Michael Kumpfmüller

Michael Kumpfmüller

Ach, Virginia

03.03.2020, 19:30 Uhr

Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.


Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Michael Kumpfmüller jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Er hat den Mut, sich dieser bedeutenden Autorin in ihren dunkelsten Stunden zu nähern. Es ist der März 1941. Das Ehepaar Woolf hat sich in ein Landhaus zurückgezogen, um den deutschen Bomben auf London zu entgehen. Virginia Woolf hat ihren Roman Zwischen den Akten fertiggestellt – und fällt in eine tiefe Depression. Sie findet weder Schlaf noch Gefallen an irgendetwas. Abgesehen vom Schrubben der Fußböden. Ihr Mann Leopold, der für sie „so etwas wie ein Hund“ ist, umsorgt sie. Doch die Toten kommen nicht nur mehr im Traum zu Besuch.

Ach, Virginia führt in die Gedankengänge einer Depressiven, ohne sich die Perspektive des Ichs anzumaßen. Aus dieser respektvollen, aber auch ironischen Distanz lässt Michael Kumpfmüller seine Heldin Rechenschaft vor sich selbst ablegen: über das eigene Schreiben, ihre asexuelle Ehe und nicht zuletzt über ihre niedersten Regungen. Kurzum: eine Charakterstudie im Kammerspielformat.

Moderation: Björn Jager

Eintritt: 7,-/4,- (VVK)| 8,-/5,- (AK)

Michael Kumpfmüller, geboren 1961 in München, hat Geschichte und Germanistik in Tübingen, Wien und Berlin studiert. 1986 zog er nach Berlin, wo er zuerst als Journalist für Tageszeitungen und Radio arbeitete. Mehrere Romane, Übersetzungen in andere Sprachen und Auszeichnungen, u.a. der Alfred-Döblin-Preis.

© Joachim Gern