PROGRAMM

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LNOV & DEZ

Nov 2017

Lana Lux

Kukolka

01.11.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Samira ist sieben und lebt in einem Kinderheim in der Ukraine. Der Eiserne Vorhang wurde gerade zur Seite geräumt, und es herrscht Aufbruchstimmung. Als ihre beste Freundin von Deutschen adoptiert wird, reißt Samira aus. Denn irgendwo müsste sich doch auch für sie eine Familie finden. Aufgenommen wird sie von Rocky, der in einem Abbruchhaus Jugendliche zu Trickdieben und Bettlern ausbildet. Samira wird dort zu „Kukolka“, Rockys Püppchen, und schöne Mädchen, meint Rocky, dürfen von ihm auch angefasst werden. Was Samira bleibt, ist der Traum von Deutschland – ein Traum, den sie mit all der ihr zur Verfügung stehenden Widerständigkeit verfolgt.

Lana Lux fordert in ihrem Debüt Kukolka den Leser*innen einiges ab, indem sie ein Mädchen durch die Hölle gehen lässt. Was den Roman nicht nur erträglich macht, sondern ihn von anderen Erstlingen abhebt, ist seine Hauptfigur, die in einer ganz eigenen Stimme nie die Hoffnung verliert, dass am Ende eben doch alles besser wird.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Lana Lux wurde 1986 in Dnipropetrowsk (Ukraine) geboren. Mit 10 Jahren wanderte sie mit ihren Eltern nach Deutschland aus, wo sie nach einem Studium der Ernährungswissenschaften eine Schauspielausbildung abschloss. Mit Kukolka erscheint 2017 ihr erster Roman. Heute lebt und arbeitet Lana Lux in Berlin.

© Kat Kaufmann

Debütantenball

Mit Julia Rothenburg und Julia Weber

14.11.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Das Paar, das diese Romane für einen Abend bilden, dreht sich um verpasste Möglichkeiten, falsche Abzweigungen und versperrte Wege. Die Debüts berühren sich in der nur scheinbar simplen Frage: Wie wird man zu dem, was man ist? René Koslik, dem Titelheld von Julia Rothenburgs Koslik ist krank, kann die Vergangenheit gestohlen bleiben. Als Volkshochschullehrer ohne Ambitionen ist er mit sich im Reinen. Bis er mit Verdacht auf Schlaganfall in ein Freiburger Krankenhaus eingeliefert wird. Die kafkaesken Abläufe, die dort herrschen, machen den Mittvierziger hilflos wie ein Kind – entsprechende Erinnerungen inklusive. Und dann trifft er zu allem Überfluss noch auf einen alten Freund, den er längst vergessen haben wollte. Einen Blick zurück wirft auch Maria in Julia Webers Immer ist alles schön: Wie sie ihre zwei Kinder, Anais und Bruno, bekommt und alleine aufzieht, wie sie dafür nicht nur ihre Freundinnen, sondern auch ihre Träume aufgeben muss und schließlich Trost im Alkohol sucht. Während Maria die Vergangenheit erhellt, sieht Anais die Gegenwart. Dieses perspektivische Wechselspiel lässt die Bedürfnisse einer erwachsenen Frau mit den Erwartungen eines Kindes kollidieren, gekleidet in einer Sprache von seltener poetischer Schönheit.

Moderation: Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia.

Julia Rothenburg wurde 1990 in Berlin geboren und studierte Politik sowie Sozialwissenschaften in Berlin und Freiburg. 2012 gewann sie den Wettbewerb „Haltlose Prosa“ der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit, 2015 erhielt sie den Retzhof-Preis für junge Literatur. Darüber hinaus war Julia Rothenburg Stipendiatin der Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung im Jahr 2016.

Geboren in Moshi (Tansania), kehrte Julia Weber zusammen mit ihrer Familie 1985 nach Zürich zurück, wo sie literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel studierte. Neben ihrem 2012 ins Leben gerufenen Literaturdienst gilt Julia Weber als Mitbegründerin der Künstleraktionsgruppe „Literatur für das, was passiert“. Heute lebt und arbeitet sie mit ihrer Familie in Zürich.

© Julia Rothenburg: privat
© Julia Weber: Ayse Yavas

3 Mal Lyrik

Mit Sabine Scho, Sebastian Unger und Levin Westermann (Update: Sebastian Unger muss seine Teilnahme leider absagen!)

16.11.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die Wiesbadener Literaturtage feiern in diesem Jahr einen runden Geburtstag: Zum zwanzigsten Mal ist ein Autor dazu eingeladen, Literatur auf Basis der eigenen ästhetischen Erfahrungen und Vorstellungen zu inszenieren. Für dieses Jubiläum konnte man Frank Witzel, Träger des Deutschen Buchpreises 2015, als Kurator gewinnen. Neben dem Film, der Malerei und dem Roman zählt insbesondere die Lyrik zu seinen künstlerischen Interessensgebieten. Im Rahmen der Literaturtage lädt Witzel eine Dichterin und zwei Dichter ins Hessische Literaturforum ein: Sabine Scho, geboren 1970, lebt in Berlin. Ihre Texte sind im Grenzbereich zu Fotografie und Bild angesiedelt. 2015 bildeten ihre Gedichte und Zeichnungen die Grundlage für die Ausstellung The Origin of Senses im Berliner Museum für Naturkunde; Sebastian Unger, Jahrgang 1978, lebt in Berlin und Shanghai. Nachdem er 2011 beim ‚open mike’ gewonnen hat, ist nun sein Lyrikdebüt für 2018 angekündigt; und Levin Westermann, geboren 1980, wohnhaft in Biel/Bienne. Vor Kurzem hat er seinen zweiten, von der Kritik hochgelobten Gedichtband 3511 Zwetajewa veröffentlicht. Alle drei stellen, so Witzel, unter Beweis, „dass Lyrik alles andere als beschaulich sein muss“.

Moderation: Frank Witzel

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Frank Witzel wurde 1955 in Wiesbaden geboren. Nach einer musikalischen Ausbildung erschien sein erster Gedichtband im Jahr 1978. Für seinen Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 erhielt er 2015 den deutschen Buchpreis. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller und Illustrator ist Frank Witzel auch als Übersetzer aktiv. Heute lebt und arbeitet er in Offenbach am Main.

© Levin Westermann: Bettina Wohlfender
© Sebastian Unger: privat
© Sabine Scho: Matthias Holtmann

Eine Veranstaltung im Rahmen der 20. Wiesbadener Literaturtage. In Kooperation mit dem Literaturhaus Villa Clementine und dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

Anke Stelling

Fürsorge

22.11.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Seit sechzehn Jahren hat Nadja ihren Sohn nicht mehr gesehen. Es war eine bewusste Entscheidung der Ballerina, ihn direkt nach der Geburt bei ihrer Mutter unterzubringen und sich der eigenen Karriere zu widmen. Diese ist nun beendet, der Körper – noch immer schön und jugendlich – ist nach 30 Jahren des harten Trainings zerschunden. Als Nadja in eine Krise gerät, besucht sie Mutter und Sohn. Das Familientreffen folgt jedoch nicht den üblichen Mustern: Zwischen Nadja und Mario, dem fitnessgestählten Sohn, entstehen Gefühle, die weit über die Liebe zwischen Eltern und Kindern hinausgehen. Es dauert nicht lange, bis die beiden zum ersten Mal miteinander schlafen.

Nach ihrem für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman Bodentiefe Fenster blickt Anke Stelling in Fürsorge einmal mehr schonungslos in die Abgründe einer Mutter. Nicht um des Skandals oder Schocks willen beschreibt Stelling einen Inzest. Anhand dieser Thematik gelingt es ihr vielmehr, Einsamkeit, Zwänge und Emotionskälte zu sezieren.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Anke Stelling, Jahrgang 1971, in Ulm geboren, wuchs in Stuttgart auf. Sie ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig und lebt derzeit mit ihrer Familie in Berlin. Zusammen mit Robby Dannenberg schrieb sie den Roman Gisela (1999) und Nimm mich mit (2002). Gisela wurde 2004 verfilmt, 2010 ihre Erzählung Glückliche Fügung (2004). Darüber hinaus veröffentlichte sie 2010 den Roman Horchen und zuletzt ihren Roman Bodentiefe Fenster (2015), der auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 kam und mit dem Melusine-Huss-Preis 2015 ausgezeichnet wurde.

© Nane Diehl

Matthew Sweeney & Jan Wagner

Hund und Mond

27.11.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

„Als ich die Strickleiter hinaufstieg im Dunkeln, / wußte ich nicht, wohin die Reise ging, / nur eben dies: hinauf.“ Wer sich Matthew Sweeneys Gedichten anvertraut, kann nie wissen, wo er landet, in Grönland oder im Inneren eines gigantischen Rotkohls, und ob nicht gleich ein singendes Pferd oder eine gläserne Nixe um die Ecke biegt. Wohin auch immer die Strickleiter führt, Sprosse für Sprosse, Vers für Vers sind Sweeneys Gedichte von anschaulicher Handfestigkeit und sprachlicher Präzision, die noch das Unwahrscheinlichste selbstverständlich erscheinen lassen. In diesem Auswahlband zeigt Sweeney sich erneut als Lyriker von abgründigem Witz und zarter Melancholie, grandios ins Deutsche übertragen von Büchnerpreisträger Jan Wagner.

Moderation und Lesung der dt. Texte: Jan Wagner

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Matthew Sweeney wurde 1952 in Lifford (Irland) geboren. Er studierte zunächst Anglistik und Germanistik an der Polytechnischen Hochschule in London und später in Freiburg, wo er in intensiven Kontakt mit deutscher Literatur kam. Seinen ersten Gedichtband veröffentlichte Matthew Sweeney 1981. Neben seiner Tätigkeit als Lyriker schreibt er auch Sachliteratur und Kinderbücher. Heute lebt Matthew Sweeney wieder in Irland.

Jan Wagner wurde 1971 in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Anglistik in Hamburg, Dublin sowie Berlin ist als freier Schriftsteller, Übersetzer, Literaturkritiker und Herausgeber tätig. Unter den vielen Auszeichnungen in Jan Wagners Biografie findet sich seit 2017 auch der renommierte Georg-Büchner-Preis. Heute lebt und arbeitet er in Berlin.

© Neil Astley

open mike-Preisträgerlesung

Mit Mariusz Hoffmann, Baba Lussi, Ronya Othmann und Ralph Tarayil.

30.11.2017, 20:00

Lokal im Mousonturm

Einmal beim ‚open mike’ mit von der Partie sein! – Diesen Wunsch hegen hierzulande viele junge Autor*innen. Denn der wichtigste literarische Nachwuchswettbewerb, der alljährlich in Berlin ausgetragen wird, gilt als „Türöffner“ und „Talentschuppen“. Wer hier gewinnt, bekommt einen Fuß in den Literaturbetrieb. Für so manche Karriere war der ‚open mike’ ein regelrechter Startschuss. Jedenfalls machen sich die Sieger erstmal auf den Weg: nach Wien, Frankfurt und Bern, um aus den prämierten Texten zu lesen und über sie zu sprechen. Bereits zum zweiten Mal dürfen wir die preisgekrönte Reisegruppe bei uns begrüßen – zwischen Sesseln und Brokat, zu Softdrinks oder harten Sachen im Lokal des Mousonturms.

Moderation: Björn Jager und Malte Kleinjung

Eintritt: 7,-/4,- (VVK+AK)

Eine Veranstaltung des Haus für Poesie und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm.

Dez 2017

Babelsprech.International feat. WortKlang

Mit Sarah Reid (CH), Robert Stripling (D), Steve Willey (UK), tba (AUT)

13.12.2017, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Babelsprech.International gibt ein Gastspiel! Entstanden 2013 als Projekt zur Vernetzung junger deutschsprachiger Dichter*innen, widmet sich das Projekt Babelsprech.International seit vergangenem Jahr der Überschreitung von Sprach- und Genregrenzen. Ziel ist, eine neue Kohorte deutschsprachiger Dichter*innen auch international zu vernetzen und zur höheren öffentlichen Wahrnehmung von Lyrik als einer Kunst- und Reflexionsform beizutragen. Kuratiert von den Autor*innen Max Czollek (Deutschland), Robert Prosser (Österreich), Simone Lappert (Schweiz) und Michelle Steinbeck (Schweiz), konzentriert sich diese länderübergreifende Zusammenarbeit auf Slowenien und die Ukraine, Holland und Großbritannien. Wo Grenzen so leichtfüßig überschritten werden, liegt auch der Sprung in andere künstlerische Medien nahe. Beste Voraussetzungen für ein Joint Venture mit der Veranstaltungsreihe WortKlang, die Lyrik und Musik zu kombinieren trachtet.

Moderation: Max Czollek

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes (Deutschland), dem Bundeskanzleramt Österreich, Abteilung Kultur, ProHelvetia (Schweiz), der Kulturstiftung Liechtenstein und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.