PROGRAMM

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LJAN & FEB

Jan 2019

Debütantenball

Mit Donat Blum und Karoline Menge

17.01.2019, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Zum Auftakt des neuen Jahres bitten wir zum Debütantenball – und dabei dreht sich alles um Familien und Verlust. In Karoline Menges Roman Warten auf Schnee ist die Mutter der beiden Hauptfiguren Pauli und Karine verschwunden – wie auch sonst die Bewohner des Dorfes nach und nach losziehen, nicht zurückkehren und den Ort dem Verfall überlassen. Was nach moderner Landflucht klingt, entwickelt sich jedoch peu à peu zu einem modernen Schauermärchen.

Donat, der Protagonist in Donat Blums Erstling Opoe, ist gleich zweifach auf der Suche. Nach dem Tod seiner Großmutter bereut er, ihr nie nahe gewesen zu sein. Auf einer Reise versucht er, ihrem Leben nachzuspüren und die alte Frau, die ihn bis zu ihrem Tod siezte, zu verstehen. Immer deutlicher aber verschiebt sich sein Fokus: auf ihn selbst und die Frage, wie sein Leben, sein Lieben eigentlich gelingen kann.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia.

Karoline Menge, geboren 1986 in Berlin, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Sie veröffentlichte Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien, wurde 2014 mit dem 2. Platz des Würth-Literaturpreises ausgezeichnet und war 2015 Stipendiatin des Landes Niedersachsen. 2018 erhielt Karoline Menge den Ulla-Hahn-Autorenpreis der Stadt Monheim am Rhein. Sie lebt in Berlin.

Donat Blum, 1986 in Schaffhausen geboren, hat am Schweizerischen und Deutschen Literaturinstitut studiert. Er veröffentlicht in zahlreichen Zeitschriften, ist Mitveranstalter der Werkstattgespräche „Teppich“ im Literaturhaus Zürich, Initiator der Veranstaltung „Skriptor“ an den Solothurner Literaturtagen und Herausgeber der Literaturzeitschrift Glitter. Donat Blum lebt in Zürich und Berlin.

Eva Demski stellt vor: Mark Zak

Erinnert euch an mich. Über Nestor Machno - Porträt des ukrainischen Anarchisten

23.01.2019, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Ein Priester wurde in den Kessel einer Lokomotive gesteckt und bei lebendigem Leib verbrannt. Der Befehl dazu kam genauso von Nestor Machno wie beim Überfall auf einen Ball reicher Bürger und Offiziere: „Unsere Leute hatten alle Ausgänge und Wege besetzt und töteten jeden, der ihnen entgegenkam“. Fast im selben Atemzug warnte er hellsichtig vor der „Polizei-Gesellschaft“ der Bolschewiki: „Sie werden alle und alles vernichten, was nicht ihrer Partei oder Ideologie entspricht.“ Von Bauern und Arbeitern als Befreier verehrt, kämpfte Machno während der Russischen Revolution mit seinen Partisanen für einen Anarcho-Kommunismus. Im Mehrfrontenkrieg gegen ukrainische Nationalisten und die Rote Armee ein kühnes, aber nahezu aussichtsloses Unterfangen.

Mark Zak verfährt ähnlich wie Walter Kempowski in Echolot: Zeitungsartikel, offizielle Dokumente, Briefe und private Aufzeichnungen mehrerer Zeitgenossen, darunter sowohl Anhänger als auch Gegner Machnos, werden zu einem Mosaik aus widerstreitenden Positionen zusammengefügt. Indem das Porträt des ukrainischen Anarchisten so zu schillern beginnt, entzieht es sich einseitigen, vorschnellen Urteilen. Es wirft ein Schlaglicht auf eine Episode ukrainisch-russischer Geschichte, deren Gewalt bis heute nachhallt.

Moderation: Eva Demski

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

© Gerardo Milsztein

Mark Zak, wurde 1959 in Lwiw (Lemberg) geboren, wuchs in Odessa auf und kam 1974 mit seiner Familie aus der UdSSR nach Westdeutschland. Als Schauspieler hat er in über hundert deutschen und internationalen Filmen mitgewirkt wie z.B. Bridge of Spies und Bang Boom Bang. 2013 erschien sein Krimi Glaube Liebe Mafia, 2018 wurde sein Theaterstück Begleitagentin in Köln uraufgeführt, wo Mark Zak mittlerweile lebt.

Eva Demski, geboren 1944 in Regensburg, lebt seit 1977 in Frankfurt und arbeitet dort als freie Schriftstellerin. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit der Goetheplakette des Landes Hessen, dem Kulturpreis Regensburg sowie beim Bachmannwettbewerb. Neben zahlreichen Romanen hat sie immer wieder Essaybände veröffentlicht.

 

Feb 2019

„Es ist immer eine Sekunde zu früh“

Hermann Burger zum 30. Todestag

06.02.2019, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Der Schweizer Schriftsteller Hermann Burger (1942 – 1989) war „ein Wortakrobat, ein Selbstvermarkter, ein Wahnsinniger“ (Martin Dean). Kurz vor seinem Tod hatte er noch mit dem Fischer Verlag um einen Ferrari gefeilscht – es wäre sein dritter gewesen. Lange bevor die Popliteraten sich in Pose warfen, rauchte Hermann Burger schon Zigarren, trug teure Anzüge und fuhr schnelle Autos. Der Tod, die Scheintoten und Verschollenheit waren indes die Themen, die ihn literarisch Zeit seines Lebens umtrieben – und sich in preisgekrönten Romanen wie Die künstliche Mutter (1982) niederschlugen. Mäandernde, von Fremdwörtern und Neologismen durchwirkte Sätze sind das Markenzeichen von Hermann Burgers Sprache. Er bezauberte mit seinem Esprit, mit seinem Wissen, mit seiner Begeisterungsfähigkeit und seiner Euphorie, die allerdings auch bedrängend werden konnte. Zu Beginn der siebziger Jahre stellten sich Depressionssymptome ein. Wenn er Medikamente nahm, konnte er nicht schreiben, und die Zeiten, in denen er schreiben konnte, wurden immer kürzer. Am 28. Februar 1989 starb Hermann Burger durch eine Überdosis Schlaftabletten.

Anlässlich des 30. Todestages werden Hanne Kulessa und Simon Zumsteg, Herausgeber der Burger-Gesamtausgabe, über Leben und Werk des Schweizer Autors sprechen, der zu Unrecht aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden droht. Im Anschluss an die Veranstaltung laden wir zu einem kleinen Umtrunk und einem Imbiss ein.

Moderation: Hanne Kulessa

Lesung der Texte: Thomas Hupfer

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

Mit freundlicher Unterstützung des Schweizerischen Generalkonsulats Frankfurt.

© Yvonne Böhler

Simon Zumsteg hat in Zürich und Wien Germanistik, Philosophie und Geschichte studiert und wurde mit einer Studie zum Werk von Hermann Burger promoviert. Danach zeichnete er als Herausgeber von Burgers „Werken in acht Bänden“ (2014) verantwortlich und war als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Literaturarchiv an der Edition des Romans „Lokalbericht“ (2016) aus Burgers Nachlass beteiligt.

Hanne Kulessa ist seit 1982 freie Autorin, Moderatorin und Kritikerin (u.a. beim Hessischen Rundfunk). Seit 2015 verantwortlich für die Lese-und Diskussionsreihe „Salon kontrovers“ im Frankfurter Holzhausenschlößchen. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, Herausgaben, Anthologien, Erzählungen. Sie lebt in Frankfurt am Main.

 

John Wray

Gotteskind

11.02.2019, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Aden Grace Sawyer will weg aus ihrer kalifornischen Heimat, weg aus einem Land, das nichts als „eine leuchtend helle Leere“ ist und dem Flughafen gleicht, an dem sie alles hinter sich lässt: die saufende Mutter, den Vater, einen säkularen Muslim, der den wahren Glauben nicht kennt, ja, selbst ihren Namen. Sie schert sich die Haare, bindet ihre Brüste ab und unterdrückt die Menstruation mit Hilfe von Medikamenten, um sich in Suleyman Al-Na’ama zu verwandeln. Mit dem Entschluss, in den Jihad zu ziehen, beginnt eine Reise, die von einer pakistanischen Medrese über die afghanische Taliban bis in die Wirrungen von 9/11 führt.

Der amerikanisch-österreichische Autor John Wray begeisterte 2017 beim Bachmann-Preis Jury und Publikum mit seinem Text „Madrigal“ und erhielt dafür eine Auszeichnung. Gotteskind ist nun sein lang erwarteter neuer Roman, eine Coming-of-Age-Geschichte im Zeichen des islamistischen Terrors. Er erzählt von der Suche einer jungen Frau nach Sinnhaftigkeit, die unauflöslich mit der eigenen Radikalisierung verwoben ist.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

© Jan Schoelzel

John Wray wurde 1971 in Washington, D.C., als Sohn eines amerikanischen Vaters und einer österreichischen Mutter geboren. Studium am Oberlin College, an der Columbia University und an der Universität Wien. Er lebt als freier Schriftsteller in Brooklyn und Friesach (Kärnten). 2007 wurde er von dem Literaturmagazin „Granta“ unter die zwanzig besten jungen US-Autoren gewählt, 2017 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt mit dem Preis des Deutschlandfunks ausgezeichnet.

Susanne Röckel

Der Vogelgott

21.02.2019, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Am Anfang steht der Tabubruch: Der Hobbyornithologe Konrad Weyhe erlegt in einem Dorf einen Vogel, der für die Bewohner eine wichtige Bedeutung zu haben scheint und als eine Art Gottheit verehrt wird. Die Tat bleibt nicht folgenlos: Auch Konrads Kinder – der Journalist Laurenz, die Kunsthistorikerin Dora und der Mediziner Thedor – werden in ihrem Leben den Weg dieses Vogelkultes kreuzen, begegnen der Gottheit in Afrika bei einem humanitären Einsatz, bei Recherchen für eine Reportage, auf einem Madonnen-Gemälde. Die Begegnungen münden in Gewalt, fordern Menschenopfer und rauben den Figuren den Verstand. Schnell wird klar: Mit Rationalität ist dem archaischen Wesen nicht beizukommen, das aus den Tiefen der Naturmysthik in die Zivilisation hereinbricht.

Susanne Röckels Roman Der Vogelgott war mit Sicherheit der außergewöhnlichste Titel auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2018. Fernab des derzeit dominanten realistischen Erzählens entfaltet sie ein Tableau mit Anklängen an Schauerliteratur und Schwarzer Romantik.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

© Gerald von Foris

Susanne Röckel, geboren 1953 in Darmstadt, studierte Germanistik und Romanistik in Berlin und Paris. Nach Zwischenstationen bei der Zeitschrift Filmkritik und in Shanghai, wo sie als Deutschlehrerin arbeitete, ist sie heute freie Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen (Paula Fox, Antonia S. Byatt, Irène Némirovsky, Joyce Carol Oates u.a.). Susanne Röckel lebt in München.

Ein Abend für Paulus Böhmer

27.02.2019, 20:00

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.

Am 5. Dezember 2018 ist der Lyriker Paulus Böhmer im Alter von 82 Jahren plötzlich und unerwartet in Frankfurt verstorben. Mit ihm haben wir nicht nur einen Mitstreiter, einen Wegbegleiter und einen Freund verloren, sondern vor allem auch einen großen Künstler, dessen Gedichte zu den bedeutendsten Texten der deutschsprachigen Gegenwartslyrik gehören. Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor hat Paulus Böhmer die Möglichkeiten des epischen Langgedichts genutzt, um die menschliche Existenz und ihre Vergänglichkeit in all ihren Facetten zu erkunden. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Hölty-Preis 2010, dem Robert-Gernhardt-Preis 2013 und dem Peter-Huchel-Preis 2015.

An diesem Abend hatte er seinen neuesten Gedichtband NO HOME vorstellen wollen. Was ihm selbst leider nicht mehr vergönnt war, werden Daniela Danz, Eva Demski, Alban Nikolai Herbst, Thomas Hettche, Ricarda Junge und Jan Volker Röhnert zu seinem Andenken tun.

Eintritt: 7,-/4,- (VVK) | 8,-/5,- (AK)

© Dirk Skiba