Christoph Heubner

»Als wir die Maikäfer waren«

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

19:30

»Mich hat Auschwitz nie verlassen« – so fasste Zofia Posmysz das Bedrohungsgefühl zusammen, das viele Überlebende der NS-Vernichtungspolitik noch Jahrzehnte nach ihrer Befreiung begleitet. Mit gerade einmal 18 Jahren wurde die polnische Widerstandskämpferin 1942 in Krakau verhaftet, weil sie Flugblätter gegen die deutsche Besatzung verteilt hat. Sie überlebte verschiedene Konzentrationslager und setzte sich bis zu ihrem Tod im Alter von 98 Jahren für das Gedenken ein. Ihr Roman Die Passagierin diente als Vorlage für die gleichnamige Oper von Mieczysław Weinberg, die am 1. Februar in der Oper Frankfurt Wiederaufnahme feiert. 

Christoph Heubner war lange Jahre mit Zofia Posmysz befreundet. In seinem im Steidl Verlag erschienenen Erzählungsband Als wir die Maikäfer waren hat er neben vielen anderen Überlebenden, die er im Rahmen seiner Tätigkeit als Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees kennenlernen durfte, auch Zofia Posmysz eine Erzählung gewidmet, die ihre Erinnerungen und die Entstehung des Romans und der Oper Die Passagierin aufgreift.

Alle Geschichten in Heubners Band erzählen von Menschen, die den Holocaust überlebt haben und in ihrem zweiten Leben weiterleben müssen mit ihren Toten und ihren Schuldgefühlen, mit ihrer Trauer und ihrem Zorn. Anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz wollen wir diesen Geschichten ihren Raum geben und auch darüber sprechen, vor welchen Herausforderungen das Gedenken an die NS-Verbrechen in Zukunft steht.

Moderation: Christian Dinger

In Kooperation mit dem Internationalen Auschwitz Komitee. 

Christoph Heubner
© Bernd Oertwig

Christoph Heubner, geboren 1949 ist Schriftsteller und Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. Bei Steidl erschienen die Erzählbandbände Ich sehe Hunde, die an der Leine reißen (2019), Durch die Knochen bis ins Herz (2021) und Als wir die Maikäfer waren (2023).