PROGRAMM

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LNOV & DEZ

Nov 2018

Anke Stelling

Schäfchen im Trockenen

07.11.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Nur ganz zart“ habe sie die Klassenfrage bisher angerissen, meinte Anke Stelling vor drei Jahren gegenüber der taz. „Ich glaube“, fügte sie an, „ich muss sie noch einmal brachialer stellen“. Gesagt, getan: Schäfchen im Trockenen handelt von der Illusion sozialer Aufstiege, von der Erfahrung, dass die eigene Herkunft einen langen Schatten wirft. So erscheint es der Schriftstellerin Resi, die mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Zu allem Überfluss wird die Wohnung, in der sie mit ihrer Familie lebt, gekündigt. Der Hauptmieter, einst enger Freund, will die Familie heraushaben. Resis alte Clique – Linke wie sie, aber aus gutem Hause – bricht den Kontakt ab: Man lebt in einem Gemeinschaftshaus im Prenzlauer Berg und ist beleidigt. Denn Resi hat über das Projekt, an dem sie sich nicht beteiligen wollte, geschrieben, zuerst nur in einem Zeitungsartikel, dann aber auch in einem „bösen Buch“. Während die einen eine vanillefarbene Fassade und begehbare Kleiderschränke haben, müssen die anderen schauen, wo sie in Zukunft bleiben.

Nachdem sie in Bodentiefe Fenster ein Berliner Hausprojekt und das entsprechende Milieu aus einer Binnenperspektive sezierte, wählt Anke Stelling in ihrem neuen Roman den Blick einer Ausgeschlossenen, die glaubte, dazuzugehören. Das so ins Spiel kommende soziale Gefälle eröffnet bittere Einsichten, denen Resi nur mit ebenso bitterem Humor begegnen kann.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Anke Stelling, geboren 1971, aufgewachsen in Stuttgart, ging mit dem Abitur in der Tasche nach Berlin, wo sie, unterbrochen von einem erfolgreichen Intermezzo am Leipziger Literaturinstitut, lebt und als freie Autorin arbeitet. 2004 wurde ihr gemeinsam mit Robby Dannenberg verfasster Roman Gisela verfilmt, 2010 die Erzählung Glückliche Fügung.

Ihr Roman Bodentiefe Fenster (2015) stand sowohl auf der Longlist des Deutschen Buchpreises als auch auf der Hotlist der unabhängigen Verlage und wurde mit dem Melusine-Huss-Preis ausgezeichnet.

© Nane Diehl

Ursula Krechel

Geisterbahn

12.11.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Wen die „Volksgemeinschaft“ in Trier ein- oder ausgeschlossen hatte, wissen die in einer Schulklasse vereinten Kinder nicht. Sie wissen nicht, dass Annchen Dorn die meisten ihrer Geschwister nie kennen lernen konnte, weil man sie in Lagern sterben ließ; dass Iris Berghausens Mutter den „Sieg fürs Vaterland“ beschwor; dass Aurelia Torgau den Namen ihrer Tante, einer Kommunistin und Auschwitz-Überlebenden, trägt; dass Cecilia Neumeisters Vater als Beamter des Reichsarbeitsministeriums über KZ-Häftlinge gebot. Erst mit Jahrzehnten Abstand kann Bernhard Blank, Sohn eines Polizisten, sowohl die eigene Familiengeschichte als auch die seiner Klassenkameradinnen erzählen.

In Ursula Krechels Geisterbahn kollidieren die Lebenswege von Tätern, Mitläufern und Opfern des Hitler-Regimes. Gestützt auf historische Quellen zeichnet der Roman am Beispiel einer Stadt den Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus nach – und dessen Nachwirken bis in die Gegenwart. Mit dem Porajmos, dem ‚Verschlingen’, steht dabei ein noch immer unterbelichteter Teil deutscher Vernichtungspolitik im Mittelpunkt: der Völkermord an den Sinti und Roma.

Moderation: Beate Tröger

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier, studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte. Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten. Erste Lyrikveröffentlichungen 1977, danach erschienen Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. 2009 erhielt Ursula Krechel den „Joseph-Breitbach-Preis“, 2012 wurde sie für ihren Roman „Landgericht“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Ursula Krechel ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland und seit 2012 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sie lebt in Berlin, wo sie die Werkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums leitet.

© Gunter Glücklich

Hier habt ihr mich. Neue Gedichte aus Dänemark

Mit Sten Kaalø, Cecilie Lind und Rasmus Nikolajsen.

14.11.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Wie viele dänische Lyrikerinnen und Lyriker kennen Sie? Nicht ganz so viele? Dann sollte sich das ändern! Dänische Gegenwartslyrik dem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen, das haben sich nämlich sieben Frankfurter Studentinnen und Studenten der Skandinavistik auf die Fahne geschrieben. Unter dem Titel Hier habt ihr mich präsentieren sie eine von ihnen selbst übersetzte und bei der Parasitenpresse erschienene zweisprachige Anthologie, die Gedichte von zehn Dichter*innen aus Dänemark versammelt. Drei von ihnen – Sten Kaalø, Cecilie Lind und Rasmus Nikolajsen – sind an diesem Abend zu Gast, um aus ihren Texten zu lesen und über sie zu sprechen.

Moderation (dän./dt.): Sarah Fengler & Justus Karl

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Skandinavistik der Goethe-Universität Frankfurt und mit freundlicher Unterstützung des Statens Kunstfond.

Sten Kaalø, geb. 1945 in Frederiksberg, debütierte 1969 mit seiner ersten Gedichtsammlung Med hud og hår (Mit Haut und Haaren). Es folgten Bücher und Theaterstücke, Hörspiele und Kirchenlieder.

Cecilie Lind, geb. 1991 in Ringkøbing, ist Absolventin der Autorenschule in Kopenhagen. Ihre ersten Gedichte Ulven åd min eyeliner wurden 2010 publiziert. 2012 erschien Dughærget pupil accelererer tusmørke als „Un-Sagen“, Linds eigene Genrebezeichnung. In den Prosagedichten werden bekannte Märchenuniversen und Mythologien durcheinandergewirbelt.

Rasmus Nikolajsen, geb. 1977 in Kopenhagen, studierte Literaturwissenschaft und debütierte 2000 mit dem Gedichtband digte om lidt (gedichte in kürze). Seitdem hat er sechs weitere Gedichtbände sowie Prosabände veröffentlicht. In seinen Gedichten thematisiert Nikolajsen oft sein Verhältnis zur Natur.

It Can't Happen Here? Sinclair Lewis und die Politik der Gegenwart

Joshua Cohen im Gespräch mit Jan Wilm

20.11.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Es gibt Bestseller mit Zeitzünder: 80 Jahre sind seit der Veröffentlichung vergangen, als Sinclair Lewis’ Politsatire It Can’t Happen Here in den USA plötzlich innerhalb von einer Woche bei Amazon ausverkauft ist. Durch den Wahlsieg Donald Trumps hat der 1935 erschienene Roman über Nacht etwas Prophetisches bekommen. Er beschreibt die Bedingungen und Umstände, die einen Protofaschisten zum Präsidenten machen. Die Gesellschaftsschichten indes, denen Trump seinen Erfolg verdankt, erkennen manche im Personal von Babbitt und Main Street wieder, zwei weiteren Romanen des ersten amerikanischen Literaturnobelpreisträgers. Was ist an solchen Parallelisierungen und Analogien dran? Inwieweit tragen sie zum Verständnis der aktuellen politischen Lage bei? Nicht nur über solche Fragen, sondern auch über die Poetik und Ästhetik von Lewis’ Werk wird der Schriftsteller Joshua Cohen, einer der profiliertesten Kommentatoren der amerikanischen Gegenwartskultur, mit dem Literaturwissenschaftler und –kritiker Jan Wilm sprechen.

Moderation: Jan Wilm

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Sinclair Lewis (1885-1951), geboren in einer Kleinstadt in Minnesota, studierte in Yale und arbeitete als Journalist und Lektor in New York, San Francisco und Washington. Seit dem Erfolg seines Romans Main Street konnte er von der Schriftstellerei leben. 1926 erregte er großes Aufsehen mit seiner Ablehnung des Pulitzerpreises, der ihm für seinen Roman Arrowsmith zuerkannt worden war; 1930 erhielt er als erster US-Amerikaner den Literaturnobelpreis.

Joshua Cohen, wurde 1980 in New Jersey geboren und studierte an der ‚Manhattan School of Music‘. Er schreibt nicht nur Erzählbände und Romane, sondern auch Kritiken für renommierte Zeitungen wie die ‚New York Times Book Review‘. Zu den Auszeichnungen, die er für sein literarisches Schaffen erhalten hat, zählen der ‚Pushcart Prize‘ (2012) und der ‚Matanel Prize in Jewish Literature‘ (2013). Auf Deutsch erschien von ihm zuletzt das Buch der Zahlen (Schöffling & Co).

Jan Wilm, hat Anglistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main studiert und über J. M. Coetzee promoviert. Seit 2018 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Er übersetzt darüber hinaus aus dem Englischen (zuletzt Maggie Nelsons Bluets) und ist als Literaturkritiker für Zeitungen (FAZ, Tagesspiegel, NZZ) und im Radio tätig.

©Arnold Genthe, 1914, Library of Congress

Juan Gabriel Vásquez

Die Gestalt der Ruinen

22.11.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Juan Roa Sierra wurde totgeprügelt, sein Leichnam durch Bogotá geschleift. Er hatte Jorge Eliécer Gaitán, den Hoffnungsträger der Liberalen, auf offener Straße niedergeschossen. Ein Mob, aufgehetzt von einem distinguierten Herrn, übte Lynchjustiz. Wer war dieser Herr? Musste Sierra sterben, damit er nicht über Hintermänner sprechen konnte? Gab es einen zweiten Schützen? Was Kolumbien am 9. April 1948 in einen Bürgerkrieg stürzte, stellt Juan Gabriel Vásquez vor immer neue Fragen. Parallelen zu einem anderen Mord tun sich auf. Dreißig Jahre zuvor wurde General Uribe Uribe, ebenfalls ein Mann der liberalen Partei, mutmaßlich von zwei Schreinern mit Äxten getötet. Zeugen verschwanden, die Polizei verschleppte die Ermittlungen. Je tiefer man in die Geschichte dieser Attentate hineingezogen wird, desto schwerer fällt es, zwischen kriminalistischen Scharfsinn und Verschwörungsdenken zu unterscheiden.

Die Gestalt der Ruinen (Übers.: Susanne Lange) vereint die Spannung eines Thrillers mit analytischer Schärfe. Indem Juan Gabriel Vásquez die Verwerfungen der kolumbianischen Gesellschaft erkundet, macht er das Verführerische von Verschwörungstheorien spürbar, ohne ihnen auf den Leim zu gehen. Dazu wirft er nicht nur historische Dokumente und Fotos in die Waagschale, sondern auch seine eigene Biographie.

Moderation (span./dt.): Ibon Zubiaur

Dt. Stimme: Stéphane Bittoun

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Juan Gabriel Vásquez, von Mario Vargas Llosa als „eine der originellsten neuen Stimmen der lateinamerikanischen Literatur“ gefeiert, wurde 1973 in Bogotá geboren. Er studierte lateinamerikanische Literatur an der Sorbonne und hat sich einen Namen als Übersetzer von Victor Hugo, E. M. Forster und John Dos Passos gemacht. Seine eigenen Werke, u.a. die Romane Die Informanten und Das Geräusch der Dinge beim Fallen, wurden bisher in 16 Sprachen übertragen. 2011 erhielt er mit dem Alfaguara-Literaturpreisdie wichtigste Auszeichnung der spanischsprachigen Welt. Juan Gabriel Vásquez lebt als Schriftsteller mit seiner Frau und zwei Töchtern in Bogotá.

Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft Kolumbiens

© Nina Subin c/o Schöšffling & Co.jpg

Maike Wetzel

Elly

29.11.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Ein achtlos an der Bordsteinkante abgelegtes Fahrrad, ein Stück entfernt ein Mädchen mit schwarzen, zerzausten Haaren, das zu einer Sporttasche mitten auf der Straße stürzt – das sind die letzten Eindrücke, die ein Zeuge von Elly geben kann, bevor sie sich förmlich in Nichts aufgelöst hat. Die Polizei tappt im Dunklen. Der ohnehin schon fragile Zusammenhalt von Ellys Familie droht an der Sorge um sie vollends zu zerbrechen. Ines, der großen Schwester, ist jedes Mittel recht, um die Wirklichkeit zu manipulieren: Während eines Krankenhausaufenthalts richtet sie ihre Zimmergenossin förmlich dazu ab, den Platz ihrer kleinen Schwester einzunehmen. Der Vater flüchtet sich in Aktionismus, die Mutter hält nur dank Tabletten durch. Da taucht plötzlich Jahre später ein verwahrlostes Mädchen in Dänemark auf, das kaum spricht. Ist die wie vom Erdboden Verschluckte zurückgekehrt?

„Spannend aufgebaut und brillant geschrieben“ (hr2 Kultur), entwirft Elly ein Szenario, das zum Schrecklichsten gehört, was einer Familie widerfahren kann. Aus wechselnden Perspektiven beleuchtet Maike Wetzel in ihrem Romandebüt, welche Auswirkungen quälende Ungewissheit und immer wieder enttäuschte Hoffnungen auf Menschen haben.

Moderation Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Maike Wetzel, 1974 geboren, studierte Film in München und Großbritannien. Sie arbeitet als Regisseurin, Drehbuchschreiberin und Schriftstellerin. Ihre Erzählungsbände Hochzeiten und Lange Tage wurden vielfach prämiert, ausgewählte Geschichten in mehrere Sprachen übersetzt. Für Ellybekam sie den Robert Gernhardt Preis und den Martha Saalfeld-Preis. Maike Wetzel lebt mit ihrer Familie in Berlin.

©Andreas Potthoff c/o Schšöffling & Co

15 Jahre KOOKbooks

Mit Daniela Seel, Uljana Wolf, Martina Hefter u.v.m.

30.11.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Lasst die Sektkorken knallen: kookbooks feiert seinen 15. Geburtstag. Während der eine oder die andere in diesem Alter zum ersten Mal abstürzt, setzt der von Daniela Seel gegründete und geführte Independent-Verlag mit traumwandlerischer Sicherheit fort, was ihn seit jeher auszeichnet: avancierte Lyrik zu entdecken und ästhetisch ansprechend herauszugeben. Denn wenn es um deutsche Gegenwartslyrik geht, kommt man an diesem Verlag schon seit Langem nicht mehr vorbei. Wenn das kein guter Grund zum Anstoßen ist! Mit Yevgeniy Breyger, Martina Hefter, Hendrik Jackson, Tristan Marquardt, Rike Scheffler, Daniela Seel, Farhad Showghi und Uljana Wolf ist kookbooks gleich in Mannschaftsstärke zu Gast bei uns. Nichts, wirklich nichts steht einer langen Nacht der Lyrik mehr im Wege.

Moderation: Michael Braun

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Yevgeniy Breyger, geb. 1989 in Charkow (Ukraine), studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er veröffentlichte in Zeitschriften und Anthologien, u.a: Poet, Bella triste und Edit und gewann 2011 den Selma Meerbaum-Eisinger Literaturpreis. 2016 erschien sein Debütband flüchtige monde.

Martina Hefter, geb. 1965 im Allgäu, ist Autorin,Tänzerin und Performance-Künstlerin. Sie studierte zeitgenössischen Tanz in Berlin und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt ist von ihr der Band Es könnte auch schön werden, Gedichte und Sprechtexte (2018) erschienen. Hefter ist Mitglied des Performancekollektivs Pik 7 und lebt in Leipzig.

Hendrik Jackson,1971 in Düsseldorf geboren, studierte Theaterwissenschaft, Slawistik und Philosophie an der FU Berlin und ist als Autor, Übersetzer aus dem Russischen und Herausgeber des Internetportals www.lyrikkritik.de tätig. Zuletzt sind die Bände sein gelassen – Aufzeichnungen. (2016) sowie Panikraum (2018) von ihm erschienen. Jackson lebt in Berlin.

Tristan Marquardt, geb. 1987 in Göttingen, ist Lyriker und Literaturvermittler. Seit 2012 kuratiert er die Lesereihe meine drei lyrischen ichs in München. Sein Debüt das amortisiert sich nicht erschien 2013, 2017 veröffentlichte er zusammen mit Jan Wagner die Anthologie Unmögliche Liebe. Marquardt ist Mitbegründer des Berliner Lyrikkollektivs G13. Er lebt in München und Zürich.

Rike Scheffler, geb. 1985 in Berlin, ist Lyrikerin, Künstlerin und Performerin. Sie studierte Psychologie in Berlin und Literarisches Schreiben in Leipzig. Neben ihren Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, performt sie sowohl solo als auch mit Band. Scheffler ist Gründungsmitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13. 2014 erschien ihr Gedichtband der rest ist resonanz.

Daniela Seel, geboren 1974 in Frankfurt a. M., ist Lyrikerin und Verlegerin in Berlin. Gemeinsam mit dem Grafiker und Buch­gestalter Andreas Töpfer gründete sie 2003 den Verlag kookbooks – Labor für Poesie als Lebensform. 2011 erschien ihr Gedichtband ich kann diese stelle nicht wiederfinden, 2015 der Band was weißt du schon von prärie. Ihre Lyrik sowie ihr Engagement im Verlag wurden vielfach ausgezeichnet.

Farhad Showghi, geb. 1961 in Prag, wuchs in Deutschland und im Iran auf. Nach seinem Studium der Medizin in Erlangen lebt und arbeitet er als Psychiater, Psychotherapeut, Autor und Übersetzer in Hamburg. Zuletzt erschien sein Gedichtband Wolkenflug spielt Zerreißprobe (2017), für den er den Peter-Huchel-Preis 2018 erhielt.

Uljana Wolf, geb. 1979 in Ost-Berlin, studierte Germanistik, Kulturwissenschaft und Anglistik in Berlin und Krakau. Sie veröffentlichte zahlreiche Gedichte, Essays und Übersetzungen, darunter den Gedichtband meine schönste lengevitch (2013). Sie lebt in Berlin und New York, wo sie Seminare zu Poesie und Übersetzung leitet.

Dez 2018

Barbara Köhler

42 Ansichten zu Warten auf den Fluss

06.12.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die Stadt der Dichter und Denker ist Weimar. Und Castrop-Rauxel? Die Wiege der Poesie? Ebenso wenig ist die Emscher, die durch diese Stadt fließt, ein Fluss, sondern eine „offne Kloake, gespeist von Industrie und Haushal-/ ten mit Abwässern, ein Dreck“. Aber genau aus solch einer Umgebung schöpfen Barbara Köhlers 42 Ansichten zu Warten auf den Fluss poetische Kraft. Anlass dazu gab eine Skulptur, eine dsyfunktionale Holzbrücke mit Pavillons, die neben, nicht über der Emscher auf Feldern und Brachflächen platziert wurde. In den Tagen und Nächten, die Barbara Köhler auf dieser Brücke verbringt, schreibt sie über das Ruhrgebiet, eine Poesie der Geographie, aber auch über das Verhältnis der Sprachen, die dort zusammenfließen: „Der Totarm ist ein Rest in peace“. Und nicht zuletzt über das Warten: „Warten, bis sich Wörter lose verbinden, verbünden, ins Flimmern/ geraten“. Der Band präsentiert sich als ein Fotoalbum aus Worten: pro Seite ein Neunzeiler im Blocksatz. In der Form streng, aber auch leicht geschmeidig: Die Zahl der Zeichen variiert in jeder Zeile zwischen 63 und 65 – einem Spalier oder aber schmalen, kanalartigen Flussbett gleich.

Moderation: Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Barbara Köhler, 1959 in Burgstädt geboren, wuchs im sächsischen Penig auf. 1985 bis 1988 studierte sie am Institut für Literatur „Johannes R. Becher“ in Leipzig. Ihre schriftstellerische Tätigkeit die Lyrik, Essays und installative Texte für den öffentlichen Raum umfasst, ist mehrfach preisgekrönt. 2016 erhielt sie den Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik für ihren Gedichtband Istanbul, zusehends. Barbara Köhler lebt heute in Duisburg.

open mike-Preisträgerlesung

11.12.2018, 20:00

Lokal im Mousonturm

Einmal beim ‚open mike’ mit von der Partie sein! – Diesen Wunsch hegen hierzulande viele junge Autor*innen. Denn der wichtigste literarische Nachwuchswettbewerb, der alljährlich in Berlin ausgetragen wird, gilt als „Türöffner“ und „Talentschuppen“. Wer hier gewinnt, bekommt einen Fuß in den Literaturbetrieb. Für so manche Karriere war der ‚open mike’ ein regelrechter Startschuss. Jedenfalls machen sich die Sieger erstmal auf den Weg: nach Wien, Frankfurt und Bern, um aus den prämierten Texten zu lesen und über sie zu sprechen. Bereits zum dritten Mal dürfen wir die preisgekrönte Reisegruppe bei uns begrüßen – zwischen Sesseln und Brokat, zu Softdrinks oder harten Sachen im Lokal des Mousonturms.

In diesem Jahr haben gewonnen und treten auf:

Yade Yasemin Önder mit „bulimieminiaturen“
Kyrill Constantinides Tank mit „alles ὕλη nix είδος“
Lara Rüter mit „Gedichte“
Caren Jeß mit „Die Ballade von Schloss Blutenburg“

Unschwer zu erkennen: Es wird lyriklastig und sehr, sehr schön!

Moderation: Björn Jager und Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK+AK) – Tickets unter www.mousonturm.de

Eine Veranstaltung des Haus für Poesie und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm.

Debütantenball - !!! FÄLLT LEIDER KRANKHEITSBEDINGT AUS !!!

Mit Karoline Menge und Donat Blum

12.12.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Ein letztes Mal wird in diesem Jahr der Debütantenball getanzt – und dabei dreht sich alles um Familien und Verlust. In Karoline Menges Roman Warten auf Schnee ist die Mutter der beiden Hauptfiguren Pauli und Karine verschwunden – wie auch sonst die Bewohner des Dorfes nach und nach losziehen, nicht zurückkehren und den Ort dem Verfall überlassen. Was nach moderner Landflucht klingt, entwickelt sich nach und nach jedoch zu einem modernen Schauermärchen.

Donat, der Protagonist in Donat Blums Erstling Opoe, ist gleich zweifach auf der Suche. Nach dem Tod seiner Großmutter bereut er, ihr nie nahe gewesen zu sein. Auf einer Reise versucht er, ihrem Leben nachzuspüren und die alte Frau, die ihn bis zu ihrem Tod siezte, zu verstehen. Immer deutlicher aber verschiebt sich sein Fokus – auf ihn selbst und die Frage, wie sein Leben, sein Lieben eigentlich gelingen kann.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia.

Karoline Menge, geboren 1986 in Berlin, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Sie veröffentlichte Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien, wurde 2014 mit dem 2. Platz des Würth-Literaturpreises ausgezeichnet und war 2015 Stipendiatin des Landes Niedersachsen. 2018 erhielt Karoline Menge den Ulla-Hahn-Autorenpreis der Stadt Monheim am Rhein. Sie lebt in Berlin.

Donat Blum, 1986 in Schaffhausen geboren, hat am Schweizerischen und Deutschen Literaturinstitut studiert. Er veröffentlicht in zahlreichen Zeitschriften, ist Mitveranstalter der Werkstattgespräche „Teppich“ im Literaturhaus Zürich, Initiator der Veranstaltung „Skriptor“ an den Solothurner Literaturtagen und Herausgeber der Literaturzeitschrift Glitter. Donat Blum lebt in Zürich und Berlin.

Frankfurter Premiere - Oleg Jurjew: "Von Arten und Weisen"

Mit Eva Demski, Kathrin Schmidt, Klaus Reichert und Robert Stripling

13.12.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Oleg Jurjew war weit über zehn Jahre ein guter Freund des Literaturforums – als regelmäßiger Zuschauer, als Mitglied unseres Trägervereins und nicht zuletzt als Bühnengast bei zahlreichen Veranstaltungen, in denen wir seine Bücher oder wichtige, vergessene Texte der russischen Literatur wiederentdeckten.

Als er im Juli dieses Jahres starb, hinterließ er einen bereits fertigen Gedichtband: Von Arten und Weisen sollte den beiden im Gutleut Verlag erschienenen Bänden Von Orten und Von Zeiten folgen. In diesem Herbst ist Von Arten und Weisen nun postum erschienen, und gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt haben wir Freunde von Oleg Jurjew eingeladen, um das Buch in einer Frankfurter Premiere vorzustellen. Aus dem Band werden Kathrin Schmidt, Eva Demski, Robert Stripling und Klaus Reichert lesen.

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

In Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt.

Oleg Jurjew, geboren 1959 in Leningrad, zog 1991 nach Deutschland und lebte bis zu seinem Tod 2018 in Frankfurt. Sein umfangreiches Werk umfasst Lyrik, Theaterstücke, Essays und Romane, von denen er manche auf Russisch und andere auf Deutsch geschrieben hat. Neben zahlreichen Stipendien und Auszeichnungen kam Jurjew mehrfach auf die Shortlist des russischen Andrej-Bely-Preises. Ebenso wie der Prosaband Spaziergänge unter dem Hohlmond (1993) wurde auch sein Roman Halbinsel Judatin (1999) für den russischen Bookerpreis nominiert. 2010 erhielt er den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg.

Eva Demski, geboren 1944 in Regensburg, studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in Frankfurt. Ihr erster Roman „Goldkind“ erschien 1979, gefolgt von zahlreichen weiteren Romanen, Essay-Sammlungen, Reiseführern und Bildbänden. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet, 2008 erhielt Eva Demski den „Preis der Frankfurter Anthologie“.

Kathrin Schmidt, geboren 1958 in Gotha, arbeitete als Diplompsychologin, Redakteurin und Sozialwissenschaftlerin. Für ihre Romane und Gedichte erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Leonce-und-Lena-Preis 1993 und den Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1998. Kathrin Schmidt lebt in Berlin.

Klaus Reichert, 1938 in Fulda geboren, ist Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer. Von 1964 bis 1968 war Reichert als Verlagslektor tätig, von 1975 bis 2003 lehrte er als Professor für Anglistik und Amerikanistik an der Frankfurter Goethe-Universität. Zuletzt veröffentlichte er den Titel Wolkendienst. Figuren des Flüchtigen.

Robert Stripling, geb. 1989 in Berlin, studierte Philosophie und Kunstgeschichte und lebt in Frankfurt am Main. Neben seinen zahlreichen Lyrikveröffentlichungen ist er Herausgeber des Bandes Verpasste Hauptwerke. Stripling ist zudem Mitorganisator der Lyriklesereihe „Salon Fluchtentier“.