Dana von Suffrin

»Toxibaby«

19:30

»Ich litt unter derselben Krankheit, an der Frauen schon seit Jahrhunderten litten: Auch ich hatte versucht, einen Mann zu retten.«

 

Wenn Herzchen Goldberg, gefeierte Münchner Schriftstellerin, sich einer Sache sicher ist, dann jener: dass ihr Freund Toxi der schönste Mann ist, der jemals auf Erden wandelte – und der klügste obendrein. Niemand kann so formvollendet marxistische Theorie und Foucault anführen, um allen, die zuhören, klarzumachen, warum man sich auch mit Anfang 40 nicht im Stande sieht, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Doch auch Herzchen ist nicht ganz unschuldig daran, dass die Beziehung alle paar Wochen krachend scheitert, denn so penetrant wie sie sucht selten jemand nach Erlösung durch den Partner.

In Dana von Suffrins neuem Roman Toxibaby haben sich zwei gefunden, die sich nie hätten suchen dürfen: Hier die Starautorin, die in ihren Büchern um ihre neurotische Familie kreist und nicht begreift, dass sie all die schlechten Angewohnheiten ihrer Eltern geerbt hat. Und da der Narzisst, dessen Ablehnung des Bürgerlichen nur noch Fassade ist für eine unbändige Wut auf die Welt. Toxibaby klingt, als hätten Jane Austen und Helmut Dietl ein Hassbaby gezeugt – selten wurde so witzig, so böse und so analytisch und klug über zwei Liebende aus guten Verhältnissen und über die Neurosen unserer Gegenwart geschrieben.

Moderation: Björn Jager

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Dana von Suffrin
© Gunter Glücklich

Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren und studierte in München, Neapel und Jerusalem. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Klaus-Michael-Kühne Preis (2019), dem Ernst-Hoferichter-Preis (2020), dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises (2020), dem Tukan-Preis (2024) und dem Chamisso-Preis (2025). Toxibaby ist nach Otto (2019) und Nochmal von vorne (2024) ihr dritter Roman. Dana von Suffrin lebt in München.