PROGRAMM

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LSEP & OKT

Sep 2018

Frank Witzel stellt vor: Maruan Paschen

Weihnachten

05.09.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Man nehme: ein Therapiegespräch, Geschichten à la Till Eulenspiegel, Themen wie Migration, die erste Liebe und die Ironisierung der Ironie, portioniere alles in 25 Kapitel – et voilà, fertig ist Weihnachten. Ein Ich, das Maruan Paschen heißt, schildert einem Psychologen namens Dr. Gänsehaupt eine Familientradition: An Heiligabend gibt es bei den Paschens stets Fondue, diesmal jedoch mit fatalem Ausgang. Denn, so erfahren wir schon zu Beginn des Romans, am Ende dieses Abends ist die Familie tot.

Wie das Essen, so das Erzählen: Maruan Paschen spießt genussvoll verschiedenste literarische Motive und Formen auf, um sie – Text statt Topf – in einen Roman zu stecken. Aus dieser wilden Mischung entsteht ein ganz eigener Geschmack. Kostproben gefällig? Wie wäre es mit der Krankheit der Mutter, die in jungen Jahren ohne Knochen auskommen musste und deshalb in einem Cognac-Glas herumgetragen wurde? Oder der Frau, der Paschen beim Unterwäschekauf näher kommt, bis sie erfährt, dass seine Familie Fondue nur in Handschellen isst? Glauben sollte man Weihnachten, diesem Feuerwerk aus Räuberpistolen, besser nicht schenken.

Moderation: Frank Witzel

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Maruan Paschen, geboren 1984 nahe Ramallah, aufgewachsen in Hamburg, wurde zum Koch ausgebildet, ehe es ihn die Schweiz ans Bieler Literaturinstitut zog. Sein Debütroman Kai. Eine Internatsgeschichte erschien 2014. Maruan Paschen lebt in Leipzig.

© privat

Desintegriert euch!

Max Czollek im Gespräch mit Necati Öziri

14.09.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die aktuelle Gretchenfrage der Nation: Wie hast du’s mit der Integration? Mehr fördern, sagen die einen, mehr fordern, die anderen. Alles für die Katz, meint der „Lyriker, Berliner und Jude“ Max Czollek in seiner politischen Streitschrift Desintegriert euch! Nicht das Wie der Integration ist für ihn das Problem, sondern der Begriff an sich. Denn er setze ein gesellschaftliches „Zentrum“ voraus, eine „Dominanzkultur“, die durch die bunt gescheckte Lebensrealität Deutschlands alltäglich Lügen gestraft werde. Seinen polemischen Aufruf zur Desintegration erläutert Czollek am Beispiel der jüdischen Minderheit. Die sie auszeichnende Vielfalt schnurre in der deutschen Öffentlichkeit auf eine Facette zusammen: „die Nachkommen der Täter*innen bei der Konstruktion ihrer Identität zu unterstützen“. Czollek fordert dazu auf, aus dieser Rolle auszubrechen, weil Judentum sich nicht auf Schlagworte wie Shoa und Antisemitismus reduzieren lässt. Eine Analyse und Kritik der deutschen Erinnerungspolitik ist dabei genauso inbegriffen wie das Aufzeigen möglicher Alternativen. Angesichts des allenthalben wieder erstarkenden Nationalismus hat Czollek ein Ziel klar vor Augen: „Wir müssen weg von jeder Sehnsucht nach Normalität“. Über seine Thesen wird er an diesem Abend mit dem Theaterautor und Dramaturg Necati Öziri sprechen.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Literaturprojekts Textland – Made in Germany.

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Max Czollek wurde 1987 in Berlin geboren, wo er die Jüdische (Ober-)Schule besuchte, Politikwissenschaften studierte und bis heute lebt. Am Zentrum für Antisemitismusforschung wurde er mit einer Arbeit über Judenfeindlichkeit im frühen Christentum promoviert. Er ist sowohl Mitglied des Lyrikkollektivs G13 als auch Kurator des internationalen Lyrikprojekts „Babelsprech“. Von ihm ist zuletzt der Gedichtband A.H.A.S.V.E.R. (2016) erschienen. Mit Sasha Marianna Salzmann kuratierte er 2016 die Veranstaltung „Desintegration. Ein Kongress zeitgenössischer jüdischer Positionen“. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart.

Necati Öziri, geboren 1988, hat Philosophie, Germanistik und Neuere Deutsche Literatur in Bochum, Istanbul und Berlin studiert. Öziri war Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung, Dramaturg am Maxim Gorki Theater, Berlin, wo er künstlerischer Leiter des Studio R war und sein Stück GET DEUTSCH OR DIE TRYIN’ uraufgeführt wurde. Seit 2017 ist er Leiter des Internationalen Forums und Dramaturg beim Theatertreffen der Berliner Festspiele. 

© Stefan Loeber

Shortlist Deutscher Buchpreis! Inger-Maria Mahlke

Archipel

19.09.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Und mittendrin ein Trübsal blasender Faschist im Bademantel. Natürlich „nicht in dem aus Frotté“. Nein, „Lorenzo trauert in anthrazitfarbener Seide, mit weißem Einstecktuchdreieck in der Brusttasche“, weil Franco die Falangisten von der Regierung ausgeschlossen hat. Im Archipel liegt der Witz im Detail. Jener Lorenzo macht sich gerne wichtig, ist aber nur ein Glied in einer Generationenfolge, die die Bautes und Bernadottes – Republikaner die einen, Nationalisten die anderen – auf Teneriffa zusammenführt. Oder andersherum: Inger-Maria Mahlke dröselt in ihrem vierten Roman das Familiengeflecht auf, treibt wieder auseinander, was sich gefunden hat. Die Chronologie steht Kopf, auf der größten Insel der Kanaren wird die Zeit zurückgespult.

Anhand der Geschichte zweier Familien, ihrer Freunde und Angestellten, erzählt der Roman im Rückwärtsgang von 2015 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, wie die sozialen und politischen Spannungen Spaniens ihre Gestalt zwar ändern, aber nicht vergehen: von der Immobilienkrise über den Westsaharakonflikt bis zum Bürgerkrieg – und darüber hinaus.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Inger-Maria Mahlke, gebürtige Hamburgerin, Jahrgang 1977, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Lübeck und auf Teneriffa, studierte Rechtswissenschaften in Berlin und setzte ein erstes literarisches Ausrufezeichen mit einem Preis beim „open mike“ 2009. Ausgezeichnet wurden auch ihr Debüt Silberfischchen (2010) und der Roman Rechnung offen (2014), während Wie Ihr wollt (2016) den Sprung auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte. Inger-Maria Mahlke lebt in Berlin.

© Dagmar Morath

Heinz Helle

Die Überwindung der Schwerkraft

25.09.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Plötzlich ein Kuss – und Pause. In einer Münchener Kneipe stoppt ein Glatzkopf den alkoholgetränkten Redeschwall des großen Bruders. Aber der ergreift gleich wieder das Wort, gibt kurz darauf eine „abstoßende Erzählung“ zum Besten und schickt Monate später einen verworrenen Text hinterher. Es ist die letzte Nacht, die zwei Brüder miteinander erleben, eine letzte Nachricht, die der Jüngere bekommt, bevor der Ältere stirbt. Der kleine Bruder versucht, sich zu erinnern, sich nicht länger dem zu entziehen, was er zu dessen Lebzeiten kaum mehr hören wollte. Er leiht dem Toten seine Stimme, damit dieser erzählen kann: von zu viel Alkohol und Zigaretten, von der Schuld, die er spürt, vor allem aber vom Hadern mit der Welt, in der es Treblinka gab und die einen Marc Dutroux hervorgebracht hat. Nicht mal die Hoffnung, Vater zu werden, hält den Raubbau am eigenen Körper auf, zu tief verstrickt ist der große Bruder in seine Gedankenwelt, in der er ohne Unterlass um Zivilisationsbrüche kreist.

Die Kälte, die den Ton von Heinz Helles ersten beiden Romanen geprägt hat, muss diesmal draußen bleiben – als Eis auf Gehwegen und Schnee vor Kneipenfenstern. Die Überwindung der Schwerkraft dient dem „zutiefst menschlichen Ziel, das jeder Austausch von Zeichen hat, der Erzeugung von Nähe“.

Moderation: Christoph Schröder

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia.

Heinz Helle wurde 1978 in München geboren. Er studierte Philosophie, arbeitete als Werbetexte und absolvierte das Schweizer Literaturinstitut in Biel. Mittlerweile lebt er mit Frau und Kind in Zürich. Für seine Romane Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin (2014) und Eigentlich müssten wir tanzen (2015) hat er mehrere Preise erhalten. 2016 wurde er mit einer philosophischen Arbeit über Bewusstsein promoviert.

© Max Zerrahn

Karen Duve

Fräulein Nettes kurzer Sommer

26.09.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Schlechte Karten für Liebe auf den ersten Blick. Die junge Adelige: stark kurzsichtig, mit Glubschaugen, und gegenüber Männern um Widerworte nicht verlegen. Der mittellose Student: „ein kleiner, grundhässlicher Mann“. Schlimmer noch: Er ist nicht nur von bürgerlicher Herkunft, sondern auch Protestant. Und dennoch entwickeln Annette von Droste-Hülshoff und Heinrich Straube Gefühle füreinander. Die Poesie macht’s möglich. Den gehässigen Vorbehalten seiner Geschlechtsgenossen zum Trotz erkennt Straube ihr literarisches Talent und setzt sich für sie ein. Wo zwei sich lieben, darf jedoch ein Rivale nicht fehlen. August von Arnswaldt redet wie Helmut Markwort („Fakten, Fakten, Fakten“), sieht aber gut aus. Was Nette mit Straube verbindet, ist schneller vorbei, als sie gucken kann.  

Karen Duve erzählt in ihrem historischen Roman Fräulein Nettes kurzer Sommer davon, wie sich am Anfang des 19. Jahrhunderts eine junge Frau zu behaupten versucht gegen die Widerstände eines chauvinistischen, männerdominierten Umfelds. Der Roman ist aber mehr als eine Liebes- und Emanzipationsgeschichte: Die Grimms lernt man genauso kennen wie einen jungen Studenten namens Heinrich Heine. Und spätestens wenn es um Politik geht, um die zunehmend nationalistischen und völkischen Ideale der Männerfiguren, sind wir auch mittendrin in unserer eigenen Gegenwart.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Karen Duve wurde 1961 in Hamburg geboren. Dort arbeitete sie mehrere Jahre als Taxifahrerin, bevor sie sich voll und ganz dem Schreiben widmete. Mittlerweile lebt sie in der Märkischen Schweiz. Ihre Romane – z.B. Dies ist kein Liebeslied (2005) und Taxi (2008) – sind Bestseller. Zahlreiche Übersetzungen in andere Sprachen und mehrere Auszeichnungen sprechen für sich. Die Verfilmung ihres Romans Taxi kam im Sommer 2015 ins Kino.

© Kerstin Ahlrich

Olga Martynova stellt vor: Thomas Stangl

Fremde Verwandtschaften

27.09.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Es ist ein „Sprachkunstwerk“ (Kurier), ein „grandioser Roman“ (NZZ) – so klar und einhellig das Urteil der Literaturkritik, so mehrdeutig und aufs Schönste rätselhaft erscheint Thomas Stangls Fremde Verwandtschaften. Zwei Erzählebenen wechseln sich ab, nähern sich einander an: Ein Architekt reist in ein afrikanisches Land zu einem Kongress. Ein Ich bewegt sich durch Paris, auf den Spuren eines früheren Aufenthalts. Der Architekt fühlt sich in seiner Haut nicht wohl, eine Form der Nähe zu seiner Reisegruppe will sich nicht einstellen, Wege verschwinden oder führen ins Nirgendwo. Träume, Wünsche und Erinnerungen beginnen ineinander zu verschwimmen. Und dazwischen immer wieder die Stimme dieses Ichs. Oder sind es und der Architekt doch eins?

Thomas Stangls Protagonist bieten weder Erfahrungen noch Gewohnheiten Sicherheit. In Afrika droht der postkolonial geschulte Europäer sich selbst zu verlieren – und so wird Fremde Verwandtschaften zu einem Roman ganz im Sinne der Moderne, in der Ich und Welt kollidieren, in der Identitätssuche und Entfremdung Hand in Hand gehen.

Moderation: Olga Martynova

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Thomas Stangl wurde 1966 in Wien geboren und ist seiner Heimatstadt treu geblieben. Er studierte Philosophie sowie Hispanistik. Seit Anfang der Neunziger veröffentlichte er Essays, Rezensionen und später Prosatexte in Tageszeitungen wie in Literaturzeitschriften. Bereits sein erster Roman Der einzige Ort brachte ihm den aspekte-Preis (2004) für das beste deutschsprachige Debüt ein. In den Folgejahren erhielt er u. a. den Literaturpreis der deutschen Wirtschaft (2007), den Telekom-Austria-Preis beim Bachmann-Preis (2007), den Alpha-Literaturpreis (2010) und den Erich-Fried-Preis (2011).

© Aleksandra Pawloff

Der Roman als Kurzform

Seminar mit Frank Witzel

29.09.2018 - 30.09.2018, 10:00 - 18:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die Definitionen des Romans sind vielfältig, allen gemein aber ist die Angabe einer gewissen Länge, die ihn von der Erzählung oder der Novelle unterscheiden soll. In der Moderne wurde die Gattung mit unterschiedlichsten Mitteln aufgebrochen, doch auch hier wurde der Aspekt des Umfangs kaum infrage gestellt. Zeichnen den Roman aber nicht vielmehr ganz andere Aspekte aus, die nichts mit einer erreichten Seitenzahl zu tun haben? Umgekehrt gefragt: Wie kurz kann ein Text sein und dennoch als Roman gelten?

An diesem Wochenende wollen wir versuchen, das starre Gerüst des Romans aufzubrechen, indem wir uns mit dem Entwickeln kurzer Texte befassen, die jedoch weiter der Gattung Roman zugeordnet werden sollen.

Anhand von kleinen thematischen Einführungen und Aufgabenstellungen, vor allem aber in der direkten Arbeit am Text und dem gemeinsamen Gespräch darüber, soll die Perspektive des eigenen Schreibens erweitert und neue Darstellungsformen zugänglich gemacht werden.

Anmeldungen mit einer zwei- bis dreiseitigen Leseprobe an bjoern.jager@hlfm.de

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Gebühr: 100,- / 50,-

Okt 2018

Die lautesten Stimmen Sloweniens

Mit Anja Golob und Goran Vojnović

09.10.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Während ganz Frankfurt gerade auf Georgien schaut, schauen wir stattdessen in die Zukunft. Bis zum Ehrengastauftritt Sloweniens auf der Buchmesse 2022 dauert es zwar noch ein wenig, aber die slowenische Literatur hat schon lange genug zu bieten, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Mit Anja Golob und Goran Vojnović werden zwei der aufregendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur präsentiert. Golob gehört schon jetzt zu den am höchsten dekorierten Lyrikerinnen des Landes und liest aus ihrem neuen Band Anweisungen zum Atmen. Regisseur und Autor Goran Vojnović gilt als „Enfant terrible“ (NZZ), seine Romane als „Meisterstücke“ (FR). Er stellt seinen Roman Unter dem Feigenbaum vor, ein Familienepos über die Suche nach der eigenen Identität nach den Wirren des Balkankrieges.

Neben slowenischer Literatur lässt sich aber auch noch anderes entdecken: Gleich zwei Mikrobrauereien aus dem Land versorgen uns mit Craftbeer, das am Abend kostenlos verkostet werden kann.

Moderation: Doris Akrap (taz)

Dt. Stimme: Stéphane Bittoun

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Anja Golob, geboren 1976 in Slovenj Gradec, studierte Philosophie und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Ljubljana, arbeitete 14 Jahre lang als Theaterkritikerin und ist heute Dichterin, Schriftstellerin, Übersetzerin und Dramaturgin für Zeitgenössische Kunst und Tanzperformance. Von ihren vier auf Slowenisch geschriebenen Gedichtbänden ist neben Anweisungen zum Atmen (Edition Korrespondenzen, 2018) bereits ab und zu neigungen (Hochroth Verlag, 2015) ins Deutsche übertragen worden.

Goran Vojnović wurde 1980 in Ljubljana geboren und absolvierte ein Studium an der dortigen Theater- und Filmhochschule. Er führte Regie bei zahlreichem Filme. Sein Romandebüt Čefuri raus! hatte den Rücktritt des slowenischen Innenministers zur Folge. Er wird als einer der talentiertesten Autoren seiner Generation gehandelt. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschienen war bislang Vaters Land (2016).

In Kooperation mit der Slowenischen Buchagentur.

speed-read-date DELUXE 2

Mit Anna Katharina Fröhlich, Gianna Molinari und Verena Roßbacher

10.10.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Wenn’s mal wieder länger dauert? Speed-read-date. Und wenn’s gut werden muss? Elisabeth Ruge Agentur. Zum dritten Mal in Folge sorgen wir mit der Literaturagentur unseres Vertrauens am Messemittwoch fürs Deluxe: in weniger als einer Stunde von einer alten indischen Festung über eine marode Verpackungsfabrik im Nirgendwo hin zum Haushalt eines Schweizer Bankiers. Wie das geht? Mit drei Einführungen und drei Autorinnen. Die einen dürfen 2 Minuten dauern, die anderen 15 Minuten lesen. Diesmal am Start: Anna Katharina Fröhlich mit Rückkehr nach Samthar (C.H. Beck), Gianna Molinari mit Hier ist noch alles möglich (aufbau) und Verena Roßbacher mit Ich war Diener im Hause Hobbs (KiWi). Ähnlichkeiten mit Schokoriegeln oder Baumärkten sind rein zufällig.

Moderation: Valentin Tritschler & Björn Jager

Eintritt: 3,- (VVK+AK)

Mit freundlicher Unterstützung von aufbau, C.H. Beck und KiWi.

Anna Katharina Fröhlich, geboren 1971, aufgewachsen in Frankfurt und München, lebt am Gardasee. Rückkehr nach Samthar ist ihr vierter Roman. Mit Kream Korner (2010) war sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Sie bekam u.a. den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft verliehen.

Gianna Molinari, wurde 1988 in Basel geboren und lebt in Zürich. Nachdem sie 2012 das Schweizerische Literaturinstitut Biel absolviert hatte, studierte sie Neuere Deutsche Literatur an der Universität Lausanne. Zu den Auszeichnungen, die sie erhalten hat, gehören u.a. der 3sat-Preis des Bachmann-Wettbewerbs und der Robert-Walser-Preis.

Verena Roßbacher, geboren 1979 in Bludenz/Vorarlberg, studierte einige Semester Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Für ihre Romane erhielt sie zahlreiche Stipendien, zuletzt das Arbeitsstipendium für Schriftstellerinnen der Kulturverwaltung des Berliner Senats (2014).

AUSVERKAUFT! Margarete Stokowski

Die letzten Tage des Patriarchats

18.10.2018, 20:00

Mousonturm Saal

„Bitte schreiben Sie weiter in dieser nervigen Art über Themen, die für einige Leser einer Darmspiegelung gleichkommen“ – solche Perlen der Kommentarspalte findet man in Die letzten Tage des Patriarchats, einem Best-and-Worst-of-Album, in dem die Journalistin Margarete Stokowski nicht nur eine Auswahl von Texten aus sieben Jahren Tätigkeit für die „taz“ und „Spiegel Online“ versammelt, sondern auch Schlagabtausche und Korrespondenzen mit ihren Leser*innen. Geordnet nach Schlagworten wie „Männer“ oder „Bauch, Beine, Po“, bilden die Texte eine Chronik der politischen Debatten der letzten Jahre. Sexismus, Gender und Feminismus lauten dabei Koordinaten. Für die einen: die wahrscheinlich längste Endoskopie der Welt. Für die anderen: ein Plädoyer mit Biss und Witz für eine erträglichere Gesellschaft.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 10,-/6,- (VVK & AK)*

* Der Vorverkauf läuft via Mousonturm.

Margarete Stokowski, Jahrgang 1986, ist in Polen geboren und in Berlin aufgewachsen. Sie hat Philosophie und Sozialwissenschaften studiert und arbeitet seit 2009 als freie Autorin für „taz“, „Missy Magazine“, „L-Mag“, „Zeit Online“, „Das Magazin“ und andere. Ihr Sachbuch „Untenrum frei“ erschien 2016.

© Rosanna Graf

Steffen Mensching

Schermanns Augen

23.10.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

…48, 49 und 50. Rafael Schermann zählt die geknackten Läuse aus seiner Leistengegend, sein Tagespensum im „Besserungslager“ Artek. Andere Häftlinge müssen bei minus 40 Grad Bäume fällen. Aber Schermann, Kontingent-Deportierter Nummer 32947 aus Polen, ist auch nicht irgendjemand. Vor dem Krieg war er ein Star: Aus einer Handschrift kann der Alte angeblich nicht nur den Charakter eines Menschen herauslesen, sondern auch dessen Zukunft. Otto Haferkorn, einem jungen deutschen Kommunisten, der als „Volksfeind“ zu zehn Jahren verurteilt wurde, kommt die Sache spanisch vor. Wieso wird der Graphologe geschont? Als der russische Lagerleiter ihn zu verhören beginnt, soll Otto übersetzen. Schnell schält sich heraus, was Schermann vor allem kann: Geschichten zum Besten geben, Neugier wecken und Furcht einflößen. Der junge Deutsche wittert im GULag wieder eine Überlebenschance.

Anhand eines aus der Not geborenen Duos erzählt Steffen Mensching in Schermanns Augen von der Hölle, die der stalinistischen Paranoia entsprungen ist. Im mörderischen Lageralltag des Winters 1940/41 lässt Schermann Momentaufnahmen eines Europas aufblitzen, das noch Hoffnung für die Zukunft hatte.

Moderation: Thorsten Ahrend (Wallstein Verlag)

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

Steffen Mensching, geboren 1958 in Berlin (Ost), studierte an der HU Berlin Kulturwissenschaft und arbeitete viele Jahre als freiberuflicher Autor, Schauspieler, Clown und Regisseur. Seit der Spielzeit 2008/09 ist er Intendant am Theater Rudolstadt. Neben Gedichtbänden, mit denen er als Autor in Erscheinung trat, veröffentlichte er auch eine Reihe von Romanen, zuletzt Jacobs Leiter (2003) und Lustigs Fluch (2005). Steffen Mensching wurde mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet.

© Friederieke Lüdde

Schimpf & Schande

Mit Isabel Bogdan und Edgar Rai

29.10.2018, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Das muss man doch gelesen haben!“ – Ertappt? Kleinlaut kramt man im Allgemeinwissen nach den kläglichen Resten, die einst bei der Lektüre des Wikipedia-Artikels über diesen Klassiker der Literatur hängenblieben sind, um die öffentliche Schande vor dem gebildeten Gegenüber vielleicht doch noch irgendwie abwenden zu können…

Es wird Zeit, den Spieß umzudrehen. Bei „Schimpf & Schande“ schlägt die Stunde der Unbeleckten. In den Hauptrollen: Ein oder zwei Autor*innen, ein Moderierender, zwei Klassiker, die die Beteiligten bis dato nur vom Hörensagen kannten. Dazu Fragen: Was hat das alles mit uns zu tun? Ist das jetzt eigentlich Kunst oder kann das weg? Denn wo steht denn geschrieben: einmal Kanon, immer Kanon?

In dieser Ausgabe mit dabei: Isabel Bogdan, im ersten Leben Übersetzerin (u.a. von Jane Gardam), im zweiten Bestsellerautorin (Der Pfau), sowie Edgar Rai, der alleine, im Team sowie unter Pseudonym schreibt, ebenfalls übersetzt und nebenbei noch eine der schönsten Buchhandlungen Berlins führt. Besprochen werden zwei Bücher, für deren Nichtlektüre man sich tatsächlich schämen sollte: Goethes Die Leiden des jungen Werther sowie Mary Shelleys Frankenstein.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Isabel Bogdan wurde 1968 in Köln geboren, studierte Anglistik und Japanologie in Heidelberg und Tokyo und ist mittlerweile bekennende Hamburgerin. Neben zahlreichen Übersetzungen, u.a. von Jane Gardam, Nick Hornby, Jonathan Safran Foer, Jonathan Evison und Megan Abbott,  schreibt sie selbst Romane und Kurzgeschichten. 2006 erhielt sie den Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzung. Für den Romananfang ihres ersten Romans  Der Pfau bekam sie 2011 den Hamburger Förderpreis für Literatur.

Edgar Rai, geboren 1967, wurde mehrerer Schulen verwiesen, ging ein Jahr nach Amerika und studierte Musikwissenschaften und Anglistik in Marburg und Berlin. Er arbeitete unter anderem als Drehbuchautor, Basketballtrainer, Chorleiter, Handwerker und Onlineredakteur. Seit 2001 ist er freier Schriftsteller und hat neben weiteren die Romane Nächsten Sommer und Etwas bleibt immer veröffentlicht. Edgar Rai hat drei Kinder und lebt in Berlin.

Foto Isabel Bogdan: © Smilla Dankert

Foto Egar Rai: © Mirjam Knickriem