PROGRAMM

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LSEP & OKT

Sep 2016

Ernst-Wilhelm Händler

München. Gesellschaftsroman

09.09.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Dieser Text schießt einen in den ‚outer space’. Dafür sorgt in erster Linie weder Katas stylisher Rock, der „wie das Sonnensegel einer Raumsonde im Orbit“ glänzt, noch der zwielichtige Strippenzieher Hahl, in dessen Namen der Computer HAL 9000 aus Odyssee im Weltraum widerhallt. Das Gefühl, die Erde hinter sich zu lassen, rührt vielmehr von der Sprache her, der sich die Protagonisten bedienen: Wo „maximale Turn-Offs“ um jeden Preis zu vermeiden sind, wo sich beim Einkaufen „No-Brainers“ aufdrängen und man sich fragt, ob jemand „cuckoo genug“ sei, dieses oder jenes zu tun, gelten andere Regeln und Gesetze. Ernst Wilhelm Händlers München ist keine Science-Fiction, sondern ein Gesellschaftsroman. Das soziale Milieu aber, das darin geschildert wird, bewegt sich auf so exzentrischen Bahnen, dass literarischer Realismus es nicht mehr einfangen kann.

Thaddea hat sich als Psychosomatikerin selbständig gemacht, ihre beste Freundin Kata die dazugehörige Praxis entworfen. Ben-Luca, mit dem sie liiert ist, arbeitet für ein Auktionshaus. Zu dritt besuchen sie die angesagten Geschäfte, Clubs und Ausstellungen der Stadt. Bereits nach dem Auftritt von Thaddeas erstem Klienten, einem Mann, der durch einen Blitzeinschlag eine Gesichtshälfte eingebüßt hat, beginnt das Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit zu schwinden. Was Traum oder Wirklichkeit, was Kunst oder Leben ist, fällt zunehmend schwerer zu entscheiden. Allein Prada und das P1 sind Anker im Realen. Mit untergründiger Ironie porträtiert Händler so eine Schicht, die sich vom Alltag der Mehrheit immer weiter zu entfernen droht.

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Christoph Schröder

Ernst-Wilhelm Händler, geboren 1953, hat eine Reihe von preisgekrönten Romanen vorgelegt. Nach einem Wirtschafts- und Philosophiestudium, das er mit einer Promotion abschloss, führte sein Weg zunächst auf den Posten des geschäftsführenden Gesellschafters in einem Regensbuger Unternehmen. Als literarischer Autor erstmals in Erscheinung getreten ist er 1995 mit dem Erzählband Stadt mit Häusern.

©Thomas Dashuber

Clemens Berger

Im Jahr des Panda

14.09.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Pia und Julian sind Angestellte einer Sicherheitsfirma und befüllen nachts Geldautomaten – bis sie realisieren, dass ihnen eine Wagenladung Geld in den eigenen Taschen einen Neuanfang irgendwo in der Fremde finanzieren könnte. Kasimir Ab ist Künstler, dessen Werke Rekordpreise bei Auktionen erzielen – bis er von einem Tag auf den anderen sein altes Ich ablegt und sich für ein Leben auf der Straße entscheidet. Rita ist Tierpflegerin im Wiener Zoo und sozial vereinsamt – bis im Tierpark ein Pandababy geboren wird, das ihr Leben auf den Kopf stellt.

Anhand dieser vier zwischen Europa und Asien angesiedelten Figuren stellt Clemens Berger in seinem neuen Roman Im Jahr des Panda die wichtigen Fragen unserer Zeit: Wie gerecht ist das System, in dem wir uns bewegen? Was bedeutet uns Geld? Und was können wir tun, um unsere Existenz wirklich als ein gelungenes Leben zu erfahren?

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Björn Jager

Clemens Berger wurde 1979 geboren. Nach einem Studium der Philosophie lebt und arbeitet er als freier Autor in Wien. Sein Werk umfasst mehrere Romane und Erzählbände.

©Andreas Duscha

Poetische Positionen

Ulrike Almut Sandig liest aus 'ich bin ein Feld voller Raps...'

23.09.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Es gibt viele Doppelexistenzen in der deutschen Gegenwartsliteratur, Autor*innen also, die sich in Lyrik und Prosa gleichzeitig tummeln. Ulrike Almut Sandig ist dabei eine der herausragendsten Vertreterinnen in der Disziplin des Genrespagats, ihre Erzählungs- wie Gedichtbände werden von der Kritik gleichermaßen gefeiert. Es gibt dabei ein Merkmal, dass sich durch ihre Texte zieht wie ein roter Faden: Allesamt sind sie fest im Hier und Jetzt verankert, in das plötzlich das Surreale Einzug hält.

In den Gedichten ihres neuen Bandes ich bin ein Feld voller Raps, verstecke die Rehe und leuchte wie dreizehn Ölgemälde übereinandergelegt führt sie uns durch ein Foltergefängnis inklusive Waterboarding, auf die A14, vorbei an einem verunfallten Tiertransport, und lässt das Ich in einem sich wiederholenden Vexierspiel mit Identitäten immer wieder auf Ulrike und Almut treffen – bis wir schließlich in den grausamen-komischen Welten der Grimms landen: „wir befinden uns tief in der Zukunft der Märchen“, schreibt sie da, und transportiert auf der Höhe ihrer Fähigkeiten die unheimlichen und verstörenden Märchen in die Albträume unserer Gegenwart.

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Malte Kleinjung

Ulrike Almut Sandig, Jahrgang 1979, ist eine Klang-Virtuosin. Davon zeugen vor allem ihre Hörbücher, Hörspiele und preisgekrönten Gedichtbände. Aber auch in Sachen Prosa hat sie sich mit FLAMINGOS  einen Namen gemacht. 2012 erhielt sie dafür unter anderem den Droste-Förderpreis der Stadt Meersburg. Ulrike Almut Sandig lebt in Leipzig und Berlin.

©Ludwig Rauch

Lyrik-Workshop mit Ulrike Almut Sandig

'It wasn’t me und du warst es auch nicht.' Über das Eigene und das Fremde im Gedicht

24.09.2016 - 25.09.2016, 10:00 - 16:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Was passiert, wenn wir in einem Gedicht „ich“ schreiben? Wen meinen wir mit „du“? Lyrik steht wie keine anderere literarische Gattung im Verdacht, nicht mehr als ein Tagebuch in gebundener Sprache zu sein. Was ist dran an diesem Vorurteil? Und wo liegen seine Möglichkeiten für das eigene Gedicht? In dieser Werkstatt untersuchen wir die Sicht auf das Eigene und das Fremde, Autobiografie und Fiktion, Ansprache und Personifikation. Immer auf der Suche nach dem eigenen, unverwechselbaren Ton im Gedicht lesen und diskutieren wir die Texte der Teilnehmenden.

Anmeldungen mit den Texten, die im Seminar behandelt werden sollen, bitte bis zum 15. September unter bjoern.jager@hlfm.de

Gebühr: 100,-/50,-

Mit freundlicher Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Margarete Stokowski

Untenrum frei

28.09.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Dass endlich wieder über Feminismus gesprochen wird, verdanken wir nicht zuletzt einer neuen Generation engagierter Stimmen, von denen die taz– und Spiegel-Journalistin Margarete Stokowski eine der präsentesten ist. In ihrem ersten Buch Untenrum frei setzt Stokowski auf der langen Strecke fort, was sie in ihren wöchentlichen SPON-Kolumnen anreißt: Ob Dating-Tipps für Mädchen in der Bravo oder Prinzessinnenklischees, ob Gehälterungleichheit oder der Mangel an weiblichen Führungskräften, das sexistische Potenzial unserer Alltagssprache oder die gesellschaftlichen Regeln, denen wir uns bei der Ausbildung einer eigenen Gender-Identität bewusst oder unbewusst unterwerfen – pointiert und gleichzeitig differenziert, ernsthaft und gleichzeitig humorvoll betrachtet sie die geschlechterbedingten Machtstrukturen des 21. Jahrhunderts. Um ihre Vorgängerinnen und vergangene Diskurse weiß Stokowski, zitiert Simone de Beauvoir, Susan Sontag und Naomi Wolf. Und dennoch gerät sie nie in die Falle der Theoretisierung, sondern wählt einen essayistischen Ton, der sich zwar aus der eigenen Erfahrung speist, aber auch von ihr abstrahieren kann.

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Björn Jager

Margarete Stokowski, geboren 1986 in Polen, ist seit 1988 Berlinerin. Nach ihrem Studium der Philosophie und Sozialwissenschaften ging sie in den Journalismus. Auf ihre Artikel kann man in diversen Magazinen und Tagesszeitungen stoßen.

Paulus Böhmer zum 80. Geburtstag

Wer ich bin. Mit Monika Rinck, Katharina Hacker, Eva Demski u.a.

29.09.2016, 20:00

Studio 1 im Mousonturm

Wer sich auf sie einlässt, ist im schönsten Sinne nicht mehr zu retten: Geprägt von der amerikanischen Beat-Generation, entfalten Paulus Böhmers Gedichte einen Sound, den man am liebsten auf ‚repeat’ stellen würde. Der Robert-Gernhardt- und Peter-Huchel-Preis, die Böhmer 2013 bzw. 2015 erhalten hat, sprechen für sich. Dass er Frankfurt zu seiner Wahlheimat gemacht hat, ist ein Glücksfall für die Stadt – und vor allem für das Hessische Literaturforum, dessen erster Leiter er war. In diesem Jahr wird Paulus Böhmer 80 Jahre alt. Das will gebührend gefeiert werden! Nicht nur mit Beiträgen von Monika Rinck, Katharina Hacker und Eva Demski, sondern auch mit Paulus Böhmers eigenen Texten, gelesen von Daniel-Dylan Böhmer, Alban Nikolai Herbst und Harry Oberländer.

Eintritt: 12,-/6,- (Der Verkauf erfolgt über den Mousonturm)

Paulus Böhmer ist gebürtiger Berliner. Die Ort seiner Kindheit und Jugend liegen aber in Oberhessen und im Ruhrgebiet. Einen beruflichen Werdegang wie den seinigen findet man kein zweites Mal. Unter anderem ein Jura-Studium, die Werbebranche sowie Stauden- und Ziergraszüchtung markieren Stationen. Von 1985 bis 2001 leitete er das Hessische Literaturforum. Sein literarisches Werk ist mehrfach ausgezeichnet worden.

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen.

©Schöffling&Co

Okt 2016

Lorenz Langenegger

Dorffrieden

05.10.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Das Leben von Polizeiwachtmeister Wattenhofer verläuft in den denkbar ruhigsten Bahnen. Seit fast 25 Jahren ist er verheiratet, sein Sohn ist gerade in die erste eigene Wohnung gezogen, und die schlimmsten Verbrechen in der Schweizer Provinzstadt, in der er arbeitet, sind Falschparken und andere Verkehrsdelikte. Kein Wunder also, dass Wattenhofer, obwohl grundsätzlich sehr zufrieden mit diesem Leben, ab und zu in seiner Phantasie zum großen Actionhelden wird. Doch dann findet er ein zerknülltes Zigarettenpäckchen mit einem Schlüssel, der ihn zu seiner Tasche führt, darin ein zerrissenes Foto seines Sohnes. Ob Wattenhofer einem großen Fall auf der Spur ist, weiß er nicht – und dennoch werden seine Recherchen sein Leben verändern.

Mit seinem dritten Roman Dorffrieden hat Lorenz Langenegger, u.a. auch Tatort-Drehbuchautor, einmal mehr unter Beweis gestellt, was Paul Jandl 2009 in der NZZ  angesichts seines Romandebüts prognostizierte: „Als einfühlsamer Prosaist des leisen Unglücks wird Langenegger künftig vielleicht nicht zu überhören sein.“

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Björn Jager

Lorenz Langenegger, geboren 1980, studierte Theater- und Politikwissenschaften in Bern. Neben seinen Romanen schreibt er auch Drehbücher und Theaterstücke. 2009 nahm er am Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis teil. Er lebt in Zürich und Wien.

Mit Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung.

©Ruth Erdt

Teresa Präauer

Oh Schimmi

11.10.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Schimmi, das ist der menschgewordene Affe, das Hemd aufgeknöpft, damit die Welt seinen Pelz bestaunen kann. Schimmi legt die Frauen reihenweise flach, obwohl er nur die eine haben will, Ninni nämlich, und für die täte er alles. Zumindest so lange, bis ihm die nächste Liebe über den Weg läuft. Und nichts kann Schimmi dann in die Quere kommen – höchstens seine Mama, wenn sie ihn just im falschen Moment auf dem Handy anruft (nämlich während der Balz) oder ihm Avancen macht und vor ihm den Rock bis zu den Strumpfbändern lüpft.

Mit Oh Schimmi legt Teresa Präauer einen neuen Roman vor, in dem ein Taugenichts sich im Großstadtdschungel zum Affen macht. Dabei sprengt sie die Grenze dessen, was wir gemeinhin von einem Roman erwarten. Denn dieser hier kann zwar auch im stillen Kämmerlein gelesen werden, aber eigentlich ist er untrennbar verknüpft mit Teresa Präauers Vortrag.

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Björn Jager

Teresa Präauer, geboren 1979, hat bereits mit ihrem Debütroman Für den Herrscher aus Übersee Aufsehen erregt. Ähnliche Erfolge feierte der zweite Roman Johnny und Jean, der zudem für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 nominiert war. Teresa Präauer lebt in Wien – wenn sie nicht gerade auf Einladung an ausländischen Universitäten weilt.

©Katharina Manojlovic

Debütantenball Deluxe

Maren Kames, Stephan Reich, Philipp Winkler, Julia Wolf

19.10.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die interessantesten Debüts des Jahres? Findet man, wie jeder weiß, bei uns. Zum Auftakt der Buchmesse gibt es gleich drei Erstlinge auf die Ohren: von Maren Kames, Stephan Reich sowie Philipp Winkler – und dazu Julia Wolf als Special Guest. Sie hat zwar bereits debütiert, wurde dafür aber in diesem Jahr beim Bachmannpreis prämiert.
Stephan Reichs Wenn’s brennt wird gerne mit Herrndorfs Tschick verglichen. Fälschlicherweise, denn Reichs Roman ist die ungleich dreckigere Variante, die zeigt, was passiert, wenn zwei Freunde in den letzten großen Ferien nicht mit einem Auto auf Sinnsuche gehen, sondern in einem vermufften Dorf die Zeit totschlagen müssen.
Dreckig ist auch Philipp Winklers Hool. Der Protagonist Heiko hat zwei Familien – seine biologische, die längst zerrüttet ist. Und seine Ersatzfamilie: die Hooligans von Hannover. Diesem Heiko, der voller Zorn durch ein Leben zwischen Hundekämpfen und blutigen Prügeleien taumelt, gibt Winkler eine einzigartige Stimme.
Was Halb Taube halb Pfau sein will, muss indes ein hybrides Wesen haben. Maren Kames mischt Gattungen, bringt Musik zwischen die Buchdeckel. Ihr Wortschatz ist so feingeschliffen wie dezent. In den poetischen Landschaften, die daraus erwachsen, kann man sich nur verlieren.
Julia Wolf veröffentlichte ihren Debütroman Alles ist jetzt 2015. In diesem Jahr gewann sie für ihren 2017 erscheinenden Roman Walter Novak bleibt liegen den 3Sat-Preis. Was sie liest? Das bleibt ein Geheimnis.

 

Eintritt: 5,- (Vorverkauf + Abendkasse)

Moderation: Valentin Tritschler, Nadya Hartmann, Björn Jager und Malte Kleinjung

Maren Kames, geboren 1984, studierte Kultu­rwissen­schaften, Philo­sophie, Literatur- und Theater­wissen­schaften in Tübin­gen und Leipzig, sowie Kreatives Schreiben und Kultur­journ­alismus in Hildes­heim. 2013 Preisträgerin des Jurypreises für Lyrik und des Publikums­preises beim open mike. Maren Kames lebt in Berlin.

Stephan Reich, 1984 geboren, lebt in Berlin. Er studierte Germanistik, Anglistik und Soziologie in Münster und arbeitet als Redakteur bei 11FREUNDE.  Beim 18. und 21. open mike war er unter den Finalisten. Im Frühjahr 2014 erschien das Lyrik-Debüt Everest.

Philipp Winkler, 1986 geboren, wuchs in Hagenburg bei Hannover auf. Er studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und lebt mittlerweile in Leipzig. Veröffentlichungen in Literaturmagazinen und -anthologien, für Auszüge aus Hool erhielt er 2015 den Retzhof-Preis für junge Literatur des Literaturhauses Graz.

Julia Wolf schreibt Prosa und Szenisches für Theater, Radio und Film. Ihr Debütroman Alles ist jetzt wurde mit dem Kunstpreis Literatur 2015 der Brandenburg Lotto GmbH ausgezeichnet. Für 2016 erhielt sie ein Aufenthaltsstipendium des Künstlerhauses Edenkoben.

© Franziska Rieder

Mit freundlicher Unterstützung von Deutsche Verlagsanstalt, Frankfurter Verlagsanstalt, Aufbau Verlag und Secession Verlag

Wortküsten und Sprachpolder

Neue Poesie aus Flandern und den Niederlanden. Mit Leonard Nolens (Fl), Elvis Peeters (Fl), Rozalie Hirs (NL), Rodaan Al Galidi (NL/Irak), Anneke Brassinga (NL)

21.10.2016, 19:30

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Vielstimmig auf engstem Raum erscheint die niederländisch-flämische Poesie: Spielerisch, lakonisch, absurd, multimedial, multikulturell, ländlich, urban, klassisch und experimentell.

Fünf preisgekrönte Autor*innen aus Flandern und den Niederlanden zeigen die enorme Vielfalt eines engen geografisch-kulturellen Raumes. Leonard Nolens wird schon lange für den Literaturnobelpreis gehandelt. Anneke Brassinga widmet sich als Sprachmagierin existenziellen Erfahrungen. Der irakische Flüchtling Rodaan al Galidi gilt als wichtigste Stimme einer neuen multikulturellen Gesellschaft. Rozalie Hirs ist Lyrikerin und anerkannte Komponistin. Sie arbeitet oft multimedial und grenzüberschreitend. Elvis Peeters ist Rockmusiker, Performer und Schriftsteller.

Moderation und Lesung der deutschen Texte: Dirk Hülstrunk

Der flämische Songwriter Tijs Delbeke begleitet die Veranstaltung musikalisch.

Eintritt: frei

In Kooperation mit Nederlands letterenfonds und Vlaams Fonds voor de Letteren im Rahmen des Gastlandauftritts auf der Frankfurter Buchmesse 2016.

Oliver Nachtwey

Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne

25.10.2016, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Fahrstuhl oder Rolltreppe? Das ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit. Wenn Soziologen im Spiel sind, kommen sie, je nach Transportmittel, zu unterschiedlichen Beschreibungen der Gesellschaft. Der Fahrstuhl des Wirtschaftsbooms, in dem alle Klassen einen gemeinsamen Aufstieg erlebt haben, wurde ausrangiert. Jetzt finden wir uns, so der erhellende Bildwechsel von Oliver Nachtwey, auf der Rolltreppe wieder. Für manche geht es weiterhin nach oben. Immer mehr Menschen aber beschleicht das Gefühl, gegen die Fahrtrichtung zu laufen. Wie sehr sie sich auch anstrengen – die nächste Etage kommt nicht in Sicht. Mit Glück bleiben sie, wo sie vorher schon waren. Davon können diejenigen, die es abwärts trägt, nicht einmal mehr träumen. Leichthändig erklärt Nachtwey die Ursachen dieser Abstiegsgesellschaft. Und er zeigt, inwiefern sich der vielerorts breitmachende Unmut aus ihr speist. Die Gruppen, die diesen Unmut artikulieren, sollte man kennen. Denn das Aufbegehren in der regressiven Moderne hat gerade erst begonnen.

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Malte Kleinjung

Dr. Oliver Nachtwey, geboren 1975, studierte Volkwirtschaftslehre in Hamburg. 2008 wurde er in Göttingen mit einer Arbeit über die „Marktsozialdemokratie“ promoviert. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Arbeits- und Industriesoziologie sowie vergleichende Kapitalismusforschung.

Sigrid Löffler, Najem Wali

Kultur/Wandel. Zur Rolle der Literatur in der Migrationsgesellschaft

29.10.2016, 18:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Die Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte haben eine neue Form der Literatur  hervorgebracht, die zumeist von Migranten aus Krisen- und Konfliktregionen geschrieben wird. Fragen zu Flucht, Vertreibung und der schwierigen Suche nach einer neuen Identität in der Fremde nehmen einen zentralen Stellenwert der literarischen Auseinandersetzung ein. Worin liegen die Charakteristika dieser „neuen Weltliteratur“ (Sigrid Löffler)? Wie kann Literatur die Fragen zu Flucht und Migration aufgreifen, reflektieren und mitgestalten?

Im Gespräch mit Sigrid Löffler (Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler) und Najem Wali (Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt) soll diesen Fragen nachgespürt werden.

Eintritt: 7,-/4,- (Vorverkauf)| 8,-/5,- (Abendkasse)

Moderation: Susanne Komfort-Hein

Sigrid Löffler ist für ihre Arbeit als Literaturkritikerin und Kulturkorrespondentin mehrfach ausgezeichnet worden. Im Fernsehen hat sie sich vor allem als Mitglied des literarischen Quartettes einen Namen gemacht.

Najem Wali wurde im irakischen Basra geboren, flüchtete 1980 nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs nach Deutschland. Heute lebt er als freier Autor und Journalist in Berlin. Er ist Kulturkorrespondent der bedeutendsten arabischen Tageszeitung Al-Hayat und schreibt regelmäßig für deutschsprachige Zeitungen.

Susanne Komfort-Hein ist Professorin für Literaturgeschichte des 20. Jahrunderts, Gegenwartsliteratur und Literaturtheorie an der Goethe-Universität Frankfurt.

© gezett.de

Mit freundlicher Unterstützung der Evangelischen Akademie Frankfurt.