sich im Verlauf des Romans immer wieder kreuzen werden zwischen Island und Australien, zwischen Hessen und dem Grund des Zürichsees. Eindrucksvoll stellt Fabian Hischmann unter Beweis, dass die Nominierung für den Preis der Leipziger Messe 2014 für sein Debüt kein Versehen war, sondern ein Versprechen.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

© Florian Reischauer

Fabian Hischmann wurde 1983 in Donaueschingen geboren. Der Wahlberliner studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und Leipzig. Sein Romandebüt Am Ende schmeißen wir mit Gold war 2014 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Debütantenball

Mit Isabelle Lehn & Shida Bazyar

16.02.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Albert ist ein junger Journalist, der sich in einer Kriegssimulation verloren hat und nun nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Behsad und Nahid sind überzeugte Kommunisten im Teheran der 1970er Jahre. Das sind die Startpunkte zweier beeindruckender Debüts, die 2016 erschienen sind. In radikaler Gegenwärtigkeit schildert Isabelle Lehn in Binde zwei Vögel zusammen die Geschichte eines Mannes, der sechs Wochen lang in einem Ausbildungscamp für Soldaten die Rolle eines afghanischen Cafébesitzers spielen musste und diese Rolle danach nicht mehr abstreifen kann. Shida Bazyar erzählt in Nachts ist es leise in Teheran über fast 40 Jahre und in verschiedenen Perspektiven von einer iranischen Familie, die nach der Machtübernahme der Mullahs nach Deutschland flüchtete. So unterschiedlich die beiden Romane auf den ersten Blick wirken, ist ihnen doch etwas gemein: Während der jüngeren Literatur oftmals ein Rückzug ins Innerliche vorgeworfen wird, positionieren sich Lehn und Bazyar dezidiert politisch. Während Isabelle Lehn der Frage nachspürt, in welchem Verhältnis Realität, Fiktion und Narrative in unserer Gegenwart zueinander stehen, steht bei Shida Bazyar neben dem Migrationsdiskurs noch ein ganz anderes Thema im Mittelpunkt: Was muss man aufgeben, wenn man für ein anderes Leben kämpfen will?

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Isabelle Lehn, geboren 1979 in Bonn, wurde 2011 im Fach Rhetorik promoviert. Seit 2013 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig in einem Forschungsprojekt tätig, das sich „Literarischen Schreibprozessen“ widmet. Ihrem Debütroman sind mehrere literarische Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien vorausgegangen.

Shida Bazyar wurde 1988 in Hermeskeil geboren. Sie studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und lebt in Berlin. Dort betreut sie junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Nachts ist es leise in Teheran ist ihr erster Roman. Er wurde kürzlich mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis 2016 ausgezeichnet.

Acting Out! #2

Nora Gomringer & Philipp Scholz: Peng Peng Peng!

21.02.2017, 19:30

Studio 1 im Mousonturm

Philipp Scholz lauscht. Nora Gomringer atmet ein, Scholz holt aus, Gomringer setzt an, Scholz trommelt, Gomringer spricht und PENG PENG PENG. Es entsteht alte Magie in neuem Gewand: Jazz & Rezitation. Die Mixtur: das Wort und der Takt, gleichermaßen Humor und Tiefsinn, ein Mikrofon, ein Schlagzeug und zwei begnadete Künstler: Nora Gomringer rezitiert eigene Texte sowie Zeilen aus der gesamten Weltliteratur – von Dorothy Parker zur experimentellen Literatur des 20. Jahrhunderts und großen Klassikern. Der Jazz-Drummer Philipp Scholz gibt den Takt an, begleitet Gomringers wilden Wortritt, leitet, stört die Sprecherin und pointiert sie. Gemeinsam sorgen sie auf der Bühne für einen fatallyrischen Knall der Extraklasse.

Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Marschner Stiftung, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und Pro Helvetia.

Eintritt: 10,-/5,-*

*Vorverkauf erfolgt über www.mousonturm.de

Nora Gomringer, geboren 1980, leitet das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. Sie schreibt Lyrik, Opernlibretti und Kolumnen. Live auf der Bühne kombiniert sie auf experimentelle Weise Text und Sound miteinander. Ihr Werk wurde zahlreich ausgezeichnet, so auch 2015 in Klagenfurt mit dem Bachmannpreis.

Philipp Scholz, Jahrgang 1990, studierte Jazzschlagzeug in Leipzig. In wechselnden Formationen ist er deutschlandweit und international unterwegs. 2014 gewann er den Jungen Münchner Jazzpreis. Gemeinsam mit Nora Gomringer wird er 2018 die Poetikprofessur der Universität Klagenfurt übernehmen.

„…eine Lektüre, die auf eigene Rechnung vorgenommen wird.“

Burkhardt Lindners Studien zu Walter Benjamin

28.02.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

In Kooperation mit dem Philosophischen Kolloquium: Kritische Theorie

Burkhardt Lindner (1943-2015) ist eine Schlüsselfigur der Benjamin-Forschung. Im Zuge der Studentenbewegung gehörte er zu den Pionieren, die Benjamin wiederentdeckt haben. Über vier Jahrzehnte hinweg hat Lindner ihn originell erforscht, ohne sich von den Moden der Benjamin-Rezeption leiten zu lassen. Als Professor an der Goethe-Universität prägte er Generationen Studierender und begeisterte zahlreiche Nachwuchswissenschaftler/innen für Benjamin. Lindner las mit Neugier, Genauigkeit und Offenheit: „Es gibt zum Beispiel einen Eintrag, den zitiere ich gern. Da steht nur, diesmal sogar ohne Quelle: Lyon ist für seinen dichten Nebel bekannt. So – was ist das? Wofür braucht er den dicken Nebel von Lyon für das Paris-Buch? [lacht] Aber irgendwas ist da dran. Wir können es nicht von vornherein herausfinden, aber wir spüren: Da ist was.“ (Lindner im Interview mit Alexander Kluge) Der Band Burkhardt Lindner: Studien zu Benjamin versammelt eine Auswahl seiner wichtigsten Texte zu Benjamin.

Im Gespräch mit Andreas Becker, Felix Lenz, Anja Nowak und Timo Skrandies stellen die Herausgeberinnen Jessica Nitsche und Nadine Werner den Band vor und diskutieren Lindners Thesen mit besonderem Blick auf das ‚Paris-Buch‘, Benjamins unabgeschlossene Passagen-Arbeit.

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Foto © Wolfgang Becker